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Im Bayern-Kostüm auf die Wiesn

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Im Internethaben diese vier Engländer ihre Wiesn-Outfits bestellt. 100 Euro haben Alistair Stewart (28), Michelle Donkin (28), Lesley Dolen (33) und Mark Stewart (36; v.l. ) insgesamt für ihre – online als Dirndl und Lederhosen angepriesene – (Ver-)Kleidung bezahlt. © Marcus Schlaf

München - Touristen aus aller Welt strömen in den sonderbarsten Kostümierungen auf die Wiesn. Dirndl-Imitate und Lederhosen aus Stoff sieht man heuer nicht selten. Ist das noch tragbar?

Die Grenze zwischen Tradition und Fasching ist auf der Wiesn oft fließend. Lederhosen aus T-Shirt-Stoff, Dirndl mit aufgenähter Schürze – es ist schon interessant, wie sich manch ein Besucher kleidet. Rund um den Globus kennt man Bilder vom Münchner Oktoberfest: Fesche Madln im Dirndl und Burschen in Lederhosen, die sich gut gelaunt mit ihren Bierkrügen zuprosten. Ob Chinesen oder Australier, viele wollen einmal dabei sein beim größten Volksfest der Welt – und dazugehören. Das geht natürlich am besten im passenden Outfit. Oder was sie dafür halten. Am Bahnhof etwa gibt es einteilige Dirndl mit integrierter Bluse und aufgenähter Schürze für 50 Euro, im Internet sogar für die Hälfte. Dass diese dann auch so aussehen – geschenkt. Zumal die Kleidung oft nur für einen einzigen Tag gekauft wird.

Trachtenwahnsinn auf der Wiesn! Bilder

Da kann ein waschechter Bayer nur den Kopf schütteln. „Schauderhaft“ findet Gerhard Kaminsky vom Münchner Trachtenverein „D’Kranzbergler“ solche (Ver-)Kleidung. „Das sind findige Geschäftsleute, die so einen Schmarrn verkaufen und damit die Touristen heiß machen“, sagt er. Eigentlich finde er es schön, wenn Leute Dirndl und Lederhose tragen. „Aber es schaut schlimm aus, wenn die Männer dann Turnschuhe dazu anziehen und die Frauen Espadrilles.“ Wolfgang Sedlmair vom Trachtenverein „Alpenrösl“ findet die Kleidung, die man auf der Wiesn sieht, oft grenzwertig, bleibt aber diplomatisch: „Die Geschmäcker sind halt verschieden.“ Solange das ganze nicht zum Klamauk ausarte, solle man „nicht zu streng sein“.

Janina Ventker

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