Polizei stockt Einsatzkräfte auf

Der 3-Punkte-Plan für die Wiesn-Sicherheit

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Der Sperrenplan für die Wiesn: Manche Straßen wurden jetzt schon abgeriegelt.

München - Mit typisch Münchner Gelassenheit sehen Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle und Polizeivizepräsident Werner Feiler dem am Samstag beginnenden 182. Oktoberfest entgegen.

Blume-Beyerle: „Es ist eine ganz normale Wiesn mit einer Besonderheit.“ Denn die Wiesn 2015 steht heuer unter dem Eindruck des (zumindest momentan stark rückläufigen) Flüchtlingsstromes, der sich im Hauptbahnhof speziell abends mit Tausenden, teilweise schwer betrunkenen Wiesn-Besuchern mischen könnte. Doch Polizei und Behörden sind zuversichtlich, diese sehr spezielle Herausforderung meistern zu können. Mit aufgestocktem Personal: Ständig 300 Polizisten auf der Wiesn, weitere 200 im Umfeld sowie mehr als 300 Bundespolizisten am Hauptbahnhof sollen für geordnete Abläufe sorgen. Der Drei-Punkte-Plan zu den Themen Verkehr, Sicherheit und Flüchtlingsbegleitung zur Wiesn 2015:

Überwachungskameras & Notrufmelder

Für das Gelände des Oktoberfestes wird das bewährte Sicherheitskonzept wieder übernommen – mit einigen Neuerungen:

In den Zelten werden nur noch vom KVR überprüfte und für zuverlässig erklärte Ordner eingesetzt. Alle haben jetzt einheitliche Ausweise mit Bild und Ordnernummer. Zudem werden sie mit einem Bußgeld bestraft, wenn sie eigenmächtig Gäste in überfüllte Zelte einlassen oder dafür sogar noch Bestechungsgeld annehmen.

Schmaler, höher, schöner und noch mehr Platz drum herum – das ist das neue Schützenfestzelt. Die kritische Engstelle zur Hangseite wurde beseitigt. Durch die neue umlaufende Galerie hat das Zelt jetzt 1000 weitere Plätze.

Über die kostenlose Katwarn-App werden Wiesn-Besucher heuer vor sicherheitsrelevanten Ereignissen wie Unwetter, Überfüllung, technische Störungen in der U-Bahn, etc. gewarnt. Einfach App aufs Handy laden, Schutzengel-Funktion aktivieren – fertig. Auch über Facebook und Twitter wird die Münchner Polizei die Wiesn-Gäste über mögliche Gefahren und Störungen jeder Art zeitnah auf dem Laufenden halten.

Zusätzliche Mobilfunkstationen und 28 Notrufmelder sollen helfen, die Handynetze zu entlasten und die zu erwartenden, rund 3500 Notrufe unverzüglich durchzustellen. Zudem wird das Festgelände von 19 Videokameras überwacht. Zudem werden weitere drei Notärzte und 19 Rettungs- und Krankenwagen bereitgestellt.

24 Straftäter haben heuer bereits ein Betretungsverbot für die Wiesn. Dabei handelt es sich um 15 (Maßkrug-)Schläger und neun Taschendiebe, denen auch heuer wieder die Streifen und Zivilfahnder der Münchner Polizei im Nacken sitzen werden. Die Taschendiebfahnder werden auch heuer wieder von ihren Kollegen aus Berlin, Köln, und Hamburg sowie aus der Schweiz, Norwegen, Spanien, Italien und Frankreich verstärkt.

Die Einschankkontrollen der fünf KVR-Mitarbeiter sind gefürchtet, aber notwendig: Mit dem geeichten Messstab wird direkt an der Schenke gemessen. Zwischen Einschenken und Messvorgang müssen mindestens vier Minuten liegen. Wird die Messtoleranz von 15 Millimetern unter dem Eichstrich unterschritten, droht den Wirten ernsthafter Ärger.

Die bange Frage nach möglichen Bedrohungen durch terroristische Aktivitäten wird jedes Jahr gestellt. Und jedes Jahr gibt es darauf die gleiche Antwort. Polizeivizepräsident Werner Feiler beruhigt: „Es gibt keinerlei konkrete Hinweise.“ Polizisten in Zivil und Uniform halten jedoch an allen Zugängen der Wiesn zu jeder Tages- und Nachtzeit Ausschau und kontrollieren größeren Taschen oder Rucksäcke der Besucher. Zudem schützen 100 feststehende und 80 versenkbare Anti-Terror-Poller das gesamte Festgelände vor Anschlägen mit Fahrzeugen, die auf das Gelände rasen wollen.

So wird der Verkehr geregelt

Das Verkehrskonzept der vergangenen Jahre hat sich ebenfalls bewährt und wird beibehalten:

Drei Sperrringe um die Theresienwiese helfen, den fließenden und ruhenden Verkehr in vernünftige Bahnen zu lenken und Anwohnern, Lieferanten sowie Polizei- und Rettungskräften die Anfahrtswege freizuhalten. Die Parkplätze zwischen dem dritten und zweiten Ring sind allein den Anwohnern mit entsprechenden Parkausweisen vorbehalten.

Rikscha-Fahrten sind so beliebt geworden, dass die Stadt neben den bekannten sechs Plätzen vom 19. September bis 4. Oktober einen weiteren Platz am Bavariaring (Ostseite südlich der Schwanthalerstraße) genehmigt hat.

Das Übernachten in Wohnmobilen im Stadtgebiet ist nicht erlaubt. Dafür gibt es die Campingplätze und den Parkplatz am Messegelände.

Flüchtlingszüge werden am Hauptbahnhof abgeschirmt

Entgegen erster Überlegungen, die Ankunft der Flüchtlinge während der Wiesnzeit an einen anderen Bahnhof zu verlegen, steht nun fest: Alles bleibt, wie es ist.

Die Flüchtlingszüge werden auch weiterhin im Münchner Hauptbahnhof und am Starnberger Flügelbahnhof ankommen. Auch das vor neugierigen Blicken abgeschirmte Ankunftszentrum an der Arnulfstraße bleibt bestehen. „Wir setzen darauf, dass Bund und Länder uns dabei unterstützen, einige Sonderzüge aus Österreich ohne Zwischenstopp in München in andere Bundesländer weiterzuleiten“, so Blume-Beyerle. Für den Hauptbahnhof erarbeitet die Bahn derzeit ein Konzept, um Flüchtlings- und Wiesn-Züge nach Möglichkeit zeitlich bzw. räumlich auseinander zu halten.

Der KVR-Chef setzt darauf, dass die Grenzkontrollen eine unkontrollierte Massenankunft wie am vergangenen Wochenende verhindern werden. Auf der Wiesn selbst sieht der Blume-Beyerle keinerlei Probleme: „Sie werden doch nicht glauben, dass auch nur einer dieser erschöpften Menschen gleich aufs Oktoberfest gehen möchte.“

Auch für das Auffangquartier in der Richelstraße – drei Gehminuten vom vielfrequentierten S-Bahnhof Donnersbergerbrücke entfernt – besteht nach Einschätzung von Polizeivizepräsident Werner Feiler keine Gefahr: „Sollte es notwendig werden, sind wir sofort zur Stelle.“

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