Soziales Netzwerk hat Geburtstag

Facebook: Darum exen wir Bier - oder weigern uns

München - Am Dienstag feiert Facebook 10. Geburtstag. Die tz erklärt das Phänomen Facebook und den lustigen Bier-Trend, mit dem das soziale Netzwerk gerade ganz Bayern aufmischt.

In einem Studentenwohnheim fing alles an. Mit einer Idee, die die Welt veränderte. Mit Freunden entwickelte Mark Zuckerberg (29) die Plattform Facebook: ein Netzwerk, das Menschen über ihre Interessen zusammenführen soll. Vor zehn Jahren ging die Internetseite zum ersten Mal online. Heute sind allein in München mehr als eine Million Menschen angemeldet – Jugendliche, Mütter, Lehrer, Politiker, Promis und Senioren. 27 Millionen Nutzer hat das Netzwerk bundesweit, mehr als eine Milliarde auf der ganzen Welt. Die tz erklärt das Phänomen Facebook!

Der aktuellste Trend in München: Junge Leute trinken ein Bier auf Ex und filmen sich dabei – eine Gaudi, die sich rasend schnell über das Internet im ganzen Freistatt verbreitet (siehe unten). Inhalte wie diese stehen symbolisch für den Wert des Netzwerks: Im Internet zeigen wir, was wir lustig finden und teilen Erlebnisse mit Freunden und Bekannten. Mittlerweile tut das jeder zweite Internet-Nutzer bei Facebook – das Netzwerk prägt unser Alltags- und Berufsleben. Wie stark: Das erklärt der Münchner Social-Media-Experte Markus Gillich (siehe Interview unten). Was man beim Zeitvertreib schnell vergisst: Facebook ist ein reiches Unternehmen, das viel Geld mit Werbung verdient – auf der Basis zahlreicher Daten, die es von Nutzern sammelt. Auf einen Wert von 111 Milliarden Euro wurde Facebook kürzlich geschätzt. Sechs Milliarden Euro Umsatz machte der Konzern in 2013. Sechs Milliarden mal pro Tag wird auch der „Gefällt mir“-Knopf gedrückt. So wie bei der aktuellen Renner-Aktion mit dem Bier-Austrinken (siehe unten). Das Video landet sofort auf Facebook – mit der Einladung zum Nachmachen. Sind Sie schon dabei? Schauen Sie mal nach…

Andreas Thieme & Nicolai Kunz

Ex und hopp: So läuft die irre Bier-Rallye

Der "Geburtstags-Renner" auf Facebook ist derzeit eine Bier-Rallye. Der Urheber ist unklar, die Regeln sind einfach: Ein Freund fordert einen anderen Freund auf, binnen 24 Stunden eine Halbe Bier auf Ex zu trinken und ein Video an die eigene Pinnwand zu posten. Wer es geschafft hat, lädt drei weitere Freunde ein – und fertig ist das schäumende Schneeball-Prinzip. Wer die Aufforderung verstreichen lässt, muss dem Herausforderer eine Strafe bezahlen. Na was wohl? Einen Kasten Bier. Doch es gibt auch schon eine Gegenbewegung im Netz – mit Milch oder Spenden für den guten Zweck.

S. Dorner 

Rache am Vater

„Mich hat mein BVB-Fan-Spezl Tom (rechts) aufgefordert. Dem zahl i doch koa Tragl! I find die Aktion lustig – und in einer Woch is sie wahrscheinlich so wieder vergessen. Hab’ mich aber gerächt und Toms Papa nominiert!“

Michael Pongratz (30), Elektriker, Annathal

Brüderliche BVB-Fans

„A wirklich lustige Sach’! Da muss ma mitmachen, wenn man aufgefordert wird. Und es war logisch, dass es mich (links) erwischen muss bei meiner Einladung. Mia BVB-ler im Bayerischen Wald müssen zamhalten.“

