Wiesn-Besucher sehen doppelt

Wolfratshauserinnen organisieren Zwillingstreffen auf dem Oktoberfest 

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Wer ist wer? Die Zwillinge Leonie (re). und Sarah Brand auf der The resienwiese in München. 

Leonie und Sarah Brand müssen seit Jahren dieselbe Frage beantworten: „Wer von Euch ist wer?“ Die beiden Studentinnen aus Wolfratshausen hatten heuer Schicksalsgenossen nach München gebeten – zum Zwillingstreffen auf der Oidn Wiesn.

Wolfratshausen – Seit 25 Jahren halten Leonie und Sarah Brand zusammen wie Pech und Schwefel. „Na gut“, räumt Leonie im Gespräch mit unserer Zeitung ein: „Wir machen vieles zusammen, aber nicht alles.“

Die eineiigen Zwillinge – ihre Mutter ist Hausfrau, Vater Brand arbeitet als Elektroingenieur – trennten bei ihrer Geburt in den Mittagsstunden des 13. Dezember 1991 nur sieben Minuten. „Ich bin die Jüngere“, verrät Leonie. Beide haben die Waldramer Grundschule besucht, beide machten ihr Fachabitur an der FOS in Bad Tölz, Seite an Seite studierten die Schwestern Tourismusmanagement an der Hochschule München.

Wer ist wer? Auf den ersten Blick keine Chance

Für ihre jeweilige Bachelorarbeit wählten Sarah und Leonie dasselbe Thema („Touristische Weiterentwicklung in Wolfratshausen“), setzten allerdings unterschiedliche Schwerpunkte. Beide Arbeiten bekamen die Note „sehr gut“. Im Oktober starten die Schwestern ihr Masterstudium, mutmaßlich in Passau. „Wir ticken ziemlich ähnlich“, meint Sarah. Die Zwillinge reisen wahnsinnig gerne, unter anderem haben sie schon Spanien, Kuba, die USA und Hawaii erkundet. Beide jobben als Fitnesstrainerinnen, beide sind bei einer Komparsenagentur gelistet.

Wer erkennen möchte, wer von den beiden jungen Damen wer ist, hat auf den ersten Blick keine Chance. „Da gibt’s nur den einen oder anderen Leberfleck“, sagt Sarah und lacht. Leichter wird’s, wenn Sarah zum Kugelschreiber greift: „Ich bin Rechtshänderin, meine Schwester ist Linkshänderin.“ Dazu kommt: „Einen konsequenten Einheitslook gab’s nie“, berichtet Leonie. Geshoppt wird zwar häufig Hand in Hand, doch kauft nicht jede zwangsläufig die Jeans oder die Bluse, für die sich die Schwester schon entschieden hat. „Unsere Eltern haben früher einer von uns oft etwas Blaues angezogen und der anderen etwas Rotes – so waren wir zu unterscheiden.“ Eine eiserne Regel haben die 25-Jährigen, wenn’s ums andere Geschlecht geht: „Wegen eines Traumtypen haben wir noch nie gestritten“, plaudert Sarah aus dem Nähkästchen. Hat eine von ihnen den mutmaßlichen Herzbuben erspäht, ist er für die Schwester ab dem Moment absolut tabu.

„Haben uns nie als Exoten betrachtet“

„Wir haben uns nie als Exoten betrachtet“, betont Leonie. Zwillinge zu sein, „war für uns etwas völlig Normales“, pflichtet Sarah ihr bei. „Wir sind beste Freundinnen, die eine ist immer für die andere da“, stellt Leonie fest. Natürlich sei nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen: „Es kracht auch schon mal“, gibt Sarah zu, „doch wir können uns keine Woche böse sein.“

Die Idee, ein Zwillingstreffen zu organisieren, brachten die Wolfratshauserinnen aus Berlin mit. Dort findet eine solche Veranstaltung bereits seit einigen Jahren statt, dreimal waren die Brands aus Oberbayern schon dabei. Im März reservierte das Duo vier Tische für die Oide Wiesn, besorgte sich Adressen von Zwillingspaaren, gründete eine Facebookgruppe, erstellte auf dieser Seite eine Veranstaltung, kreierte eine Homepage und ließ Visitenkarten drucken, die die beiden an Freunde verteilten.

Brüder aus Rom angereist

„Ja, die vergangenen Wochen waren ganz schön anstrengend“, erinnert sich Sarah. Doch das Engagement hat sich gelohnt: Fast zwei Dutzend Zwillingspaare folgten am ersten Wiesn-Samstag dem Aufruf der Wolfratshauserinnen, die Münchner Zeitung „tz“ und der Bayerische Rundfunk berichteten. „Das war echt cool, wir haben alle zusammen viel Spaß gehabt, zwei Brüder reisten sogar extra aus Rom an“, sagt Leonie.

Derzeit sind die Schwestern mit Nacharbeiten beschäftigt. Sie versenden Fotos und Zeitungsartikel und pflegen das digitale Gästebuch. Ob’s eine Neuauflage beim Oktoberfest 2018 gibt? „Davon gehen wir aus“, sagen die zwei wie aus der Pistole geschossen. Vor dem von ihnen organisierten Event auf der Theresienwiese gingen die beiden 25-Jährigen übrigens gemeinsam ins Trachtenfachgeschäft – gekauft haben sie jeweils ein Dirndl. „In diesem Fall ausnahmsweise dasselbe Modell“, sagt Sarah. „Aber das sollte eher ein Gag sein.“

Damit Besucher bestens für das wohl berühmteste Volksfest der Welt gerüstet sind, gibt es unseren Ratgeber „In zehn Schritten fit für die Wiesn“.

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