Für 19 Milliarden Dollar

Facebook kauft WhatsApp - so lief der Deal

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Das Bild zeigt die beiden Logos von Facebook und WhatsApp auf einem Smartphone.

Menlo Park - Facebook hat WhatsApp für 19 Milliarden Dollar aufgekauft. Das soziale Netzwerk hat große Pläne mit WhatsApp - wie diese verwirklicht werden sollen, daraus wird noch ein Geheimnis gemacht.

Zwei der weltgrößten Online-Netzwerke gehören künftig zusammen: Facebook mit seinen mehr als 1,2 Milliarden Mitgliedern schluckt WhatsApp. Doch Facebook kauft mit WhatsApp nicht einfach nur einen populären Kurznachrichten-Dienst. Das weltgrößte Online-Netzwerk holt sich damit auf einen Schlag 450 Millionen Nutzer samt Zugang zu ihren Daten und Adressbüchern. "WhatsApp wird uns dabei helfen, unsere Mission zu erfüllen, die ganze Welt zu vernetzen", sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Mittwoch bei der Bekanntgabe des überraschenden Geschäfts.

Facebook lässt sich den Zukauf insgesamt 19 Milliarden Dollar kosten oder umgerechnet 14 Milliarden Euro. "WhatsApp ist auf dem besten Weg, eine Milliarde Leute miteinander zu verbinden", begründete Zuckerberg die hohe Kaufsumme für ein Unternehmen mit gerade einmal 55 Mitarbeitern. "Dienste, die eine Milliarde Nutzer haben, sind unglaublich wertvoll", sagte er in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Die Facebook-Aktie fiel nachbörslich um 3 Prozent.

WhatsApp-Deal: Hier geht's zum offiziellen Statement von Facebook

WhatsApp-Mitgründer verspricht: Für Nutzer wird sich nichts ändern

WhatsApp-Mitgründer Jan Koum hatte noch im Januar erklärt: "Wir interessieren uns nicht für Informationen über unsere Nutzer." Die Firma aus Kalifornien hatte sich stets als Ausnahme im Internet-Geschäft präsentiert. WhatsApp schalte keine Werbung und müsse deshalb auch keine Nutzerdaten auswerten, betonte Mitgründer Jan Koum gebetsmühlenartig. Jetzt schlüpft WhatsApp aber ausgerechnet bei einem Unternehmen unter, das davon lebt, die Werbung an sein ausgiebiges Wissen über die 1,2 Milliarden Mitglieder anzupassen. Wenn man sich zuvor als Rebell gegen die Konventionen der Internet-Industrie gab, bringt das einigen Erklärungsbedarf.

Für die WhatsApp-Nutzer werde sich nichts ändern, versprach Koum so auch rasch in einem Blogeintrag, nachdem der 19 Milliarden Dollar schwere Deal bekanntgegeben wurde. Nach wie vor würden keine Werbeanzeigen die Kommunikation mit Freunden stören. Es hätte keine Partnerschaft mit Facebook gegeben, wenn dies WhatsApp Kompromisse bei Grund-Prinzipien abverlangt hätte.

WhatsApp: Eine sichere Alternative im Test

Facebook will mit WhatsApp Geld verdienen, aber nicht über Werbung

„Wir denken, dass für unser Produkt Werbung nicht geeignet ist“, betonte Koum auch in einer Telefonkonferenz mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. "WhatsApp wird autonom bleiben und unabhängig agieren", hieß es. Auch Zuckerberg versicherte, dass das WhatsApp-Team seine Unabhängigkeit unter dem Dach von Facebook behalten werde. Ihnen sei außergewöhnliches Wachstum gelungen - „es wäre dumm, uns da jetzt einzumischen.“ Zuckerberg gab aber auch klar zu verstehen, dass die Sache mit dem Geldverdienen noch besser werden müsse. Man werde schauen, wie man WhatsApp zu einem wirklich großartigen Geschäft machen könne, sagte er.

Wie sich der hohe Kaufpreis letztlich rechnen soll, ließ Zuckerberg offen. Zunächst einmal gehe es darum, dass der Dienst weiter wachse auf „eins, zwei oder drei Milliarden Mitglieder“, sagte Zuckerberg. „Es gibt es mehrere Wege, wie wir damit Geld verdienen können.“ Werbung zähle in seinen Augen nicht dazu.

