Der große Aufgalopp

Wiesn-Serie: Schützenfestzelt - Rasso und seine Rösser

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Rasso Babel mit seinen Stuten.

Nicht mehr lange, dass geht‘s wieder los: Wir stellen Ihnen Menschen vor, die beim Wirtezug auf den Wagen der Zelte dabei sind. Heute erzählt der Pferdezüchter und Kutscher Rasso Babel. 

München - Die Vorfreude steigt mit jedem Tag: Am 22. September startet das 185. Oktoberfest. In unserer großen Oktoberfest-Serie beschäftigen wir uns mit dem Einzug der Wirte – er markiert den Beginn des Oktoberfests. 

Wir stellen Ihnen Menschen vor, die beim Wirtezug auf den Wagen der Zelte dabei sind. Heute erzählt der Pferdezüchter und Kutscher ­Rasso Babel, was ihm der Einzug der Wiesnwirte bedeutet. Er kutschiert die Familie Reinbold in ­seinem Vierspänner zur Wiesn. 

Saftig grüne Wiesen, ein kleiner Kirchturm überragt die Häuser des Ortes, im Hintergrund klingen Kuhglocken. In Sachsenkam bei Warngau ist die Welt noch in Ordnung. Rasso Babel (55) züchtet hier seit 1978 Süddeutsche Kaltblüter: braune Rösser mit schwarzer Mähne.

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Eigentlich ist Babel Landwirt. „Wir haben 50 Milchkühe“, sagt er. Davon lebt die Familie. „Aber die Pferde sind unsere Leidenschaft. Die ganze Familie wirbelt mit.“ Die Familie: Das sind neben Papa Rasso und Mama Annelies (52) auch die Söhne Anderl (21) und Rasso junior (29). Und die haben was Gscheits gelernt. „Meine Söhne sind Hufschmiede“, sagt Babel. „Na gut, Anderl ist noch in der Lehre. Aber er macht sich…“

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Familie Babel fährt seit jeher Umzüge in der Region. Überall, wo gute Kutscher gebraucht werden, sind sie mit ihren Zugpferden zur Stelle. Sie fahren Hochzeiten genauso wie traditionelle Prozessionen. „Man tut, was man kann. Es ist halt unser Steckenpferd“, sagt Babel und lacht. Weil die Babels so tüchtige Kutscher sind, ist die Familie Reinbold aufmerksam geworden – das ist schon fast zehn Jahre her.

Alle Zugpferde „enorm nervenstark und ruhig“

Den Festwirte-Einzug zu fahren, ist für die Babels eine riesige Ehre. „Das ist nicht zu vergleichen mit den Umzügen, die wir sonst fahren“, sagt Babel. Die breiten Straßen, die alten Bauwerke. „Wenn man mit dem Auto fährt, bekommt man gar nicht mit, wie schön die Stadt eigentlich ist.“

Heuer ziehen Finni, Flicka, Fefi und Simmerl den Vierspänner der Wirtsfamilie über die Schwanthalerstraße zur Wiesn. Flicka ist mit 21 Jahren schon ein echter Haudegen: Seit sie drei ist, fährt sie in Babels Gespann. Finni hingegen ist erst vier Jahre alt. Doch: „Bei uns ist jedes Pferd gleich wichtig“, sagt Babel.

Sie ist wie alle Zugpferde der Babels „enorm nervenstark und ruhig“, sagt Babel. „Das liegt auch an unserem Training.“ Dass sich das auszahlt, haben die Babels seit Neuestem sogar schwarz auf weiß: „Finni hat eben erst die Leistungsprüfung Fahren bestanden“, sagt Babel stolz. Der Bayerische Pferdezüchterverband ließ sie einen Baumstamm schleppen, durch einen Kutschenparcours navigieren und einen Schlitten übers Kiesbett ziehen. „Das hat sie richtig super gemacht“, sagt Babel.

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Am Tag des Einzugs muss dann alles passen: „Meine Frau und die Schwiegertochter stehen um halb drei auf und kümmern sich um die Kühe“, sagt Babel. „Die Jungs und ich machen die Pferde fertig und brechen um halb sechs mit den Anhängern in Richtung München auf.“ Nur als Mannschaft schaffen sie, was sie der Familie Reinbold und den vielen Zuschauern des Festwirte-Einzugs bieten wollen: „Ein sauberes und schneidiges Gespann“, sagt Babel. Danach geht es für die Tiere dann zurück auf die Weide, wo sie zusammen mit den Kühen grasen: von der Wiesn auf die Wiese.

Das Schützenfestzelt in Kürze

- Bierpreis: 11,40 Euro

- Die Brauerei: Löwenbräu

- Halbes Hendl: 11,50 ­Euro

- Schmankerl: Spanferkel mit Kartoffelknödel und Krautsalat (27,50 Euro)

- Günstig essen: wechselndes Mittagsgericht von Montag bis Donnerstag von 11 bis 15 Uhr für 14,30 Euro, Mittagsmenü von Montag bis Donnerstag von 12 bis 15 Uhr: Pfannkuchensuppe, Ente mit Kartoffelknödel und Haferl Kaffee (zum Mitnehmen) für 16,90 Euro

- Sitzplätze: 5361 Plätze im Zelt, 1187 im Bier­garten

- Raucher: Raucherbalkon, Wiedereinlasskarten für Raucher

- Musik: Die Niederalmer (täglich ab 12 Uhr)

Das Schützenfestzelt.

- Neu: Ihre Wiesn-Gutscheine können Sie bis 31.10. im Löwenbräukeller und im Franziskaner einlösen. Außerdem gibt es erstmalig einen Schnaps aus München.

Die Wirtefamilie

Seit 1980 befindet sich das Schützenfestzelt in der Hand der Reinbolds. Als Vater Edi (75) die Festhalle damals übernommen hatte, war es nicht leicht: „Ich habe mit 37 Bedienungen angefangen, heute sind es über 230.“ 

Jetzt kümmern sich hauptsächlich seine Söhne Ludwig (31) und Mathias (32) um das Schützenfestzelt. Papa Edi mischt aber weiterhin mit. Ludwig: „Er weiß immer bestens Bescheid.“

Severin Heidrich

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