Radeln, Ratschen und Vollgas

Bühne frei auf dem Oktoberfest: Unsere Reporter testen Wiesn-Jobs

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Hut ab! Wiesn-Reporterin Sarah Brenner als „Wiesn-Schatzi“ im Hofbräuzelt.

13.000 Menschen arbeiten auf dem Oktoberfest – Grund genug, einmal mit anzupacken. Einen Tag lang haben unsere Reporter Hüte verkauft, Zuckerwatte gedreht – und vor einem schunkelnden Menschenmeer gesungen.

München -  Über sechs Millionen Menschen flanieren jedes Jahr über die Wiesn. Festgäste aus aller Welt. Und die wollen natürlich bespaßt werden, standesgemäß! Schießbuden, Mandelstände, Fahrgeschäfte - auf der Theresienwiese geht’s rund, 16 Tage lang. Noch dazu ist das Oktoberfest eine logistische Meisterleistung, an der rund 13.000 Mitarbeiter tüfteln - Tag für Tag. 

Unser Wiesn-Team hat mitgewerkelt. Im Zelt und auf dem Festgelände. Einen Tag lang haben wir Hüte verkauft, Zuckerwatte gedreht und Interviews gegeben. Außerdem haben wir vor einem schunkelnden Menschenmeer gesungen. Wie es uns dabei ergangen ist? Lesen Sie selbst!

Hut auf und durch

Montag, 16 Uhr im Hofbräuzelt. Gegröle, Gekreische – und ich mitten drin. Aber nicht auf der Bierbank, sondern mit 16 Filzhüten in der Hand und Hasenohren auf dem Kopf. Ein blinkendes „Wiesn-Schatzi“ – gewöhnungsbedürftig. Nach kurzer Einführung geht’s los. Langsam laufe ich durch die Gänge, ein schüchterner Blick nach links – schon werde ich angesprochen. Meint der mich? Tut er! Und dann kauft mir der angeheiterte Amerikaner doch glatt eine Feder ab. „Zwölf Euro“, sage ich. Er drückt mir 14 in die Hand. Ich stolpere davon. Leicht verwirrt. Aber angespornt. 

Keine zwei Meter weiter hält mich der nächste Festgast fest. Während mein Vorrat schrumpft, wächst mein Selbstbewusstsein. Ich fange an, mit den Gästen zu scherzen – und siehe da: Nach 20 Minuten halte ich 56 Euro in der Hand. Nicht schlecht fürs erste Mal.

Zucker, dieses Geschäft

Mit Süßigkeiten kriegt man mich immer. Für Schleckermäulchen wie mich ist die Wiesn natürlich der Himmel. Und wie im siebten Himmel fühle ich mich, als ich mir eine eigene Zuckerwatte drehen darf, in Hillmeiers Mandelstand. „Gib Gas!“, ruft Herta Hillmeier. Der Zucker im Kessel beginnt Fäden zu ziehen. Alles klar, denke ich – so schwer kann das ja nicht sein. Denkste! Planlos wirble ich mit meinem Holzstäbchen hin und her, doch der Zucker wirbelt schneller. 

Die Fäden landen überall: am Schutzglas, auf meinem Ärmel, nur nicht da, wo sie hingehören. „Das war nix“, sagt Herta und nimmt mich an der Hand. „Schau mal“, sagt sie, „du musst den Stecken zwischen den Fingern drehen.“ Die Maschine rattert wieder – aber diesmal bin ich vorbereitet. Wie ein Weltmeister sammle ich die Fäden ein. Das Ergebnis: eine süße Wolke, mitten im Zucker-Himmel.

Radelnde Reporterin

Bergsteigen, Fitness, Tanzen. Ich bin sportlich, dachte ich. Aber auf der Wiesn werde ich eines Besseren belehrt. Meine Waden merke ich noch Tage später. Mit vier Jahren bin ich zum ersten Mal um den Staffelsee gestrampelt – das Radler-Gen wurde mir also in die Wiege gelegt. Was ich nicht wusste: Das Radler-Gen hat absolut nichts mit dem Rikscha-Gen gemein. Lenker, Schaltung, Bremse – auf den ersten Blick ist zwar alles gleich, doch der Schein trügt. 

