Wiesn-Wirt Krätz: Jetzt muss er vor Gericht

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Was genau geschah am letzten Wiesn-Abend im Hippodrom, als Wirt Sepp Krätz mit seinem Personal aneinandergeriet? Vielleicht bringt die Gerichtsverhandlung am 26. Mai Licht ins Dunkel

München - Wiesn-Wirt Sepp Krätz steht in vier Wochen voraussichtlich als Angeklagter vor dem Münchner Amtsgericht. Es geht um Körperverletzung. Krätz' Konzession ist womöglich in Gefahr.

Nach Informationen des Münchner Merkur hat Richter Thomas Müller das Verfahren wegen Körperverletzung gegen Krätz für den 26. Mai angesetzt. Der Ausgang des Prozesses könnte Auswirkungen auf die Konzession des 56 Jahre alten Wirtes für sein Wiesn-Zelt, das Hippodrom, haben.

Die Könige der Wiesn

Festzelte Wirte Oktoberfest
Fischer Vroni: Hans Stadtmüller und Schwester Silvia zieht es nicht auf den roten Teppich, Wirt Hans dreht lieber auch mal selbst an den Steckerln seiner berühmten Fische. Er ist vor sieben Jahren in die Fußstapfen der legendären „Fischer- Vronis“, seiner Mutter Eva und deren Schwester Anita Schmid, getreten, die gestorben waren. Im Zelt finden 2800 Gäste Platz. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Winzerer Fähndl: Peter Pongratz mit Ehefrau Arabella: Seit 2010 ist Pongratz nicht nur Chef des größten Wiesn-Zeltes mit 8450 Sitzplätzen innen und 2450 im Garten, sondern auch Besitzer eines nagelneuen Zeltes mit technisch hochmodernem zentralen Bierzapfsystem. Der Wirt vom „Paulaner am Nockherberg“ hat das Winzerer Fähndl im Jahr 2003 übernommen. © Jantz
Festzelte Wirte Oktoberfest
Bräurosl: Der Vater von Georg Heide, der berühmte Willy Heide, hat das familienfreundliche Zelt mit seinen 6200 Plätzen 2001 an den Sohn übergeben. Dieser leitet es mit vergleichsweise großer Gelassenheit – weil er einfach ein solcher Typ ist, und weil ihm Frau Renate und Tochter Daniela zur Seite stehen. Den Rest des Jahres führt er die „Heide Vollm" in Planegg. © Kurzendörfer
Festzelte Wirte Oktoberfest
Augustinerzelt: Thomas Vollmer passt perfekt zu seinem bodenständigen und traditionellen Zelt (5600 Plätze). Er ist ruhiger als viele Kollegen und scheut den großen Medienrummel. Auch in der Hausbox ist er seltener anzutreffen. Im normalen Leben arbeitet er in der berühmten „Augustiner Bräustuben“ in der Fußgängerzone. © Kurzendörfer
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hippodrom: Bei Sepp und Tina Krätz feiern die Reichen und Schönen. Und der Wirt ist Kult auf der Wiesn, genauso wie sein Zirkuszelt: Sepp Krätz, der Gastronom des Jahres, hat das Hippodrom zu einer Top-Adresse auf der Wiesn gemacht. Motto: klein und fein. Bei den 3000 Gästen kommt schon auch einmal Champagner in die Krüge. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Schottenhamel: Christian, Peter und Michael Schottenhamel: In keinem Büro geht’s lustiger zu als bei der Männerbande der Schottenhamels. Peter und Christian sind nicht, wie oft vermutet, Vater und Sohn, sondern Cousins und veräppeln sich gerne gegenseitig. Mittlerweile ist auch Peters Halbbruder Michael im Boot. In ihrem Zelt (6000 Plätze) zapft der OB an. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hofbräu Friedrich und Günter Steinberg haben Platz für 6800 Gäste. Kürzlich haben Günter und seine Frau Margot ein ehrliches Buch über Familienglück und Ehekrisen herausgebracht. Der Titel: „Maßvoll – ein Leben mit Bibel und Bier“. Die gläubige Familie ist in ihrem Zelt und auch in ihrem Hofbräukeller auf Harmonie bedacht. © Jantz
Festzelte Wirte Oktoberfest
Löwenbräu: Wiggerl Hagn (r.), Tochter Stephanie Spendler (l.) und Ehemann Michael sind die Chefs im Löwenbräu: Hagn ist ein echtes Münchner Wiesn-Kindl. Seine Eltern haben das Schützen- Festzelt aufgebaut. Logisch, dass auch er Wirt wurde: Seit 1979 gehört ihm das Löwenbräu-Zelt (6000 Plätze). Markantes Wahrzeichen: der 4,5 Meter große, brüllende Löwe. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Käfer Wiesn-Schänke: Michael Käfer mit Ehefrau Clarissa (41) bieten 1164 Gästen Platz. Er ist der prominenteste Wirt auf der Wiesn, nicht zuletzt wegen seines Vaters, dem Feinkost-Mogul Gerd. In seiner kleinen Almhütte ist alles anders: Michael Käfer (52) empfängt tagtäglich dutzende Prominente und muss sich eher um Details kümmern als um große Logistik. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Ochsenbraterei: Nach dem Tod von Wirte-Legende Hermann Haberl im Februar 2011 betreiben seine Frau Anneliese und Tochter Antje Schneider allein die Ochsenbraterei (6000 Plätze). Der Ochs am Spieß ist eines der besten Essen auf der Wiesn. Die Haberls sind seit 1980 auf dem Oktoberfest und zählen zu den Urgesteinen. Bei ihnen fühlen sich vor allem Familien wohl. Die Ochsenbraterei ist auch das perfekte Ambiente für eine gemütliche Firmenfeier. © Schlaf
Festzelte Wirte Oktoberfest
Kufflers Weinzelt: „Wie verrückt muss man eigentlich sein, auf dem größten Bierzelt der Welt Wein zu verkaufen?“, erinnert sich Stephan Kuffler an die Zeit, als seine Eltern Roland und Doris das Zelt übernahmen. Das war 1984 – und das Konzept ging auf, das Weinzelt ist heute Kult. Hier feiern 2500 Wiesn-Nachtschwärmer bis 1 Uhr! Hoher Flirt- und Promifaktor zu später Stunde. © Kruse
Festzelte Wirte Oktoberfest
Armbrustschützen: Peter Inselkammer und seiner Familie gehört das halbe Münchner Platzl im Herzen der Stadt mit Hotel, Restaurant und Immobilien. Das Armbrustschützen- Zelt mit 5380 Plätzen führt Peters Familie schon seit 20 Jahren erfolgreich. Zu Kopf gestiegen ist ihnen dies alles nicht. Peter Inselkammers Frau Katharina entwirft nebenbei Wiesn-Schmuck. © Westermann
Festzelte Wirte Oktoberfest
Hackerzelt: In Toni Roiderers Hackerzelt, dem „Himmel der Bayern“, kocht die Stimmung schon ab der ersten Mass. Die Leute stehen gleich nach Einlass auf den Tischen. Der kultige Wirte- Sprecher Toni Roiderer hat mit seiner Frau Christl und den Söhnen Markus und Thomas das 7000-Mann-Zelt zu einem der beliebtesten auf der Wiesn gemacht. Einlass ohne Reservierung: so gut wie unmöglich! © Haag
Festzelte Wirte Oktoberfest
Schützen-Festzelt Edi Reinbold ist schon seit 30 Jahren auf der Wiesn. Sein Schützen-Festzelt liegt direkt zu Füßen der Bavaria. 4800 Gäste können hier in für Wiesn-Verhältnisse gediegen-gemütlichen Ambiente feiern. Das Essen, insbesondere das Spanferkel, ist hier ausgezeichnet. Mittlerweile ist auch Reinbolds Sohn Ludwig im Geschäft. © Jantz

