Nachwuchs arbeitet schon mit

Nächste Generation: Aus Kindern werden Wiesn-Wirte

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Stolzer Opa: Löwenbräuzelt-Wirt Wiggerl Hagn (74) ist mächtig stolz auf seine Enkel Johannes (21, l.) und Lukas (19).

München - Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: In vielen Familien steht der Nachwuchs schon in den Startlöchern, die Kinder und Enkel der Festwirte helfen jetzt aus oder übernehmen ganze Arbeitsbereiche.

Die Wiesn neigt sich dem Ende zu: Nur noch dieses Wochenende tobt der Bär auf dem Festgelände. Für die Wirte geht dann die anstrengendste Zeit des Jahres zu Ende. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: In vielen Familien steht der Nachwuchs schon in den Startlöchern, die Kinder und Enkel der Festwirte helfen jetzt aus oder übernehmen ganze Arbeitsbereiche. Die tz hat den Wirte-Söhnen im Löwenbräuzelt, der Fischer-Vroni und im Herzkasperlzelt auf der Oidn Wiesn über die Schulter geschaut:

Er träumt von einem veganen Wiesn-Zelt

Er ist Experte für vegane Gerichte: Lorenz Hocke (22). Der Sohn von Herzkasperl-Wirt Beppi Bachmaier (67) steht schon zum dritten Mal in der Küche des Zelts. Ob Spätzle mit pflanzlichem Käse, Gemüse-Soja-Gulasch oder Sojamedaillons, all das wandert über seinen Herd.

Lorenz Hocke (22) ist der Sohn von Beppi Bachmaier (67), Wirt vom Herzkasperlzelt auf der Oidn Wiesn. Der Koch ist für vegane Küche zuständig.

Der 22-Jährige kam auf Umwegen zum Kochen. Als er nach der elften Klasse das Gymnasium abbrach, stellte ihn sein Vater als Küchenhilfe im Fraunhofer ein. Ein Jahr später stand er auch in der Küche des Herzkasperlzelts, wo er seinen Ausbilder kennenlernte. Im veganen Lokal Max Pett begann er kurz darauf seine Ausbildung. Schon am zweiten Arbeitstag im Max Pett wurde er Vegetarier, wenig später Veganer, verzichtet seitdem auf alle tierischen Produkte.

Der Koch ist für vegane Küche zuständig.

Obwohl sein Vater ein bayerisches Traditionslokal führt, stört es ihn nicht, dass der Sohn nicht gern Schweinebraten kocht. „Ihm ist es nicht wichtig, was ich mache, sondern, dass ich etwas mache. Das mir gefällt“, sagt Hocke. Nach der Ausbildung kündigte er seine Stelle: „Ich möchte noch mehr lernen. Die asiatische Küche hat mich schon immer interessiert. Aber darüber lernt man in der Berufschule nichts“, sagt der Koch. Er träumt davon, sich selbstständig zu machen. Wiesn-Wirt wäre eine Option. Er grinst: „Aber erst, wenn man auf der Wiesn ein rein veganes Zelt betreiben kann.“

Hier hilft die ganze Familie mit

Schon mit vier Jahren wusste Lukas Spendler (19): „Wenn ich groß bin, werd’ ich im Sommer Fußballprofi und im Herbst Wiesn-Wirt.“ Bei ersterem haben die Füße nicht mitgemacht. Aber das mit dem Oktoberfest könnte hinhauen! Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn (74) zumindest kommt aus dem Loben gar nicht mehr raus, wenn es um seine Enkel Lukas und Johannes (21) geht: „Ich bin so stolz auf die beiden. Die Gastronomie liegt ihnen einfach im Blut!“

Die Hagn-Enkel mit Eltern, Großeltern und den Freundinnen auf einem Bild.

Die ganze Familie hilft auf der Wiesn zusammen: Opa Wiggerl Hagn kümmert sich um Personal, Aufbau und Einkauf, Tochter Stephanie Spendler um alles, was mit den Gästen zu tun hat, Papa Michael hält währenddessen den Betrieb in der Hirschau am laufen. Die Enkel begrüßen die Gäste, kontrollieren den Ablauf in der Küche und bei den Bedienungen, legen Reservierungspläne und Mittagskarten aus. Und sind sofort zur Stelle, wenn’s ein Problem gibt, etwa ein Heizstrahler kaputt ist. „Früher hat sich um all das der Opa gekümmert“, sagt der gelernte Koch und Kellner Lukas, der in Innsbruck eine höhere Schule für Tourismus und Gastronomie besucht. „Wir wollen ihn entlasten, so gut es geht.“ Streitereien kennt die Familie nicht – jeder hat seinen festen Bereich. Johannes, der in Regensburg BWL studiert: „Allerdings gibt’s schon mal ’nen Pfiff vom Opa, wenn wir im Wiesn-Stüberl beim Essen zu laut sind …“

Übrigens: Die potentiellen Wiesn-Wirtinnen stehen auch schon parat! Im Urlaub auf Fuerteventura haben Johannes und Lukas im vergangenen Jahr die Schwestern Nina (15) und Julia (17) aus Nürnberg kennengelernt – da hat es gleich im Doppelpack gefunkt.

Mit 20 schon zweifacher Chef

Zwei Mal Hans Stadtmüller! Der Fischer-Vroni-Wirt (51) und sein Sohn (20).

Er ist gerade mal 20 Jahre alt – aber schon doppelter Chef! Hans Stadtmüller jun., Sohn von Fischer-Vroni-Wirt Hans Stadtmüller, führt mit seiner Tante Michaela Tabertshofer nicht nur seit einem Jahr das Lindwurmstüberl in der Lindwurmstraße. Seit diesem Jahr betreibt er auch die Augustiner-Baukantine auf der Theresienwiese. Der Münchner besuchte die Hotelfachschule, lernte anschließend Koch beim Papa im Jagdschlössl am Rotkreuzplatz. Schon als Kleinkind spielte er im Zelt-Büro, auch als Bub zog es ihn immer in Papas Zelt: „Ich hab am liebsten die Securitys begleitet – das war für mich damals unglaublich spannend.“

Vor zwei Jahren unterstützte er den Papa erstmals offiziell auf der Wiesn: „Ich hab mich um die kalte Küche gekümmert.“ Noch ist seine stressigste Zeit vor der Wiesn, wenn er die Bauarbeiter in der Kantine bewirtet und gleichzeitig der Betrieb im Lindwurmstüberl laufen muss. Künftig will er auch dem Papa in der Fischer-Vroni tatkräftig unter die Arme greifen: „Wiesn-Wirt zu werden, das wäre mein großer Traum.“

Christina Meyer, Beate Winterer

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Quelle: Oktoberfest live

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