Privatermittler auf der Wiesn

So jagt der Detektiv Blaumacher und Fremdgänger

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Massen im Zelt - da fällt Ermittler Bakiner nicht auf.

München - Bier, Blasmusik – und Betrug? Die Wiesn wird immer mehr zur Spielwiese für Blaumacher und Fremdgänger. So sagt’s uns der Münchner Privatermittler Tamer Bakiner (42).

Mit seiner Detektei kümmert sich Bakiner schon seit Jahren um Fälle von untreuen Eheleuten und angeblichen Kranken. Er sagt: „Auf der Wiesn fallen alle Hemmungen. Das ist eine Entwicklung, die man in den vergangenen Jahren verstärkt beobachten kann.“ Beobachten ist genau das richtige Stichwort. Denn: Genau dafür sind Bakiner und seine Leute da. Sie observieren die Verdächtigen – und auf der Wiesn fällt das besonders leicht: „Es ist ideal für uns. Auf dem Oktoberfest sind so viele Leute … Da fällt jemand wie ich gar nicht auf. Ich kann mein Handy zücken und die Zielperson fotografieren, ohne dass jemand Verdacht schöpft.“ Hinterher dienen die Fotos als Beweismittel. Wie in diesen realen Fällen hier:

Der Blaumacher

Der Chef eines Unternehmens aus Frankfurt wunderte sich, dass einer seiner leitenden Angestellten, ein 45-jähriger Mann, so oft krank war. Der Verdacht: Vielleicht ist der Grund in Wirklichkeit nicht die angeschlagene Gesundheit. Vielleicht will sich da jemand Extrafreizeit erschummeln. Um Klarheit zu bekommen, schaltete der Chef die Detektei Bakiner ein. Der Ermittler erzählt: „Wir begannen in Frankfurt mit der Observation. Pünktlich zum Wiesn-Anstich ist die Zielperson nach München gefahren, immer unter Beobachtung von mir und einem Kollegen. In den folgenden zwei Wochen ist der Mann jeden Tag auf die Wiesn gegangen, war in den Zelten unterwegs, hat eine Mass Bier nach der anderen getrunken und auf den Bänken getanzt.“ Klar: Offiziell hätte der Mann in Frankfurt sein müssen, um Rücken- und Kopfschmerzen auszukurieren … Also eine linke Tour – und komplett dokumentiert. Bakiner hatte die Zielperson fotografiert und exakte Protokolle angefertigt. Kündigung! Und das ist nur einer von vielen ähnlichen Fällen. Bakiner sagt: „Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Zahl solcher Fälle bei uns mindestens verdreifacht.“

Die untreue Ehefrau

Eine Arzthelferin (29) hatte ihrem Mann erzählt, sie gehe mit Kolleginnen auf die Wiesn – und er wollte wissen, was sie dort tut. Er beauftragte Tamer Bakiner. Der Ermittler: „Eigentlich war das Zelt wegen Überfüllung geschlossen, aber ich bin zusammen mit einem Mitarbeiter trotzdem reingekommen. Zum Glück kenne ich die richtigen Leute … Wir haben die Frau observiert – und sie hat nicht lange gebraucht, bis sie mit einem jungen Mann anbandelte. Die haben geschunkelt und getanzt, sich geküsst, immer intensiver. Und man hat deutlich gesehen, dass die Initiative von ihr ausgegangen ist.“ Auch in diesem Fall machte Bakiner Fotos. Und auch in diesem Fall hatte die Sache Folgen: Das war’s mit der Ehe! Interessant: Früher ging’s in solchen Fällen fast nur um Männer, heute spricht Bakiner von einem „Verhältnis eins zu eins“.

Der Detektiv

Das Unternehmen des Münchner Privatermittlers Tamer Bakiner (42, Foto oben) hat Servicebüros in mehreren deutschen Städten. Sein weltweites Partnernetzwerk umfasst 70 Länder. Er ermittelt unter anderem in Sachen Wirtschaftskriminalität und Industriespionage. Zu seinen Aufgaben gehören die Analyse und Aufklärung komplexer wirtschaftlicher Zusammenhänge. Immer wieder arbeitet er für prominente Kunden und große Konzerne.

Uli Heichele

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