Am 2. März hatte das Amtsgericht Krätz einen Strafbefehl wegen Körperverletzung über 60 Tagessätze à 300 Euro zugestellt. Der Wirt soll einen Studenten, der 2010 im Hippodrom arbeitete, zweimal kräftig getreten haben. Gegen den Strafbefehl legte Krätz Einspruch ein, der am 16. März am Gericht einging. Daraufhin terminierte Richter Müller den Fall für Ende Mai.

Inzwischen, das sagt Krätz, habe der Student seinen Strafantrag zurückgenommen. Angeblich hat der Gastronom seinem Opfer Schmerzensgeld gezahlt. Damit hoffe er, dass sich die Sache nun erledigt, lässt Krätz durchblicken. Immerhin habe der Student gar kein Interesse mehr an einer Strafverfolgung.

Dennoch könnte es zum Prozess kommen. „Bei einer Körperverletzung kann die Staatsanwaltschaft das öffentliche Interesse bejahen“, erklärt Gerichtssprecherin Ingrid Kaps. Und im Fall Krätz hätten die Ankläger genau das im Strafbefehl ausgeführt. Jedoch könnte sich die Staatsanwaltschaft bis zur Verhandlung und auch im Prozess selbst noch dazu entscheiden, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Ein Szenario, auf das Krätz hoffen dürfte. Dies nämlich dürfte auch der Grund sein, warum er das schriftliche Urteil des Gerichts über 18 000 Euro nicht stillschweigend angenommen, sondern Einspruch eingelegt hat. Vermutlich baut er darauf, dass der Richter spätestens in der Hauptverhandlung auf eine Einstellung gegen eine – vielleicht auch höhere – Geldauflage hinwirkt. So bliebe Krätz eine Vorstrafe erspart, nicht jedoch der Imageschaden.

Zudem könnte die Angelegenheit weit schwerwiegendere Folgen für ihn nach sich ziehen: Immerhin hatte die Stadt den Wirt 2010 öffentlich gerügt, nachdem einige Bedienungen berichtet hatten, ihr Chef hätte sie im Hippodrom beleidigt und tätlich angegriffen. Zwar hatte damals niemand eine Anzeige erstattet. Doch Wirtschaftsreferent Dieter Reiter sah das Ansehen des Oktoberfestes gefährdet und drohte, den Wirt im Falle weiterer Entgleisungen von der Wiesn zu verbannen. „Und das bleibt gültig“, sagt Wolfgang Nickl, Sprecher des Wirtschaftsreferats.

Die Wiesn ohne Krätz? Für heuer nur theoretisch denkbar. Niemand rechnet wirklich damit, dass sich der Stadtrat am 10. Mai, wenn er über die Zulassungen für dieses Jahr entscheidet, gegen Krätz ausspricht. Zum einen wäre es bis zum Anstich denkbar schwer, das Hippodrom neu zu vergeben. Zum anderen gibt es keine Regelung, dass ein Wirt wegen einer Vorstrafe automatisch seine Konzession verliert. Das bestätigt Daniela Schlegel, Sprecherin des Kreisverwaltungsreferats, das über die Zuverlässigkeit eines Wirtes entscheidet. „Das ist immer eine Einzelfallentscheidung.“

Bettina Link

Quelle: oktoberfest.bayern

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