Sarah Brenner mit Fahrgästen auf der Rikscha von Rikschaguide Falk Hilber.

Nichts ahnend schwinge ich mich in den Sattel, trete – und es passiert: nichts. Keinen Zentimeter komme ich vom Fleck. Zum Glück habe ich einen netten Kollegen, der mir Starthilfe gibt. Und schon rolle ich los, mit zwei Gästen im Gepäck. Ein unvergessliches Erlebnis – auch für meine Waden...

Die Röhr-Nudel

Sie Tina-turnte über die Bühne: Reporterin Stéphanie Mercier im Weinzelt.

„Gedanken werden Dinge“, hat uns einmal ein Motivationscoach gesagt. Deshalb war klar, dass ich für meinen Auftritt vor 2000 Weinzelt-Besuchern ein prophetisches Lied aussuche: „Simply the best“. Einfach das Beste muss nämlich auch der Auftritt vor so vielen Leuten werden. Schließlich trällere ich normalerweise eher meinem Sofa etwas vor. Proben gab es keine – die Högl Fun Band hatte keine Zeit. 

Im Weinzelt angekommen, ist meine Aufregung dank Weinschorle und Mass aber nicht mehr ganz so schlimm. Also Tina-turne ich über die Bühne und gröle über die Massen hinweg. Ein Wahnsinns-Gefühl! Lob gibt’s am Ende des Auftritts von Weinzelt-Wirt Stephan Kuffler: „Deine Job-Auswahl als Journalistin hast du grandios verfehlt“, sagt er und bestätigt mein Gefühl: Da oben zu stehen – das war einfach das Beste!

Vollgas im Autoscooter

Mei, ein paar Fahrchips ausgeben – das werde ich ja wohl hinkriegen. 3,50 Euro kostet eine Fahrt im Autoscooter, erklärt mir Schaustellerin Hanneliese Lindner. Krieg ich hin! Der Haken: Man verkauft nicht nur Chips, sondern regelt auch noch den Verkehr. Dafür gibt es unter dem Tresen drei Fußtasten: Stop, Start und – ganz wichtig – die Hupe! Und ich dachte immer, das geht automatisch. Das denkt man aber nur, weil Hanneliese das mittlerweile in den Zehen hat. 

Ebenso wichtig ist die Musik-Untermalung. Heißt: Ich bin auf einmal DJ! Hinter mir steht ein riesiges Regal voller CDs, von Reggae bis Helene Fischer. Ich entscheide mich für einen Sampler mit Hits aus den 80ern – denn draußen vorm Kassenhäuschen warten schon wieder die nächsten Gasnarrischen. Da kommt man ganz schön ins Rudern. Hanneliese macht das schon seit 1967. Respekt!

Der Radio-Showmaster

Redet sich um Kopf und Kragen: Heidrich mit Alex Eisenreich (li.) und Oliver Luxenburger im Radiostudio.

Hoch oben auf der Galerie des Weinzelts haben unsere Freunde von Radio Charivari 95.5 ein kleines Studio. Der Rundfunk hat mich immer fasziniert: Wie flüssig diese Leute reden können – auch wenn sie manchmal gar nichts zu sagen haben. Und dann laden die Radio-Stars Alex Eisenreich und Oliver Luxenburger mich in ihre Sendung ein – naja: eigentlich habe ich ans Studiofenster geklopft und gefragt: „Wie ist das eigentlich so bei euch im Wiesn-Radio?“ 

Und wie der Zufall es so wollte, suchten die beiden gerade nach einem Thema für ihre nächste Sendung. Da kam ich ihnen gerade recht: Der Reporter, der Jobs auf der Wiesn ausprobiert, erzählt in der Sendung von den Jobs, die er auf der Wiesn schon probiert hat – und probiert dabei einen weiteren Job aus. Ganz schön verwirrend! Ich rede mich um Kopf und Kragen – und entscheide: Ich bleibe dann doch lieber bei der Zeitung.

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