Wiesnjobs: Die Ersten machen schlapp

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Josef Marte, Chef der Jobvermittlung, vor seinem Büro-Bus.

München - Heiß, stickig, laut – und überall schwirren Viren in der Luft herum. Jetzt machen die ersten Verkäuferinnen auf dem Oktoberfest schlapp. Für diese Fälle gibt es heuer die Wiesnjob-Zentrale.

Deren Chefs sind verzweifelt und brauchen dringend Ersatz. Heuer finden sie erstmals schnelle Hilfe auf der Wiesn: bei Josef Marte in seinem Old­timerbus am südlichen Parkplatz. Hier ist die Wiesnjob-Zentrale (www.wiesnjobs.de).

Die Gehälter der Wiesn-Jobs

Bierbandl-, Wiesnherzerl-, Radiverkauf. „Viele sind verwundert, dass während der Wiesn immer noch Jobs offen sind“, sagt der Münchner. „Aber sie sind schon wieder offen. Gerade die Souvenirverkäufer, die mit Bauchläden im Zelt arbeiten, hören oft nach ein paar Tagen auf. Entweder weil ihr Umsatz nicht wie erhofft ausfällt oder weil sie krank werden.“

So haben Sie die Wiesn noch nie gesehen

Hinter den Kulissen der Wiesn
Puh, ist das hier eng! Lisa S. (30, v. li.), Michaele P. (27), Franziska S. (20) und Victoria E. (24) kommen beim Anprobieren ihrer Arbeits-Dirndl ins Schwitzen. © Westermann
Vor der Tür warten 177 andere Männer und Frauen, die in den kommenden zwei Wochen im Hippodrom als Bedienung arbeiten. © Westermann
Hier läuft das Prozedere so: Ein Dirndl kaufen die Mädls ihrem Arbeitgeber ab, eines leihen sie sich. Den Geldbeutel bringt das Personal selbst mit, Seidentücher und eine Tasche stellt Wirt Sepp Krätz. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Abwasser marsch! Der Kanal unter der Theresienwiese ist mannshoch – Platz genug für 6 Millionen Liter Bier © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Pro Zelt führen im Schnitt drei Abwasserleitungen hinab in den Kanal, der bereits seit den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts direkt unter der Wirtsbudenstraße durchläuft. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Fahrer Sigi Hof pumpt das Wiesn-Bier mit Hochdruck vom Laster in die Zelte. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Er hatte alle Hände voll zu tun, um die 15 Tanks im Löwenbräu- und die zehn Tanks im Schützenfestzelt zu befüllen. In einen Tank passen 5000 Liter, das Befüllen dauert pro Tank eine halbe Stunde. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Für den Blumenschmuck an den Wagen und Kutschen von Spaten und Löwenbräu ist Chefgärtner Rudolf Lampertsdörfer verantwortlich. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Hier werden die Wagen geschmückt, Kränze gebunden und mit kilometerlangem Draht an den Kutschen befestigt. Da wird jede Hand gebraucht – sogar Brauerei-Azubi Anne Böhm hilft mit. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Die Wirtefamilie Haberl hat ihr Stüberl in der Ochsenbraterei im Stil einer bayerischen Almhütte eingerichtet. Hermann Haberl übt für seinen Trompeten-Auftritt. Mit Guter Mond bläst er der Wiesn jedes Jahr das Licht aus. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
In seinem Ruheraum genehmigt sich Hermann Haberl eine künstlerische Pause. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Zu Gast im Büro der Wiesnchefin Gabriele Weishäupl. Manchmal muss sie etwas lauter werden... © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Das Büro der Wiesnchefin. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Die Augustiner-Brauerei ist die einzige, die auf der Wiesn noch aus Holzfässern ausschenkt. Hinter jeder der vier Schänken ist eine Kühlzelle, in der 50 bis 60 200-Liter-Hirschen bei maximal 2 Grad lagern. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Bei den lebendigen Geistern muss erst mal dick Schminke aufgetragen werden. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Die neue Wolpertinger-Bar im Armbrustschützenzelt. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Aus dem Weg! Die gelbe Banane oder Fahrtrage, wie sie offiziell heißt, kennt jeder Wiesn-Besucher. Über 1800 Mal raste sie vergangene Wiesn zur Zentrale des Roten Kreuzes. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Von innen jedoch haben die meisten Gäste die Trage mit der gelben Plane zum Glück noch nicht gesehen. Das kleine Guckfenster öffnen die Sanitäter nur, wenn sie mit den betrunkenen oder verletzten Patienten sprechen oder sie beobachten müssen. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
In der BRK-Wiesn-Zentrale stehen zehn der gelben Bananen, die in der Regel von vier Männern durch das Getümmel gefahren wird. Während der zwei Wochen arbeiten hier über 1500 ehrenamtliche Helfer, die meisten nur für einen Tag. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Das Weinzelt ist gerüstet: Im Wein- und Champagnerlager warten hunderte Flaschen darauf, geköpft zu werden – und täglich wird nachgeliefert. Ab heute schultern die Kellner wieder XXL-Flaschen – Weinzelt-Wirt Roland Kuffler hebt schon mal ein 9-Liter-Examplar Probe. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Die Sattlerei von Spaten-Löwenbräu ist eine Schatzkammer. Geschirre für 56 Pferde lagern hier – jeder Riemen ist handgenäht, jeder Beschlag in reiner Handarbeit gefertigt. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Sattler Wolfgang Zengerle hat die letzten Tage Geschirre für 33 Pferde gefettet und auf Hochglanz poliert. Das neueste Geschirr hat die Brauerei in den 80er-Jahren gekauft. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Wiggerl Hagn beim „Probe-Grillen“. Der Wirt vom Löwenbräuzelt hat sich in einen Hendlgrill gequetscht. Wo er reinpasst, haben auch 49 Hendl Platz. Auf der Rückseite gehen noch mal 49 hinein. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Wo erholt sich ein Wiesn-Polizeibeamter von Taschendieben, Betrunkenen und Schlägereien? Im eigenen Biergarten! Im Innenhof des Behördenhofs hat die Wiesn-Wache ein eigenes lauschiges Plätzchen. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Vergangenes Jahr durchliefen 669 Personen die drei Einzelzellen und die über 20 Quadratmeter große Sammelzelle, die bis zu 15 Personen fasst. © Westermann
Hinter den Kulissen der Wiesn
Darin wartet eine Holzliege, teils mit Matratze, und eine einfache Toilette. Nach spätestens zwei Stunden Aufenthalt kommen die Gefangenen ins Präsidium in die Ettstraße. © Westermann