Thomas Pauli (24), Fernmeldemonteur, Annathal

Die Milch macht's

„Ich bin überzeugter Bayern-Fan und trink’ gern mal eine Halbe Bier zum Feierabend. Aber langsam nimmt die Aktion a bisserl überhand. Ganze Chroniken sind mit biertrinkenden Leuten vollgestopft. Das animiert bestimmt auch viele unter 16-Jährige. Deshalb hab’ ich mir gedacht: Warum das Gleiche nicht mit Milch ausprobieren? Die Gaudi bleibt dieselbe.“ Stephan Hörhammer (33),

Geschäftsführer des Online-Magazins „da hog’n“, Freyung

Geld für Kinder statt Bier

„Kann man einen Trend nicht auch nutzen, um anderen Menschen zu helfen? Als Mutter einer Tochter (1) habe ich fünf Euro an Save the Children überwiesen und drei Freundinnen dazu eingeladen.“

Melanie Sitter (26), TZ-Wiesn-Madl-Finalistin 2010, München

Bier und Holz vor der Hüttn

„Ich nehm’ derzeit wegen einer Erkältung Medikamente – deshalb konnte ich die Einladung meines Spezls Georg nicht annehmen. Natürlich habe ich sofort den Kasten bezahlt – und ihn mit zwei Ster Brennholz vor die Haustür gebaut. Wettschulden sind Ehrenschulden ...“ Benedikt

Daller (27), Chef Daller-Tracht, München

In Verbindung, egal wo man gerade ist

Mit seiner Agentur SocialMedia München berät Bernd Gillich Unternehmen und Politiker, die sich im Internet präsentieren. In der tz erklärt der Experte die Facebook-Faszination.

Etwa 1,1 Millionen Münchner nutzen Facebook. Warum?

Gillich: Facebook verbindet. Man kommt schnell an Informationen, kann sie teilen und sein soziales Netzwerk aus dem Leben mitnehmen. Man ist miteinander verbunden, wo auch immer man ist. Ich selbst lebe seit 14 Jahren in München und bin mit allen Menschen vernetzt, die ich aus meiner Heimatstadt Herzogenaurach kenne.

Was bietet Facebook konkret?

Gillich: Es bietet Menschen eine Plattform zum Kommunizieren, die in dieser Form kein anderes Medium anbietet. Man begegnet alten und neuen Freunden.

Was wird besonders gerne geteilt?

Gillich: Bilder – weil sie für Erlebnisse stehen. Das löst die größte Interaktion aus. Viele Facebook-Inhalte sind emotional, hier verleihen Menschen ihren Gefühlen und Interessen Ausdruck. Sie bewerten und kommentieren, was sie bewegt. Deshalb steigt die Nutzungsdauer des Netzwerks.

Welchen kollektiven Wert hat Facebook?

Gillich: Es steht für die Abdeckung der Gesellschaft und bildet große Teile davon ab. Aber Facebook ist auch eine Welt für sich, ein Mikrokosmos.

Was sehen Sie kritisch? Der Datenschutz wird ja oft bemängelt.

Gillich: Ganz klar! Dazu den oft unreflektierten Umgang – es gibt viele Bilder von Menschen in verfänglichen Situationen. Auch Cyber-Mobbing ist ein Problem, dass bereits zu Todesfällen geführt hat. Und es fehlt Struktur: Wer sich an Facebook wendet, erhält selten oder spät eine Antwort.

Facebook hat ein Kommunikationsproblem?

Gillich: Ihr Fokus ist, dass sie Werbung verkaufen wollen. Der Service für Nutzer und Werbekunden ist aktuell leider nicht zufriedenstellend.

Andreas Thieme

So sehen die Profile von Münchnern auf Facebook aus

Der FC Bayern auf Facebook

Der FC Bayern ist ein Publikumsmagnet – im Stadion, im Fernsehen und natürlich auch bei Facebook. Mehr als zwölf Millionen Fans verfolgen die Neuigkeiten rund um den Verein, viele Spieler haben auch Einzelprofile. So wie auch Oberbürgermeister Christian Ude (SPD): Er bietet Informationen, Meinungsbeiträge und Fotos von und über seine Politik – so sind Interessenten ganz nah an ihm dran.

Rubriklistenbild: © Facebook

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