Facebook überweist zunächst 4 Milliarden Dollar in bar sowie Aktien im Wert von 12 Milliarden Dollar an die WhatsApp-Besitzer. In den kommenden Jahren sollen weitere Aktien im Wert von aktuell 3 Milliarden Dollar an die Gründer und Mitarbeiter fließen. Mitgründer Jan Koum zieht in den Verwaltungsrat von Facebook ein.

Zuckerberg handelte WhatsApp-Deal in gut zehn Tagen aus

Zuckerberg handelte den Deal nach einigen Angaben in gut zehn Tagen aus. Laut einem Bericht des Technologie-Blogs „The Information“ hatte auch Google ein Auge auf WhatsApp geworfen. Der Internet-Konzern habe der Kurznachrichten-Firma Geld allein schon dafür abgeboten, über das Auftauchen anderer Interessenten zu informieren. WhatsApp habe abgelehnt, hieß es unter Berufung auf informierte Personen. Das Interesse anderer Schwergewichte könnte eine Erklärung für den ungewöhnlich hohen Preis sein.

Was ist WhatsApp?

Über die Smartphone-App WhatsApp können Nutzer miteinander Text- und Sprachnachrichten, Fotos oder Videos austauschen. WhatsApp hat sich damit fest als SMS-Alternative etabliert. Alleine in Deutschland nutzten zuletzt 30 Millionen Menschen den Dienst. Weltweit komme täglich mehr als eine Million Nutzer hinzu, erklärte Zuckerberg. 70 Prozent der Leute nutzten WhatsApp jeden Tag.

Der Zukauf folgt auch auf immer wiederkehrende Medienberichte, dass Teenager Facebook den Rücken kehrten und zu alternativen Diensten wie eben WhatsApp gingen. Diese Sorge hatte zwischenzeitlich zu deutlichen Kursverlusten geführt. Auf die Frage eines Analysten, ob die Nutzer bei WhatsApp denn jünger seien, konnte Facebook-Finanzchef David Ebersmann aber keine Auskunft geben: „Der Dienst fragt nicht nach dem Alter, wenn man sich anmeldet.“ Man wisse bisher auch nicht, wie groß die Überschneidung zwischen den Nutzer-Gemeinden ist.

WhatsApp-Deal muss noch von Wettbewerbshütern abgesegnet werden

Facebook hat bereits einen eigenen Messaging-Dienst mit ähnlichen Funktionen. Dieser soll auch parallel weiterentwickelt werden. Allerdings kaufte Zuckerberg auch schon für knapp eine Milliarde Dollar die Foto-Plattform Instagram, obwohl Facebook-Nutzer bereits Bilder austauschen konnten. Auch die derzeit populäre Foto-App Snapchat, bei der Bilder von alleine verschwinden, wollte Facebook dem Vernehmen nach vor kurzem für drei Milliarden Dollar kaufen, die Gründer lehnten jedoch ab.

Das WhatsApp-Geschäft muss noch von den Wettbewerbshütern abgesegnet werden. Der Abschluss soll später im Jahr erfolgen.

