Petition gegen Lohnsteuerjahresausgleich

Wiesn-Bedienungen kämpfen bei Söder für mehr Netto

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An der Seite von 14 Wiesn-Bedienungen (stellvertretend für die Besatzung im jeweiligen Festzelt) steht der bayerische Finanz- und Heimatminister Markus Söder (CSU).

München - Finanzminister Markus Söder will in Berlin für die finanziellen Interessen der Wiesn-Bedienungen kämpfen, die eine Petition gegen den geplanten Lohnsteuerjahresausgleich unterschrieben haben.

Ja, ist denn scho wieder Wiesn? 14 rausgeputzte Oktoberfest-Bedienungen haben Finanzminister Markus Söder (CSU) gestern 3600 Unterschriften überreicht! Bezirzen mussten sie Söder gar nicht, sie rannten bei ihm sogar offene Türen ein. Ihr Aufstand richtet sich vielmehr gegen die Bundesregierung: „Wir wollen mehr Netto, wir wollen unser eigenes Oktoberfestgesetz!“

Der Sachverhalt ist kompliziert: Ein neues Einkommensteuergesetz des Bundes passt den Wiesn-Bedienungen gar nicht: Sie müssten demnach erst mal einen Großteil ihres Lohns an den Fiskus abgeben. Hat eine Bedienung bisher beispielsweise 5500 Euro netto verdient, bekäme sie nach der neuen Regelung erst einmal nur 2500 Euro auf die Hand – und dann erst Monate später beim Lohnsteuerjahresausgleich den Restbetrag. Der Grund: Nach diesem Gesetz wird sie wegen ihres hohen Gehalts innerhalb der 16 Tage wie ein Spitzenverdiener besteuert. Um das sinnlose Hin- und Hergeschiebe zu umgehen, galt für die vergangenen beiden Jahre der sogenannte permanente Lohnsteuerausgleich, eine bayerische Sonderregelung. Dabei wird ein kurzfristig hoher Lohn für die Berechnung der Lohnsteuer auf einen längeren Zeitraum umgelegt. Das senkt den Durchschnittsverdienst und führt zu einem höheren Nettoeinkommen. Aber wie lange noch?

„Wir können bereits jetzt zusagen, dass die bayerische Lösung 2015 noch gelten wird“, kündigte Söder gegenüber den Bedienungen an. Dafür gab’s Applaus. Söder setzte noch einen drauf: „Die Wiesn ist kein normales Volksfest. Der Bedienungsjob ist verdammt hart und muss fair entlohnt werden. Wir brauchen eine spezielle, dauerhafte Oktoberfest-Öffnungsklausel im Gesetz. Ich leite die Unterschriften an Wolfgang Schäuble weiter – und lade ihn hiermit zu einem Wiesn-Besuch ein.“

Ob Söder und die Bedienungen mit dem Aufstand Erfolg haben werden, war gestern beim Bundesfinanzministerium nicht zu erfahren.

Nina Bautz

Gehe in Vorkasse

"Ich gehe jedes Jahr mit 2000 bis 3000 Euro in Vorkasse, für Bier- und Hendl-Freizeichen und Arbeitskleidung. Da kann ich nicht ein halbes Jahr warten, bis ich meinen Lohn zurückbekomme. Es ist ohnehin nicht so viel, wie manche deken. Mehr als ein mittlerer vierstelliger Betrag kommt bei mir nicht raus. Warum sollten wir dem Staat ein zinsloses Darlehen geben?" Silvia Gruber (53) vom Winzerer Fähndl, seit 15 Jahren Wiesn-Bedienung.

Ein Knochenjob

"Das Wiesn-Gehalt plane ich fest für Urlaub und Weihnachtsgeschenke ein. Für einen solch Knochenjob mit zehn Stunden Arbeit pro Tag will ich auch schnell meinen Lohn. Es bringt doch nichts, wenn die Gelder hin- und hergeschoben werden." Arife Steiner (35) vom Hackerzelt, seit sieben Jahren Bedienung.

Fest eingeplant

"Als Studentin brauche ich mein Geld immer schnell. Auf der Oidn Wiesn verdiene ich ein paar Tausend Euro – die sind fest fürs Jahr eingeplant. Ohne Wiesn müsste ich während des Semesters vier- statt zweimal die Woche arbeiten." Nina Dimitriadou (25) vom Festzelt Tradition, seit zwei Jahren Bedienung.

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