Festzelte und ihre Wirte im Portrait

Wiesn-Serie: Das Käferzelt - seit 47 Jahren steht das urige Bauernhaus schon hier

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Das Käferzelt.

O‘zapft is‘ heißt es am 22. September zum Anstich der 185. Wiesn. In unserer Serie stellen wir die wichtigen Protagonisten vor. Diesmal: Das Käferzelt.

München - Seit sie Buben waren, sind Christian Hoffmann (61) und Michael Käfer (60) befreundet. Klar, dass der Wirt der Käfer Wiesn-Schänke seinen Kumpel auch beim Einzug der Wirte mit auf dem Wagen haben wollte. 1993 übernahm Michael Käfer die Organisation des Wagens von seinem Vater. Und seitdem ist Christian Hoffmann hoch droben dabei. Er hatte schon mal überlegt, auszusetzen. „Aber Michael sagt, das geht auf keinen Fall. Das bringt Unglück“, sagt der Immobilienhändler mit einem Schmunzeln.

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Auf den Namen Christian ist Hoffmann zwar getauft. Seine Freunde kennen ihn aber unter seinem Spitznamen „Lemmy“. Der kommt von dem Agenten Lemmy Caution, der in den 50er- und 60er-Jahren die Kinoleinwände eroberte. „Meine Mutter war ein Fan und wollte mich eigentlich auch so taufen lassen. Aber die katholische Kirche fand das nicht so lustig“, sagt Hoffmann und lacht.

Christian „Lemmy“ Hoffmann mit seiner Frau Veronika auf dem Wagen des Käferzelts

Michael Käfer hat er das erste Mal als Kind beim Skifahren gesehen. Die Väter der Buben waren befreundet – Gastro-König Gerd Käfer († 2015) und Hoffmanns Vater Willi O. Hoffmann (88), Ex-Präsident des FC Bayern. Ab dem Alter von zehn Jahren gingen die Kinder zusammen aufs Luitpoldgymnasium und saßen auch mal ein Jahr nebeneinander. „Die Freundschaft hat sich über die Jahre immer weiter vertieft“, sagt Lemmy Hoffmann.

Beide wechselten im Laufe der Zeit die Schule, blieben aber bis heute Freunde. Als Michael vor 25 Jahren die Regie für den Käfer-Wagen beim Wirte-Einzug übernahm, wollte er viele junge Familien auf dem Wagen haben. Also fragte er auch Lemmy Hoffmann und seine Frau Veronika, das Paar brachte seine Töchter Christina (28) und Nathalie mit (25). Von Christina ist Michael Käfer Taufpate. „Meine beiden Mädels sind bis heute genauso wiesnverrückt wie ich“, so Hoffmann.

Am Einzug mag er es besonders, wenn der Wagen um die Kurve zum Haupteingang fährt. „In diesem Moment scheint fast immer die Sonne, die Leute stehen in Trachten da. Das ist ein wahnsinnig schöner Moment, da bekommst du Gänsehaut.“

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Mit Michael Käfer teilt Lemmy Hoffmann den Humor. „Wir müssen oft über Dinge lachen, die dann nur wir lustig finden.“ Immer für ein Grinsen gut ist die Erinnerung an die Zeit, in der die Männer gemeinsam hobbymäßig Fußball spielten. „Michael war unser Torwart, das war legendär“, erzählt Hoffmann. Der Michael habe die gefährlichsten Bälle gehalten. Doch wenn ihm die eigenen Mitspieler einen Ball zurückspielten, habe die ganze Mannschaft gezittert. „Da war der Michi ein unglaublicher Risikofaktor.“ Noch heute schmunzeln die beiden gerne gemeinsam darüber.

Die Wirtefamilie

Seit 47 Jahren steht das urige Bauernhaus schon auf der Wiesn. Käfers Wiesn-Schänke ist längst eine Institution. Visionär Gerd Käfer (†82) ließ 1971 in einer winzigen Vorlaufzeit von nur zwei Monaten eine Almhütte mit 40 Sitzplätzen bauen. In den ersten beiden Jahren stand die Schänke neben dem Schottenhamel-Zelt. 1973 zogen die Käfers dann an den Platz unterhalb der Bavaria. Längst hat Sohn Michael Käfer (60) das Ruder übernommen. Schon mit 16 Jahren war er in der Wiesn-Schänke aktiv. Er und seine Frau Clarissa (49) kümmern sich leidenschaftlich um ihre Gäste. Für die kommenden Generationen stehen die Zwillingssöhne Nikolas und Raphael (7) bereit.

Das Zelt in Kürze

  • Bierpreis: 11,50 Euro
  • Die Brauerei: Paulaner
  • Halbes Hendl: mit Kartoffel-Gurkensalat 17,50 Euro
  • Schmankerl: Käfer Traditionsbrettl – u. a. geselchter Schinken, Wiesn-Leberwurst, rauchfrische Regensburger, Obazda, Schnittlauchbrot für 20,80 Euro pro Person. Klassisches Wiener Saftgulasch vom Pinzgauer Rind mit Andechser Sauerrahm, Essiggurkerl und Joseph Bio Kartoffelstangerl für 23,50 Euro. Für Veganer: geräucherter Bio Tofu auf jungem Kressesalat, mit geballter Kerndlkraft, Erbsenspargel und Passionsfrucht-Chili-Dressing für 18,80 Euro. Für Liebhaber von Süßem: Sechser-Schachtel Wiesn-Pralinen mit Kirsche, Honig und Ribiseln für 9,80 Euro
  • Günstig essen: Mittagsmenü: Pfannkuchensuppe, eine Portion der berühmten Käfer-Ente mit Kartoffelknödel, Blaukraut und Apfelkompott und Kaffee im klassischen Käfer Haferl für 23,50 Euro
  • Sitzplätze: 1383 Plätze innen, 200 Plätze im überdachten Freisitz und 1900 Gartenplätze
  • Raucher: Es gibt Raucherbereiche im Freien (unten im Garten und oben auf drei Außenbalkonen)
  • Musik: Erdgeschoss - mittags Martl Sax Band, abends Dreirad sowie Speedos, Obergeschoss – mittags Hansi’s Käferband, abends Gerry & Gary
  • Heuer neu: Gerahmte Pastinakensuppe, Käfer Kasspatzn mit Gurkensalat, Kaffee im klassischen Haferl für 24,50 Euro.

Ramona Weise, Ann-Kathrin Ulbricht

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