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Vier Mal so viel wie früher - Wiesn-Metzgerei steht vor großer Herausforderung

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Von: Phillip Plesch

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Abhängen können hier nur die Würstchen - für Metzgermeister Andreas Jung ist dafür keine Zeit.
Abhängen können hier nur die Würstchen - für Metzgermeister Andreas Jung ist dafür keine Zeit. © Achim Frank Schmidt

In unserer Oktoberfest-Serie erfahren Sie die Comeback-Geschichten der unterschiedlichsten Mitarbeiter auf der Wiesn. Heute berichtet Metzgermeister Andreas Jung.

Auf ihre Metzgerei im Münchner Norden ist die Familie Stiftl besonders stolz: EU-zertifiziert, Fleisch aus der Region und geprüfte Qualität. Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Den Hut auf (oder besser gesagt die Kappe), damit alles auch gut läuft, hat Andreas Jung (45). Der Metzgermeister arbeitet bereits seit 2011 für den Betrieb. Und dennoch steht er heuer vor einer besonderen Herausforderung.

Denn erstmals hat die Familie Stiftl auf der Oiden Wiesn eines der größeren Zelte. Für Jung bedeutet das: Die Menge an hergestellter Ware ist etwa vier Mal so groß wie bisher. Ein Beispiel: Scharfe Zipfel, die Teil des Brotzeitbrettls sind, müssen in 15 000-facher Ausführung produziert werden. Dazu kommt die Ungewissheit, wie das Oktoberfest in diesem Jahr besucht wird.
Eines ist aber jetzt schon klar: „Die zwei Wochen werden für uns brutal“, sagt Jung. Immerhin läuft der normale Betrieb weiter. Die Wirthäuser Hackerhaus und Zum Stiftl müssen weiter versorgt werden - schließlich ist auch noch Wirtshaus-Wiesn. Und die Stadionwürstl im Grünwalder und für den Ingolstädter Sportpark kommen auch aus der Metzgerei im Münchner Norden. Dort ist sie 2020 hingezogen.

Wiesn-Metzgerei: Um 5 Uhr beginnt die Arbeit

Man stellt sich also ein großes Team vor, das rund um die Uhr im Einsatz ist. Doch weit gefehlt. Jung hat einen Gesellen und einen Lehrling zur Seite. Seinen Sohn Dominik (15), der am 1. September mit seiner Ausbildung begonnen hat. Metzgern ist hier Familiensache. Schließlich war schon der Vater von Andreas Jung Metzgermeister. Seine Schwester und sein Bruder haben den Beruf ebenfalls erlernt.

Jung und sein Sohn fahren täglich aus dem Allgäu nach München. 80 Kilometer - hin und zurück. Um 5 Uhr beginnt der Arbeitstag. Dann wird geschuftet. Andreas Jung trägt die Verantwortung. Die Rezepte und richtigen Portionierungen hat er alle im Kopf, die Handgriffe sitzen.

Andreas Jung und sein Sohn bereiten alles frisch zu, ob Schweinsbraten oder Currywurst.
Andreas Jung und sein Sohn bereiten alles frisch zu, ob Schweinsbraten oder Currywurst. © Achim Frank Schmidt

Seit 30 Jahren macht der 45-Jährige den Job nun schon, hat miterlebt, wie sich die Ernährung in der Gesellschaft verändert hat. Nicht alles versteht er. Vor allem bei der Bezeichnung veganer Gerichte scheiden sich die Geister. Eine Wurst bleibt halt eine Wurst, ein Fleischpflanzerl ein Fleischpflanzerl. Punkt.

Die Freude der Menschen lässt den Stress vergessen

In seinem Job geht Andreas Jung voll auf, er ist mit Herzblut dabei. Das merkt man schnell, wenn man ihn dabei beobachtet. Zur Wiesn hat er aber einen ganz anderen Bezug als viele andere. Schließlich hat er schon den Stress, bevor die Zelte geöffnet werden. Die Ware wird am Morgen in der Metzgerei abgeholt. Ein Lkw bringt die frischen Produkte anschließend auf die Theresienwiese. Bis 9 Uhr muss alles dort sein. Für die Metzger hat da schon lange die Vorbereitung für den nächsten Tag begonnen. Zum Ausruhen bleibt kaum Zeit.

„Die Wiesn ist eine schöne Zeit, die Stadt lebt ganz anders“, sagt Jung. Und, wenn die Leute dann alle gut drauf sind, vergisst auch er den Stress, den er sonst so hat.

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