Wiesn-Wirt Krätz züchtet japanische Edel-Rinder

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„Sie brauchen viel Pflege und frische Luft“: Wiesn-Wirt Sepp Krätz mit seinen japanischen Edel-Rindern.

München - Japanische Rinder auf bayerischen Wiesen: Gastronom Sepp Krätz hat es geschafft. Er züchtet edle Wagyu-Rinder – das Erbmaterial hat er aus den USA geholt.

Die Geschichte klingt ein bisschen nach Science-Fiction für Landwirte: Edle japanische Rinder werden Mitte der 90er Jahre mit dem Flugzeug in die USA gebracht – lebendig, wohlgemerkt. Dort bilden sie die Grundlage für Züchtungen der teuren Wagyu-Rinder außerhalb Japans. Zehn Jahre später entdeckt ein bayerischer Gastronom die Rasse für sich und beschließt, sie in seinen Stall zu holen. Er fliegt zur Recherche nach Japan, in die USA und nach Australien – und bringt schließlich aus Amerika Wagyu-Embryonen und das Sperma eines japanischen Stieres mit. Es vergeht nochmal etwas Zeit – und nun leben 106 Halb- und Vollblutjapaner in einem Stall nahe des Ammersees.

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Wiesn-Wirt Sepp Krätz sieht äußerst zufrieden aus, wenn er diese Geschichte erzählt – denn die Rinder leben auf seinem elterlichen Hof. Die Kälberaufzucht ist erfolgreich angelaufen, „die Tiere sind mittlerweile vier bis sieben Monate alt“, sagt er. Seit der ersten Idee sind vier Jahre vergangen. Rechtlich gesehen war das Projekt nicht einfach, der Export von Fleisch, Erbmaterial oder gar lebendigen Wagyus aus Japan ist verboten. Doch über den Umweg nach Amerika funktioniert es. „Der Vater des Stieres, dessen Erbmaterial ich verwendet habe, hat noch in Japan gelebt“, sagt Krätz. Die Rinder, die mit Hilfe von Leihmütter-Kühen aus den japanischen Embryonen entstanden sind, tragen zu 100 Prozent japanische Gene in sich – sie sollen künftig für die Zucht dienen. Derzeit hat Krätz 50 solcher Vollblut-Japaner. Die andere Hälfte der Tiere ist aus dem japanischen Stiersamen entstanden und damit halb bayerisch und halb japanisch – ihr Fleisch ist als „Bayern-Wagyu-Beef“ für den Verzehr vorgesehen. „Das Fleisch der Wagyus hat doppelt so viele Fettsäuren wie unser normales Fleisch und ist viel saftiger“, erklärt Krätz.

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Die Kreuzung von bayerischem Fleckvieh mit den japanischen Wagyus hat Pionier-Charakter – deshalb unterstützt das Landwirtschaftsministerium das Projekt beratend. „Wir haben bei der Versuchsplanung geholfen“, sagt Kay-Uwe Goetz, Leiter des Instituts für Tierzucht in Grub. Seine Mitarbeiter unterstützen auch die Auswertung der Ergebnisse. „Das Ganze könnte eine interessante Nischenposition für bayerische Landwirte bieten“, sagt Götz. Denn das hochpreisige Fleisch der Wagyus ist im Import sehr teuer, „zwischen 60 und 70 Euro pro Kilo“. Es sei reizvoll, dieses Fleisch vor Ort zu produzieren und damit einen günstigeren – wenn auch immer noch nicht billigen – Preis zu ermöglichen. Denn Krätz will am Ende auch anderen Landwirten das Erbmaterial verkaufen. Zunächst will er aber die Züchtung noch optimieren und die Ergebnisse für die Forschung zugänglich machen – mittlerweile führt der Gastronom auch Gespräche mit den Münchner Unis.

Ann-Kathrin Gerke

Quelle: Oktoberfest live

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