Hassbotschaften, Shitstorm und Co.

So wehren Sie sich gegen Cyber-Mobbing

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Viele Kinder und Jugendliche werden im Internet gemobbt.

München - Hassbotschaften, Mobbing – das die dunkle Seiten der sozialen Medien. Seit Pegida ist der Ton auf Facebook und Co. oft kaum mehr zu ertragen. Der dumpfe Stammtisch steht nun öffentlich im Internet. Und die Netzwerke reagieren nicht schnell und konsequent genug.

Was ist auf Facebook erlaubt – und was verboten?

Beleidigen, pöbeln, hetzen – das anonyme Internet ist das ideale Forum für den frustrierten Wutbürger. Hier wird gegen Flüchtlinge und ihre Helfer Stimmung gemacht, gegen Politiker und Journalisten. Die Hassbotschaften reichen bin hin zur Aufforderung zum Mord. Doch solche Äußerungen können böse Konsequenzen haben. Denn generell gilt: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Juristisch unterscheidet sich eine Beleidung in einem Internetforum oder auf Facebook nicht von einer Beleidung „im richtigen Leben“. „Neben zivilrechtlichen Ansprüchen kann der Betroffene auch auf strafrechtlichem Wege gegen den, der die entsprechenden Zeilen verfasst hat, vorgehen“, erklärt Rechtsanwalt Michael Terhaag auf aufrecht.de.

Was droht im schlimmsten Fall?

Eine Gefängnisstrafe! Wer andere Menschen im Internet herabwürdigt (und dafür genügt schon der lapidare „Blödmann“), kann vom Opfer wegen Beleidigung oder übler Nachrede angezeigt werden. Hier reicht das Strafmaß von der Geldstrafe bis zu zwei Jahren Haft. Deshalb, bitte unbedingt beachten: Was Sie Ihrem Gegenüber im normalen Leben nicht an den Kopf werfen würden, sollte auch im Internet tabu sein. Das gilt vor allem auch für üble Nachrede – wenn Sie beispielsweise einem Lehrer in einem Internetforum unterstellen, sich für junge Schülerinnen zu interessieren. Oder angenommen, Sie rufen auf Facebook zum Mord oder zur Lynchjustiz auf – und irgendjemand begeht tatsächlich so eine Tat. Dann können Sie als Anstifter genauso behandelt werden wie derjenige, der die Tat begangen hat. Aus einem Kommentar wie „Zehn Euro auf seinen Kopf“ kann dann ein Verfahren wegen schwerer Körperverletzung oder gar Totschlags werden.

Und wenn ich nur die Meinung anderer weitergebe?

Das hilft Ihnen gar nichts. Experte Ricardo Jung von e-recht24.de: „Wer einen Beitrag durch das Teilen auf seine Pinnwand postet, macht sich diese Aussage zu Eigen, weshalb diese gleichwertig geahndet wird.“ Wenn Sie eine Aufforderung zur Lynchjustiz „liken“, können Sie also ebenfalls strafrechtlich belangt werden. Und mehr noch: Wenn Sie Menschen online beleidigen oder Beleidigungen weitergeben, kann die Strafe sogar höher ausfallen als im normalen Alltag. Grund: Bei einer Beleidigung auf der Straße gibt es vielleicht nur ein paar Augen- und Ohrenzeugen. Im Netz können dagegen Tausende oder gar Millionen mitlesen. Die Kränkung für das Opfer kann damit wesentlich höher sein – was sich auf Strafmaß oder Schmerzensgeld auswirkt.

Was muss ich tun, wenn ich im Internet beleidigt werde?

Die erste Frage lautet: Handelt es sich tatsächlich um eine Beleidigung oder eine Verleumdung? Denn die Wiedergabe wahrer Tatsachen über Sie ist zunächst einmal von der Meinungsfreiheit gedeckt – zum Beispiel, wenn es auf Facebook heißt, dass Sie Ihren Führerschein verloren haben. Aber auch solche Tatsachenbehauptungen können strafbar sein, wenn Ihre Intim- oder Privatsphäre erheblich betroffen ist. Wenn Sie sich beleidigt fühlen, sollten Sie Beweise sichern: Ausdrucke, Screenshots, möglichst die IP-Nummer des Computers, von dem aus geschrieben wurde. Wenn Sie den Täter kennen, fordern Sie ihn auf, die Einträge zu löschen. Wiegt der Fall für Sie schwer genug, können Sie einen Strafantrag bei der Polizei stellen oder den Verfasser von einem Anwalt abmahnen lassen. Leider ist der Streitwert durch den hohen möglichen Leserkreis oft relativ hoch. Doch häufig springt die Rechtsschutzversicherung ein.

Ich oder meine Kinder werden gemobbt – wie wehre ich mich?

Als erste Hilfe können Sie den Täter in sozialen Netzwerken blockieren. Dann sehen Sie und Ihre Kinder im Internet nicht mehr, was er schreibt, und er kann nicht mehr bei Ihnen mitlesen. Mails von bestimmten Nutzern können Sie in Ihrem Mailprogramm oder auf der Seite des Mailproviders sperren und auf eine „Blacklist“ setzen. Sinnvoller als technische Maßnahmen ist es aber, das Mobbingproblem an der Wurzel zu packen. Gerade Kinder kennen in fast allen Fällen ihre Peiniger. Wenden Sie sich an Schule, Eltern, sprechen Sie das Problem am Elternabend an. Wenn Ihr Kind nicht mit Ihnen über das Mobbing reden will, schlagen Sie ihm vor, sich unter der 11 61 11 (Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr) an die „Nummer gegen Kummer“ zu wenden. Es gibt auch eine Erste-Hilfe-App für Betroffene von Cyber-Mobbing.

Kann ich mich an Facebook oder Twitter wenden?

Auf den Hilfeseiten der Netzwerke finden Sie hierfür Kontaktnummern oder Adressen. Bei Facebook ist das beispielsweise die deutschsprachige Seitewww.facebook.com/safety. Aber erwarten Sie sich nicht zu viel: Die Firmen reagieren oft sehr langsam. In schweren Fällen ist es sinnvoller, zunächst zur Polizei zu gehen, die Ihnen dann rät, wie Sie bei Facebook & Co. am besten weiterkommen.

Tod durch Cybermobbing: Eine Mutter im Kampf gegen Intoleranz

Jörg Heinrich

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