Komet C/2019 Q4 (Borisov)

Komet von außerhalb des Sonnensystems fasziniert Astronomen

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Der Komet C/2019 Q4 (Borisov), aufgenommen vom Canada-France-Hawaii-Teleskop am 10. September 2019.

Astronomen beobachten mit dem Kometen C/2019 Q4 einen Himmelskörper, der offenbar von außerhalb des Sonnensystems stammt. Ist es der zweite interstellare Besucher?

Update vom 13.09.2019, 12.45 Uhr: Nach aktuellen Berechnungen ist der Komet C/2019 Q4 derzeit etwa 420 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt und wird sich ihr am 8. Dezember bis auf 300 Millionen Kilometer nähern. „Die aktuelle Geschwindigkeit des Kometen ist hoch, etwa 150.000 km/h, was deutlich mehr ist als die Geschwindigkeit von Objekten, die die Sonne in dieser Entfernung umkreisen“, erklärt Davide Farnocchia vom Nasa-Zentrum für die Erforschung von erdnahen Objekten. „Die hohe Geschwindigkeit zeigt nicht nur, dass das Objekt sehr wahrscheinlich von außerhalb unseres Sonnensystems kommt, sondern auch, dass es unser Sonnensystem wieder verlassen wird.“

Beobachtungen, die ein Team von der Universität von Hawaii gemacht haben, geben einen ersten Hinweis auf die Größe des Kometen: Er hat einen Durchmesser von zwei bis 16 Kilometer. Auf einem Bild des Kometen, das es mittlerweile gibt, kann man außerdem erkennen, dass sich ein leichter Schweif des Kometen ausgebildet hat.

Erstmeldung vom 12.09.2019: Hat ein Amateur-Astronom einen zweiten interstellaren Besucher in unserem Sonnensystem entdeckt? Seit Ende August beobachten Forscher einen Kometen, dem sie zuerst den provisorischen Namen gb00234 gegeben haben und der mittlerweile den Namen C/2019 Q4 (Borisov) trägt. Da man den Kometen erst seit kurzer Zeit beobachtet, weiß man noch nicht besonders viel über ihn. Es könnte sich jedoch um einen Kometen handeln, der von außerhalb unseres Sonnensystems stammt, der also interstellar ist.

Erste Berechnungen zeigen, dass der Komet wohl aus der Richtung des Sternbilds Cassiopeia kommt. Er dürfte der Sonne auf seiner Flugbahn etwa so nahe kommen wie der Mars. Von der Erde bleibt er nach diesen Berechnungen etwas weiter entfernt als die Sonne. Anschließend sollte es den Kometen wieder hinaus in die Weiten des Weltalls ziehen.

Sind die Berechnungen für Komet C/2019 Q4 korrekt?

Bisher ist noch nicht klar, wie genau die Beobachtungen und die darauf basierenden Berechnungen sind, da noch nicht viele Beobachtungsdaten vorliegen. Sind die Berechnungen korrekt, erreicht der Komet sein Perihel – die größte Annäherung an die Sonne – im Dezember 2019 oder Januar 2020. Offenbar hat der Komet eine hyperbolische Bahn: Er umkreist nicht die Sonne, sondern wird von ihrer Schwerkraft auf dem Weg hinaus aus dem Sonnensystem nur etwas abgelenkt.

Vom Minor Planet Center der Internationalen Astronomischen Union (IAU) wurde der Himmelskörper mittlerweile als C/2019 Q4 (Borisov) registriert. Der Amateurastronom Gennadij Borisov hatte den Himmelskörper mit einem Teleskop von der Halbinsel Krim aus aufgespürt.

Handelt es sich bei C/2019 Q4 tatsächlich um einen interstellaren Kometen, wäre es bereits der zweite Besucher von außerhalb unseres Sonnensystems, der jemals entdeckt wurde. Den ersten interstellaren Himmelskörper entdeckten Astronomen im Oktober 2017 mit dem Teleskop PanSTARRS-1 auf Hawaii. Sie gaben ihm den Namen „Oumuamua“, der hawaiianische Begriff für „Kundschafter“.

Komet C/2019 Q4 wäre der zweite interstellare Himmelskörper im Sonnensystem

„Oumuamua“ war nur kurze Zeit mit Teleskopen zu beobachten und Forscher sind sich bis heute nicht ganz sicher, worum es sich bei dem Himmelskörper handelte: Ist es ein Komet? Oder ein Asteroid? Eine - eher unwahrscheinliche - Interpretation des Chefastronomen der Harvard-Universität schließen sie jedoch aus: Bei „Oumuamua“ handelt es sich wohl nicht um den Boten einer unbekannten Zivilisation. Auch die Theorie eines Alien-Raumschiffs wiesen sie zurück*. Eine wahrscheinlichere Theorie der Forscher ist, dass „Oumuamua“ aus einem anderen Sonnensystem stammt und der Anziehung seines Sterns entkommen ist.

Während die Astronomen sich bei „Oumuamua“ mit den Daten zufriedengeben müssen, die beim Vorbeiflug des Himmelskörpers im Jahr 2017 gesammelt wurden, dürfen sie bei C/2019 Q4 noch auf viele neue Daten hoffen. Der neu entdeckte Himmelskörper ist deutlich größer und heller als „Oumuamua“ - und dadurch besser zu beobachten. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, sollte der Komet „mindestens ein Jahr lang“ beobachtbar sein, heißt es vom Minor Planet Center.

Astronomen sind perplex: Was hat es mit Komet C/2019 Q4 auf sich?

Astronomen sind angesichts der neuen Entdeckung aufgeregt. Handelt es sich tatsächlich um einen weiteren interstellaren Besucher unseres Sonnensystems? Ein Astronom schreibt in einer Asteroiden-Gruppe auf Yahoo, er sei perplex, denn alle drei möglichen Erklärungen, die er habe, seien sehr schwer zu glauben. Doch die kommenden Tage und Wochen werden neue Beobachtungen von C/2019 Q4 bringen und das Mysterium vielleicht etwas weniger rätselhaft machen.

Ein weiterer Himmelskörper, über den Astronomen staunen, ist der Asteroid (6478 Gault). Erst entwickelte er - sehr unüblich für einen Asteroiden - zwei Schweife, dann änderte er vor den Augen der beobachtenden Forscher seine Farbe von rot zu blau. In der Nacht auf Sonntag (15.9.) rast ein riesiger Asteroid an der Erde* vorbei. Zwar ist der Abstand sehr groß, doch der Asteroid ist so groß, dass er mit Teleskopen zu sehen sein wird.

Auch über den Exoplaneten K2-18b sind Wissenschaftler erstaunt: In seiner Atmosphäre haben sie Wasserdampf entdeckt. K2-18b könnte damit der erste Planet außerhalb unseres Sonnensystems sein, der sich in der bewohnbaren Zone eines Sterns bewegt und Wasser in der Atmosphäre hat.

Ein weiteres Rätsel, über das sich Experten den Kopf zerbrechen ist die mysteriöse Substanz, die der chinesische Rover „Yutu-2“ offenbar auf dem Mond entdeckt hat. Und auch das Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße* fasziniert die Forschung: Es scheint hungriger zu werden.

Von Tanja Banner

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