Zur Wiesn: Huhn sucht Hotel

Künstler Tommy Schmidt mit seinem Hotel-Huhn. Er will auf den Massenverzehr der Tiere auf der Wiesn hinweisen. rk

München - Huhn sucht Hotel: Künstler Tommy Schmidt möchte via Facebook zur Wiesnzeit ein Huhn in ein Münchner Hotel einmieten. Er hat bereits 100 Unterstützer - aber noch kein Zimmer.

505 901 Hendl wurden auf dem letzten Oktoberfest verzehrt. Höchste Zeit, den Hühnern etwas Gutes zu tun, findet Tommy Schmidt (51), Künstler und Angestellter einer Münchner Werbeagentur. Er sucht seit Februar über die Internetplattform Facebook ein Hotelzimmer für ein Huhn während der Wiesn 2011.

Herr Schmidt: Wieso diese Aktion?

Ich bin jedes Jahr mit vielen Kollegen auf der Wiesn, da kriegt man Gutscheine für 300 bis 500 Hendl. Da habe ich das Huhn als Massenphänomen kennen gelernt. Bis mir klar wurde: das sind auch Lebewesen. Und da es gleichzeitig sehr schwierig ist, ein Hotelzimmer zu kriegen, wollte ich das entgegenstellen - ich fänd’ es fair, ein Huhn zur Wiesn einzuladen.

Wollen sie die Menschen zu Vegetariern machen?

Nein, ich versuche nicht, Ziele mit künstlerischen Mitteln zu erreichen. Im Idealfall werden die Menschen aufmerksam und nachdenklich - wobei das Huhn vermutlich wenig davon hat. Ja. Ich esse auch Hühner und bin auch kein Tierschützer, sondern ein Künstler, der sich eines ästhetischen Mittels bedient. Ich möchte den Blick darauf richten, dass hier Lebewesen als Massenphänomen verwendet werden, wenn auf einer Wiesn eine halbe Million Hühner verzehrt werden.

So schön war die Wiesn 2010

So schön war die Wiesn 2010

Gleichzeitig ist jedes Hotelzimmer wertvoll.

Genau. Und es wird noch wertvoller, wenn ein Schwede oder Texaner anruft, und der Portier sagt: Tut uns leid, das Zimmer ist nicht frei, da ist ein Huhn drin.

Aber noch haben Sie kein Zimmer.

Nein, das ist nicht so einfach. Dabei geht es nicht nur ums Geld - die meisten Hotels sind ausgebucht. Viele sorgen sich, dass ein Huhn Dreck macht. Die wimmeln eher ab, als dass sie sich damit auseinandersetzen, wie das umzusetzen wäre. Aber das Kalkül ist, dass ein Hotel von alleine kommt, wenn wir genug darüber reden.

Welche Anforderungen haben Sie ans Zimmer?

Zwei bis drei Sterne sollte es haben, Minibar und Fernseher. Deshalb haben wir die privaten Angebote abgesagt.

Wie finanzieren Sie das Zimmer?

Ich habe kein Geld. Aber ich gehe davon aus, dass irgendjemand dafür aufkommen wird. Entweder das Hotel stellt das Zimmer umsonst zur Verfügung. Oder, und das ist die anspruchsvolle Variante, wir vermieten die privat angebotenen Wohngemeinschaftszimmer an Wiesngäste, die kein Zimmer bekommen haben, weil da ein Huhn drin ist - und bezahlen mit dem Geld das Hotelzimmer.

Wieviele Hotels haben Sie schon angefragt?

Noch nicht so viele - was daran liegt, dass das Hotel in Fußwegnähe zur Theresienwiese sein muss, damit das Milieu mit einbezogen ist und die Wiesngäste wissen: Hier in der Nähe wohnt das Huhn im Hotel. Außerdem haben wir den Plan, mit dem Huhn ein bis zwei Mal die Wiesn zu besuchen, und zum Beispiel bei der Hühnerbraterei vorbei zu schauen. Und zu sehen: Was macht das Huhn? Wie reagieren die Leute?

Die bunte Dirndl-Welt der Wiesn

Die bunte Dirndl-Welt der Wiesn

Warum eigentlich ausgerechnet ein Huhn?

Wenn man sich die Zahlen anschaut, werden weit mehr Hendl-Individuen verzehrt als Schweine oder Ochsen. Und das mit großer Beiläufigkeit, wie ein Snack zwischendurch. Danach passt noch Zuckerwatte in den Bauch. Beim Huhn ist die Beiläufigkeit am größten.

Mittlerweile haben Sie aber ja schon einige Reaktionen bekommen.

Auf meine zehn Angebote habe ich drei mehr oder minder ernste Reaktionen bekommen, die sind auch relativ konkret. Die Zimmerpreise bewegen sich dann aber zwischen 170 und 270 Euro pro Nacht, das sind natürlich Wiesnpreise.

Ganz schön teuer.

Ja, ich werde auch keinem zusagen, sondern ich werde mich mit denen zum Gespräch treffen, ich habe mit denen in den nächsten Tagen Termine. Noch ist es unklar, wie alles weitergeht.

Was machen Sie, wenn es mit dem Zimmer nicht klappt?

Plan B ist, es nächstes Jahr zu versuchen, da ist gleichzeitig die Landwirtschaftsausstellung. Da hat das sogar noch mehr Aussagekraft.

Interview: Lea Hampel

Quelle: Oktoberfest live

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