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Tradition im Trend: Das trägt man heuer auf der Wiesn - „Angespannte Lage spielt mit rein“

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Von: Felicitas Bogner

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Gut gekleidet: Fürs Foto haben zwei Redaktions-Mitglieder bei „Hut und Tracht“ in Bad Tölz anprobiert, was für den Wiesn-Besuch heuer im Trend liegt.
Gut gekleidet: Fürs Foto haben zwei Redaktions-Mitglieder bei „Hut und Tracht“ in Bad Tölz anprobiert, was für den Wiesn-Besuch heuer im Trend liegt. Elena Royer trägt ein Dirndl von „Michaela Feyrsinger“ (819 Euro), Andreas Steppan eine Hirschlederne von „Meindl Steinkogl“ (1499 Euro) und eine Weste von „Heller“ (199 Euro). Die Strickjacken überm Arm stammen von der Marke „Gottseidank“. Das Modell „Ophelia“ für die Dame kostet 269, „Xaver“ für den Herren 239 Euro. © Arndt Pröhl

Einkleiden fürs Oktoberfest: Laut Dirndschneiderinnen und Trachtenhändlern in Bad Tölz-Wolfratshausen ist für den Wiesn-Besuch heuer eher Schlichtes gefragt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Viele Menschen fiebern dem Tag entgegen: Nach zwei Jahren coronabedingter Absage heißt es am Samstag, 17. September, auf der Münchner Theresienwiese wieder „O’zapft ist“. Um für die Wiesn ebenso standes- wie zeitgemäß gekleidet zu sein, empfehlen Modeexperten aus dem Landkreis heuer die Devise: schlicht, traditionell und ohne viel Chichi.

Gab es zuletzt auf dem Oktoberfest nahezu ein Wettrüsten, wer das ausgefallenere Dirndl trägt, wünschen sich heuer viele etwas Einfaches, da sind sich die befragten Experten einig. „Das merke ich sogar bei den jungen Mädels“, berichtet die Trachtenschneiderin Simone Corrado, Inhaberin des „Trachten Atelier“ an der Lenggrieser Straße in Bad Tölz. „Meine Kundinnen wollen fast alle eher klassische Sachen haben, aufwendigere Stickereien oder dergleichen sind aktuell gar nicht gefragt.“

Dirndl und Lederhosen fürs Oktoberfest: Das liegt im Trend

Dazu falle auf, dass weniger Frauen ein ganzes Dirndl geschneidert haben wollen. „Viele kommen her und wollen nur ein paar Änderungen an ihrem vorhandenen Dirndl machen oder eine neue Schürze nähen lassen“, sagt die Schneiderin. „Sicherlich spielt da auch die angespannte Finanzlage mit Blick auf Energie- und Heizkosten mit rein.“

Auch Trachtenschneiderin Monika Poschenrieder aus Bad Tölz hat – zumindest fürs Oktoberfest – kaum Anfragen für ein neues maßgeschneidertes Dirndl. „Ich habe eher Kundinnen, die ein Brautdirndl möchten – und da hat jede andere Vorstellungen.“

Einige Wiesn-Tendenzen liest unterdessen Katharina Huber an den Kundenwünschen ab. Sie ist für den Einkauf der Damenabteilung bei Trachten Fröstl in Egling zuständig. „Nach wie vor sind hochgeschlossene Spitzenblusen stark im Trend“, sagt sie. „Und bei den Frauen sind es Dirndl mit einer Rocklänge von 70 bis 80 Zentimetern.“ Das heißt, je nach Größe der Frau endet der Rock etwa auf mittlerer Wadenhöhe. „Was sich außerdem seit Jahren hält, sind Schürzen mit einer Schließe vorne statt einer bindbaren Schleifenschürze“, erklärt Huber.

Wiesn-Outfits: Naturfarben bei Trachten im Trend

Bei den Herren lasse sich beobachten, dass viele, die es nicht allzu streng mit der Tradition nehmen, vermehrt zu hellen Lederhosen greifen. „Und Samtwesten sind heuer nicht sonderlich beliebt, wie das in den Vorjahren der Fall war.“

Pankraz Schaberl von „Hut und Tracht“ an der Tölzer Marktstraße stellt hinsichtlich der Farben eine Trendwende fest: „Während bei der vergangenen Wiesn 2019 Beerentöne der Renner waren, sind es heuer gedeckte Naturfarben. Also Brauntöne, olivgrün und a bisserl Gold.“ Dazu würden die meisten Frauen wieder zum Dirndlg’wand mit Kleid, Bluse und Schürze tendieren. „Zuletzt waren Röcke mit Mieder beliebt, das hat abgenommen“, sagt Schaberl.

Wer sein vorhandenes Dirndl etwas aufpeppen möchte, dem rät der Trachtenexperte dazu, eine andere Blusenfarbe zu wählen. „Es gibt auch tolle rote Blusen, wenn man sich das traut“, sagt er. „Aber es muss natürlich auch alles zusammenpassen.“ Zum Thema Nachhaltigkeit gibt er den Tipp: „Dirndlblusen, die vergilbt sind, nicht wegwerfen, sondern einfach in schwarz oder in einem cremefarbenen Ton einfärben.“

Trachtenverkäufer aus Bad Tölz: „Gscheite Lederhosen sind das A und O“

Bei den Herren sei das A und O, „eine g’scheite Lederhosen zu haben“, sagt Schaberl. „Es muss nicht immer gleich eine Hirschlederne sein, es gibt auch tolle in Ziegenleder. Wichtig ist nur, dass das Leder hochwertig ist“, meint er. „Nach wie vor sind dazu weiße oder leicht gestreifte Hemden in.“ Dazu würden immer mehr Strickstrümpfe getragen.

Ob Mann oder Frau: Wer seinem Outfit die Krönung aufsetzen will, dem rät Schaberl den Griff ins Hutregal. „Entweder ein klassischer Lodenhut, oder auch ein passender Strohhut runden den Look perfekt ab.“

Stimmigen Schmuck beziehungsweise das „Dirndlzuckerl“ findet man in Lenggries. Unter diesem Markennamen gestaltet Fanny Mader seit zehn Jahren aus Dirndlstoffen individuelle Accessoires. „Zu mir kommen viele, die ein maßgeschneidertes Dirndl haben, und ich mache dann aus dem übrig gebliebenen Stoff Kropfketten, Armbänder oder auch Ohrringe“, berichtet sie.

Trachtengeschäfte in Bad Tölz: Vorfreude auf die Wiesn

Wer keinen Stoff übrig hat oder ein Dirndl von der Stange zu Hause hat, für den findet Mader dann auch immer in ihrem „Stoffschatzkisterl“ etwas Passendes. „Zurzeit fragen viele Kundinnen nach Perlenschmuck“, stellt sie fest. Dieser sei nun wohl nicht nur bei Bräuten beliebt. Im Dorfladen in Lenggries findet man darüber hinaus auch weitere Schmuckstücke von Mader. „Sehr beliebt sind aktuell auch Haarnadeln für Hochsteckfrisuren.“

Ob es eine Schürze sein soll, ein komplettes Outfit oder der farblich abgestimmte Schmuck: Die meisten Modeexperten berichten davon, dass die Kunden sich auf die noch anstehenden Feste und natürlich auch die Wiesn narrisch freuen. Schaberl: „Im Laden herrscht eine super Stimmung.“

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