Marte vermittelt schon seit 2002 Jobs auf der Wiesn. „Ich habe damals für den Schichtl gearbeitet und gemerkt, wie schwer es für Schausteller und Souvenirverkauf-Betreiber ist, kurzfristig Angestellte zu bekommen. Die mussten ja erst inserieren, sich ans Arbeitsamt wenden oder ein Schild raushängen und warten …“ Also eine zentrale Job-Börse. Besonders die Betreiber der Souvenirbauchläden danken’s, denn die zahlen Unterpacht in den Zelten – und jeder Tag, an dem ein Verkäufer fehlt, geht richtig ins Geld. Bislang gab’s die Börse nur im Internet, heuer im Jubiläumsjahr half die Festleitung, eine richtige Anlaufstelle auf der Wiesn zu bekommen. Als Josef Marte dann auch noch den schicken Oldtimerbus mietete und zum Büro umbaute, war die Stadt begeistert.

Über 2000 Bewerbungen hat Marte seit Juli erhalten, etwa 60 Prozent von Frauen. „Am beliebtesten ist ein Bedienungsjob im Zelt, aber auch der Verkauf an einem Mandelstand ist gefragt.“ Für die Bedienungsjobs in großen Zelten ist er nicht zuständig, die vergeben meist die Wirte. Drei Viertel der anderen Jobs, die Marte vermittelt, gehen an Frauen wegen der „weiblichen Argumente“.

Nina Bautz

Quelle: oktoberfest.bayern

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