Der große Aufgalopp

Wiesn-Serie: Augustiner Festhalle - Willi macht ein Fassl auf

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Wilhelm Schmid in seiner Fassfabrik in Laim.

Am 22. September startet das 185. Oktoberfest. Heute erzählt Münchens letzter Fassbauer, Willi Schmid, was für ihn das Besondere am Oktoberfest ist.

München - Die Vorfreude steigt mit jedem Tag: Am 22. September startet das 185. Oktoberfest. In unserer großen Oktoberfest-Serie beschäftigen wir uns mit dem Einzug der Wirte – er markiert den Beginn des Oktoberfests. Wir stellen Ihnen Menschen vor, die beim Wirtezug auf den Wagen der Zelte dabei sind. Heute erzählt Münchens letzter Fassbauer, Willi Schmid, was für ihn das Besondere am Oktoberfest ist. Er begleitet mit dem Fachverein der Schäffler den Augustiner-Konvoi.

Wer durch das Tor zu Wilhelm „Willi“ Schmids (61) Fabrik in Laim fährt, denkt, er sei auf dem Dorf gelandet. Kleine Häuschen stehen auf grünen Wiesen – und der Chef hat sich einen großen Badezuber für den Sommer gebaut. In Fassform, natürlich. Denn Schmid und sein Sohn Peter (29) sind Münchens letzte Schäffler, also Fassbauer. Als solche begleiten sie mit dem Fachverein der Schäffler das Gespann der Augustiner-Festhalle beim Einzug der Wiesn-Wirte.

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Seit 1988 sind die Schäffler bei dem Zug dabei, das Augustinerzelt schenkt als einziges Zelt auf der normalen Wiesn noch aus traditionellen Holzfässern aus. Gesellschaft hat es erst wieder durch die Oide Wiesn bekommen, in deren drei Zelten gemäß dem Willen des Stadtrats das Bier ebenfalls aus Holzfässern sprudelt. „Bier aus dem Holzfassl schmeckt einfach süffiger“, findet Schmid. Denn: Es habe weniger Kohlensäure.

Der Fachverein der Schäffler führt alle sieben Jahre den traditionellen Schäfflertanz auf, nächstes Jahr ist es wieder so weit – und Willi Schmid ist der erste Vorstand der Schäffler. Jahrzehntelang tanzte er bei den Aufführungen mit, etwa in Grundschulen oder Seniorenheimen. Doch nun macht er langsamer. „Ich bin jetzt 61 und das Tanzen ist eine strapaziöse Sache“, sagt er. „Da gibt’s Jüngere.“

„Das Zelt ist gerammelt voll, das ist schon ein besonderer Moment“

Das Augustiner-Zelt auf dem Oktoberfest.

Mittanzen durfte früher bei den Schäfflern nur, wer gelernter Fassbauer war, einen einwandfreien Ruf hatte und ledig war. Doch mit dem Trend zu Aluminiumbierfässern ab den 1950er-Jahren und zu Edelstahlfässern seit den 1980er-Jahren gab es immer weniger Schäffler. Der Verein öffnete sich auch für Berufsfremde. Heute tanzen vom Hausmeister bis zum Banker die unterschiedlichsten Männer bei den Schäfflern mit. Der Einzug der Wiesn-Wirte: ein besonderer Höhepunkt. „Beim Augustinerzelt angekommen, marschieren wir mit Musik ein. Das Zelt ist gerammelt voll, das ist schon ein besonderer Moment“, erzählt Schmid.

Vor der Wiesn herrscht Hochbetrieb in seiner Fabrik. Schmid und seine Angestellten richten die Hirschen für den Einsatz auf dem weltgrößten Volksfest her. Hirschen, das sind Holzfässer, die jeweils 200 Liter Bier aufnehmen. Um die 30 Jahre lang kann man so ein Fass verwenden. Doch vor dem Oktoberfest müssen die Hirschen gepicht werden.

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Das bedeutet, dass der Schäffler das Fass in der Innenseite mit heißem Baumharz auskleidet. Das sorgt für eine glatte Fläche und erleichtert das Reinigen. Zu den Fässern, die Schmid fürs Oktoberfest auf Vordermann bringt, kommen die, die sein Team für die Wiesn neu herstellt. Mit dem anhaltenden Trend zur Tradition kehrte auch die Nachfrage nach Holzfässern zurück.

Und so wird Schmids Sohn Peter die Firma in Laim eines Tages auch übernehmen. Es geht weiter – mit der idyllischsten Fabrik Münchens.

Das Zelt in Kürze

- Bierpreis: 11,10 Euro

- Die Brauerei: Augustiner

- Halbes Hendl: 11,30 ­Euro

- Schmankerl: Gebratene Ochsenrippe mit Natur­soße, Semmelknödel und Krautsalat für 19,50 Euro

- Günstig essen: Kinder­tagesmenü: Spaghetti mit Tomatensoße und Bergkäse, 0,2 Liter Fruchtsaft und eine Wundertüte (6,50 Euro)

- Sitzplätze: 6000 im Zelt, 2500 im Biergarten

- Raucher: Es gibt einen Raucherbereich im Erdgeschoss und einen auf der Galerie. Beide sind nur vom Zelt aus zugänglich.

- Musik: Ab zwölf Uhr: die Augustiner Festkapelle ­unter der Leitung von Reinhard Hagitte. Am ­Wochenende spielt vormittags außerdem eine ­Jugendkapelle.

- Das Besondere: In der Augustiner-Festhalle gibt’s das Oktoberfestbier noch stilecht aus riesigen Holzfässern, den Hirschen.

Die Wirtefamilie

Das Augustinerzelt führen die Wiesn-Wirte Manfred (75) und Thomas Vollmer (46). 1988 wurde Vater Manfred Wiesn-Wirt, 2012 holte er seinen Sohn Thomas als Wirt mit ins Boot. Außerdem leiten die beiden das Restaurant Zum Augustiner in der Neuhauser Straße. Die Vollmers freuen sich schon jetzt auf ihre traditionelle Mass Augustinerbier zum Abschluss eines erfolgreichen Wiesn-Tages.

Ramona Weise

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