Hier baut er seinen Marstall

Able-Zelt wird sich am Hippodrom orientieren

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Entscheidung gefallen: Sigi Able darf mit dem Marstall auf den Stellplatz des Hippodroms.

München - Allen Unkenrufen zum Trotz hat er es doch geschafft: Der bisherige „Kalbskuchl“-Betreiber Siegfried Able (49) steigt in den Wiesn-Olymp auf. Er gibt erste Infos preis.

Der Wirtschaftsausschuss des Stadtrates beschloss gestern die Zulassung des Mannes, der auch den jährlichen Eiszauber am Stachus sowie den Biergarten am Lerchenauer See betreibt. Damit wird er Wirt eines der fünf großen brauerfreien Zelte.

Diese Lizenz mit der Millionen-Garantie war frei geworden, weil der bisherige Betreiber des Hippodroms, Sepp Krätz, wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde. Unter den Bewerbern für Krätz’ Platz hatte sich unter anderen auch Spöckmeier-Wirt Lorenz Stiftl beworben, der in ganz Süddeutschland Volksfeste beschickt und auf der Wiesn bislang mit einem kleineren Zelt vertreten war. Stiftl wollte von Krätz das Hippodrom samt Belegschaft und Namensrechten übernehmen.

Das brachte ihm die Sympathien einiger Mitglieder des Wirtschaftsausschusses ein. Denen war auch aufgefallen, dass die Bewerbung Ables ausgesprochen gut ausgefallen war. Dieser erreichte Platz zwei und ließ so alt eingesessene und renommierte Betriebe wie die Schottenhamels oder Kufflers hinter sich.

„Das Ganze hat schon ein Gschmäckle“, sagteetwa CSU-Stadtrat Georg Schlagbauer. Andere mutmaßten, Able hätte Nachhilfe bekommen, wozu wiederum eigentlich nur das Wirtschaftsreferat das Know-how hätte. Auch Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid (SPD) meldete vor der Sitzung „Klärungsbedarf“ an. Able hatte die Konkurrenten nach tz-Informationen mit einem veganen Gericht auf der Speisekarte, mit Bio-Öl betriebenen Gabelstaplern und Solarzellen auf dem Dach überholt. Stiftl wiederum hatte einen Malus, weil er sich dieses Mal nicht mit seiner Firma, sondern persönlich beworben hatte. Für Schmids Parteifreund und Bald-OB Dieter Reiter, der als Chef des Wirtschaftsreferates für die Wiesn zuständig ist, keine einfache Situation. Zumal er derzeit noch auf der Suche nach Mehrheiten im Stadtrat ist.

Doch der erklärte nach zwei Stunden anstrengender Sitzung: „Der Wirtschaftsausschuss hat beschlossen, dass Siegfried Able Nachfolger für den Platz von Sepp Krätz wird.“ Man habe alle Fragen der Stadträte beantworten können. „Es hat keine Beeinflussung stattgefunden“, erklärte Reiter. Und weiter: „Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, den extrem wilden Verdacht auszuräumen, dass bei der Zulassung etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist.“ Nach tz-Informationen fiel die Entscheidung allerdings mit drei Gegenstimmen.

Johannes Welte

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tz-Interview: Das sagt der neue Wirt

Jetzt ist es amtlich: Der Münchner Gastronom Sigi Able (Eiszauber am Stachus, Seebiergarten Lerchenau) ist Nachfolger von Sepp Krätz. Die tz sprach kurz nach der Entscheidung mit dem 49-jährigen Sieger.

Herr Able, Sie haben das geschafft, wovon alle träumen ...

Sigi Able: Ich habe zwar noch keine offizielle Bestätigung. Aber wenn es stimmt, bin ich sehr stolz. Meine Frau und ich haben vor 30 Jahren mit einem Brezn-Standl angefangen und uns alles hart und mit Leidenschaft erarbeitet. Wenn ich mir diesen Tag rot im Kalender anstreiche, dann auch als Beweis, dass man etwas erreichen kann, wenn man es wirklich will.

Manch einer hat ja bezweifelt, dass Sie sich das wirklich ganz alleine erarbeitet haben.

Sigi Able: Das hat mich sehr gekränkt. Es waren schwere Tage für unsere Familie, und wir sind erleichtert, dass das vorbei ist. Ich habe definitiv keine Hilfe bei der Bewerbung gehabt. Jeder, der lang in der Gastronomie ist, weiß, was man von einem Top-Gastronomen erwartet. Und dass der Stadt bei der Wiesn zum Beispiel heute auch Themen wie Familienfreundlichkeit und Ökologie wichtig sind, weiß jeder, der nicht mit Scheuklappen auf der Wiesn arbeitet.

Apropos Scheuklappen: Wird Ihr neues Zelt, der Marstall, auch etwas mit Pferden zu tun haben?

Sigi Able: Ich werde mich in den kommenden Tagen auf einer Pressekonferenz zum Konzept des neuen Zelts äußern. Die Vermutung, dass es Ähnlichkeiten zum Hippodrom gibt, ist richtig. Aber natürlich im Stil der Familie Able.

Könnten Sie sich vorstellen, Personal vom Hippodrom zu übernehmen?

Sigi Able: Für erfahrenes, gutes Personal steht die Tür jederzeit offen.

Der Unterlegene: Lorenz Stiftl nimmt es sportlich

Er ist ein fairer Verlierer. Lorenz Stiftl, der als größter Konkurrent von Sigfried Able galt, sagte zur tz: „Ich sehe das sportlich. Eine Silbermedaille bringt mir nichts. Aber ich kann mich wieder bewerben.“ Er hätte das Hippodrom weiter betreiben wollen. „Der Kaufvertrag stand schon, ich hätte Konzept und Mitarbeiter übernommen. Ich weiß nicht, warum es nicht geklappt hat.“ Der Wirt vom Spöckmeier und dem kleinen Wiesn-Zelt Zum Stiftl habe Unkosten für Bewerbung und Planung gehabt: „Aber das muss man einkalkulieren.“ Er und seine Berater werden sich „wohl nicht gegen die Entscheidung wehren“.

Interview: Nina Bautz 

Quelle: Oktoberfest live

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