Facebooks Konkurrenz: Soziale Netzwerke im Überblick

Twitter, Google+, Tumblr & Co.: Das Angebot an sozialen Netzwerken wächst und wächst. Wir stellen die wichtigsten Alternativen zu Facebook vor. © dpa
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Facebook: Mit rund 1 Milliarde Nutzer weltweit ist Facebook das größte aller sozialen Netzwerke. User können ein Profil bzw. eine Chronik mit persönlichen Angaben und Erlebnissen erstellen und Fotos, Videos oder Links mit ihren Freunden teilen. © dpa
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User können chatten oder sich Nachrichten schreiben, Veranstaltungen erstellen und angeben an welchem Ort sie sich gerade befinden. Facebook bietet von allen Netzwerken die meisten Möglichkeiten, unter anderem Spieleanwendungen und zahlreiche Apps. Viele Firmen, Stars oder Organisationen haben eine eigene Fanseite. © dpa
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Twitter : Twitter ist ein Kurznachrichten-Dienst. Während bei Facebook das eigene Profil, die Vernetzung mit Freunden und das Posten von Inhalten im Mittelpunkt steht, liegt der Fokus bei Twitter auf der Nachricht. Nutzer schließen keine Freundschaften, sondern folgen und vernetzten sich mit jenen, deren Nachrichten von Interesse sind. © dpa
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Mit 140 Zeichen muss auf Twitter alles gesagt werden. Gerade die Kürze und schnelle Verbreitung der telegrammartigen Meldungen machen den Kurznachrichten-Dienst so beliebt. Twitter wird gerne auch von Stars und Politikern genutzt. © dpa
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Google+: Googles Netzwerk-Konkurrenz zu Facebook ist erst seit Juni 2011 online, die Nutzerzahl wächst allerdings rasant (Stand Ende 2012: rund 500 Millionen Nutzer). Auch hier wird ein eigenes Profil mit persönlichen Angaben erstellt. © dpa
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Andere User können allerdings auch einseitig hinzugefügt werden, ohne dass eine Freundschaft geschlossen werden muss. Die Einteilung in verschiedene Kreise erleichtert die Organisation der Mitglieder und die Beschränkung der Inhalte auf ausgewählte Nutzer. Eine Besonderheit bei Google+ ist der sogenannte Hangout - ein Video-Chat, bei dem sich auch mehrere Personen per Live-Übertragung unterhalten können. © dpa
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XING : Nicht nur, aber vorwiegend berufliche Kontakte werden auf der Plattform XING verwaltet. Im eigenen Profil können sowohl Angaben zum persönlichen Werdegang (z.B. ein Lebenslauf), als auch geplante berufliche Veränderungen eingetragen werden. © dpa
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Durch die Verknüpfung mit anderen XING-Nutzern entsteht ein berufliches Netzwerk. Besonders interessant ist ein eingebundener Marktplatz, auf dem Jobs und Dienstleistungen gesucht und angeboten werden können. © Xing
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Nach einem ähnlichen Prinzip wie XING funktioniert das Portal LinkedIn, auch hier steht die geschäftliche Vernetzung im Mittelpunkt. LinkedIn bietet zusätzlich die Möglichkeit, andere Nutzer zu empfehlen. © dpa
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Tumblr: Stark im Kommen ist die Blog-Plattform Tumblr. Mit wenigen Klicks lässt sich dort ein eigener Blog zu einem bestimmten Thema starten. Inhalte wie Texte, Bilder, Links oder Videos können, ähnlich wie bei Facebook, unkompliziert geteilt werden. Rund 75 Millionen Einträge verzeichnet Tumblr nach eigenen Angaben derzeit jeden Tag. © dpa
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Instagram: Mit der Foto-App Instagram können Fotos erstellt, bearbeitet und unkompliziert in sozialen Netzwerken, beispielsweise Twitter oder Facebook, geteilt werden. Instagram punktet vor allem durch die einfache Handhabung. © dpa
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Pinterest: Eine weitere beliebte Foto-Plattform ist Pinterest. Nutzer können dort Inhalte, vorzugsweise Bilder oder Videos, die ihnen gut gefallen, gesammelt auf einer digitalen Pinnwand präsentieren, also eine Art Foto-Collage beliebter Inhalte. © dpa
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MySpace: Einst eines der größten Netzwerke hat MySpace zwischenzeitlich viele Nutzer verloren und hofft seit einem Relaunch mit neuem Design wieder Mitglieder zu gewinnen. Auch hier erstellen User eigene Profilseiten. © dpa
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Allerdings steht weniger die Interaktion mit anderen Nutzern im Mittelpunkt, als die persönliche Darstellung von Inhalten, wie Musik, Videos oder Blogs. Vor allem für Musiker und Künstler ist MySpace eine beliebte Plattform, um ihren Fans neue Songs und Projekte vorzustellen. © dpa
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Foursquare: Mit der Smartphone-App "Foursquare" können Nutzer über GPS in Restaurants, Geschäfte und andere Orte einchecken und ihren aktuellen Standort anderen Usern bekanntgeben. Außerdem können Tipps und Empfehlungen für die Lokalitäten vergeben werden. © dpa
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Lokalisten/ VZ -Netzwerke: Bevor Facebook in Deutschland bekannt wurde, waren hier die VZ-Netzwerke (studi VZ, schüler VZ, mein VZ) und Lokalisten beliebt. Ähnlich zu Facebook kann man dabei ein persönliches Profil erstellen, Inhalte teilen, mit Freunden chatten oder integrierte Spieleanwendungen nutzen. © dpa
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Seit dem Boom von Facebook müssen die VZ-Netzwerke, Lokalisten und viele weitere Netzwerke aber starke Mitgliederverluste hinnehmen. © dpa
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Sonstige Netzwerke: Weitere Online-Communitys, die ähnlich wie Facebook funktionieren, sind beispielsweise "Wer kennt wen", "Stayfriends", "Flickr", "Friendster" oder "Path". Die Liste wächst ständig weiter. Doch nur wenige große Netzwerke haben nennenswerte Mitgliederzahlen. © dpa

dpa

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