Mehr Personal am Wiesn-Security-Point

Zwischen Gaudi und Gefahr

München - Wegen der wachsender Zahl hilfesuchender Frauen wird das Personal am Wiesn-Security-Point aufgestockt - auch Amerikanerinnen sind im Einsatz.

Vier Vergewaltigungen und 13 andere Sexualdelikte wurden vergangenes Jahr während der Wiesn angezeigt, „die Dunkelziffer ist erheblich höher“, sagt Sophia Albrecht von der Präventionsstelle Amyna. Um Frauen vor Übergriffen während des Oktoberfestes zu schützen, unterhalten der Verein sowie der Frauennotruf und die Initiative für Münchner Mädchen „Imma“ den Security Point auf der Wiesn - und weisen bereits vor Festbeginn auf Schutzmöglichkeiten für Frauen hin.

Ein Angebot, das zunehmenden Zuspruch erfährt. 162 Wiesngängerinnen suchten 2012 Hilfe beim Security Point - 20 Prozent mehr als 2011. Um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden, bekommt der Security Point heuer Verstärkung: An allen Wiesnfreitagen und -samstagen ist eine zweite Fachfrau zusätzlich zu den Ehrenamtlichen von 20 bis 1 Uhr im Security Point im Einsatz.

Weil fast die Hälfte der hilfesuchenden Frauen Touristinnen sind, arbeiten die Träger heuer zudem mit Ehrenamtlichen der amerikanischen Akademikerinnen-Organisation AAUPW zusammen: amerikanische Muttersprachlerinnen werden während der Wiesn am Hauptbahnhof gezielt Oktoberfestbesucherinnen aus dem Ausland ansprechen - und sie auf die Angebote der Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ aufmerksam machen. „Wir erleben, dass gerade für Touristinnen das Fest an sich oft eine Überforderung ist“, sagt Albrecht. „Die kommen am Hauptbahnhof an, haben noch nicht mal ein Hotel gebucht, weil sie denken, das geht schon. Und dann treffen sie auf Menschenmassen und Betrunkene.“

Damit diese Frauen nicht zum Opfer werden, bietet die Aktion „Sichere Wiesn“ eine Reihe von Präventionsinstrumenten an. Etwa die Smart-Phone-App „WiesnProtect“, die vergangenes Jahr 3500 Mal heruntergeladen wurde. Heuer wird sie voraussichtlich mehr Anwenderinnen finden - sie funktioniert dieses Jahr nicht nur auf Apple-Handys, sondern auch auf Android- und Windows-Handys. Die mehrsprachige App beinhaltet neben Notruf- und Taxinummern, einer Navigationsfunktion zum Security Point sowie einem MVG-Fahrplan mit Zoom-Funktion auch Gaudi-Elemente. Etwa den Wiesn-translator. Der übersetzt Sätze wie „Finger weg!“ ins Bairische: „Dua d’Bratzn weg.“ Zudem verfügt die App über ein „Bier-Barometer“. Das errechnet Kaloriengehalt - und Promille. Ab einer bestimmten Grenze rät die App, eine Breze zu essen, statt noch eine Mass zu trinken. Zwar sollen Frauen auf der Wiesn durchaus trinken können, wie Albrecht sagt, aber sie warnt auch: „Je mehr man trinkt, desto eingeschränkter ist die Eigenschutzfunktion.“ Die App kann über www.sicherewiesn.de heruntergeladen werden.

An einheimische Wiesngängerinnen richtet sich ein präventives Schulprojekt: Lehrer können das Team der Aktion „Sichere Wiesn“ für eine Infoveranstaltung buchen. Auf der bekommen Schüler Tipps für einen gefahrlosen Festbesuch.

Bettina Stuhlweissenburg

Quelle: Oktoberfest live

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