Neues Gesicht: So funktioniert die Facebook-Chronik

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So sieht die Chronik von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg aus.

München - Von der Wiege bis zur Bahre - mit seinem neuen Design will Facebook das komplette Leben seiner Mitglieder in einem chronologischen Ablauf anzeigen. So funktioniert's:

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Das Netzwerk will zur persönlichen Zeitliste werden, ein Chronist des ganzen Lebens seiner Mitglieder. Bisher war diese Chronik-Funktion freiwillig, jetzt wird sie für alle Nutzer des Netzwerks verpflichtend. Da tauchen dann auf einmal längst vergessene Geistesblitze wieder auf - zum Nachlesen in chronologischer Reihenfolge. So funktioniert das neue Facebook - und so können Sie Ihre Privatsphäre am besten schützen.

Wie funktioniert das neue Facebook?

Statt der bisherigen recht unübersichtlichen Seiten fasst Facebook künftig alle Einträge eines Mitglieds in einer Chronik zusammen, der sogenannten „Timeline“ (Zeitstrahl). Dort steht chronologisch geordnet alles, was Sie Facebook im Laufe der Zeit anvertraut haben - Hochzeit, Trennung, Partys, Urlaube, Texte, Fotos. Wer nachschauen will, was Sie im Februar 2011 alles getan haben, muss also nur noch auf den entsprechenden Monat klicken. So fällt es viel leichter als bisher, Ihr gesamtes (öffentliches) Leben nachzuvollziehen. Wenn Sie den Zugriff auf Ihr Profil nicht beschränkt haben, gilt dies auch für den Chef der Firma, bei der Sie sich bewerben, oder für Ihre eifersüchtige Ex.

Wann startet die neue Chronik?

Ab sofort! In den nächsten Tagen und Wochen werden nach und nach alle Konten umgestellt. Sobald die Chronik auch für Sie verfügbar ist, bekommen Sie auf der Facebook-Startseite eine Nachricht und einen Link für die Umstellung Ihres Kontos.

Facebooks Aufstieg vom Studentenwohnheim zum Milliarden-Konzern

In rund acht Jahren hat Facebook es von einem Studenten-Projekt zum Milliarden-Unternehmen geschafft und wird als baldiger Börsenstar gehandelt. Die Meilensteine auf diesem Weg: © dpa
Februar 2004: Mark Zuckerberg und seine Mitgründer starten Facebook in ihrem Studentenwohnheim an der Elite-Uni Harvard. Es ist eine Art digitales Jahrgangs-Buch für Studenten. Zuckerbergs Kommilitonen Tyler und Cameron Winklevoss klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. © dapd
März 2004: Der Dienst wird von Harvard auf die Universitäten Stanford, Columbia und Yale ausgeweitet. © dpa
September 2004: Das spätere Grundelement von Facebook - die Pinnwand - kommt dazu. © 
Dezember 2004: Facebook hat rund eine Million Nutzer. © dpa
Mai 2005: Der Investor Accel Partners steckt 12,7 Millionen Dollar in die Firma. Facebook wird dabei mit 100 Millionen Dollar bewertet. © dapd
Dezember 2005: Facebook hat mehr als 5,5 Millionen Nutzer. © dpa
September 2006: Nach dem Fokus auf Unis und Schulen öffnet Facebook die Türen für alle. © dpa
Oktober 2007: Facebook hat mehr als 50 Millionen Nutzer. Microsoft zahlt 240 Millionen Dollar für einen Anteil von 1,6 Prozent - die Bewertung erreicht damit 15 Milliarden Dollar. © dpa
November 2007: Facebook sorgt für einen Aufschrei bei den Nutzern mit dem Dienst “Beacon“, der Einkäufe automatisch den Freunden anzeigt. Facebook Ads bringen mit einem Selbstbedienungssystem Werbung ins Netzwerk. © dpa
Februar 2008: Facebook einigt sich mit den Winklevoss-Zwillingen auf einen Vergleich, der inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar wert ist. Sie wollen später erfolglos mehr. © apd
März 2008: Die deutsche Facebook-Version startet. © dpa
August 2008: Facebook hat 100 Millionen Nutzer. © dpa
Februar 2009: Facebook führt den “Gefällt mir“-Button ein. Inzwischen gibt es jeden Tag 2,7 Milliarden “Likes“ und Kommentare. © dapd
Mai 2009: Der russische Investor DST steckt 200 Millionen Dollar in Facebook - bei einer Firmenbewertung von 10 Milliarden Dollar. © dpa
Juli 2010: Facebook hat mehr als 500 Millionen Nutzer. © dpa
Januar 2011: Goldman Sachs und DST bekommen für 500 Millionen Dollar ein Prozent an Facebook. © dpa
September 2011: Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert will den “Gefällt-mir“-Button und Fanseiten von Unternehmen stoppen - trifft jedoch auf wenig Resonanz. © dpa
Dezember 2011: Facebook hat 845 Millionen Nutzer aktive Nutzer. Das Unternehmen verdiente 2011 eine Milliarde Dollar bei 3,7 Milliarden Dollar Umsatz. Als neue Art der Darstellung von Nutzerprofilen wird die Chronik (oder Timeline) eingeführt. © dapd
Februar 2012: Facebook beantragt einen 5 Milliarden Dollar schweren Börsengang. Bewertung und angestrebter Aktienpreis sind noch offen. © 

Was muss ich dann tun?

Nachdem Sie auf den Knopf zur Kontoumstellung gedrückt haben, haben Sie sieben Tage Zeit, Ihre neue Facebook-Chronik, die vorerst nur Sie selbst sehen können, zu durchstöbern und unerwünschte Einträge zu löschen oder zu bearbeiten. Bei Bedarf können Sie auch alle alten Beiträge mit einem Klick unsichtbar machen - ein virtuelles „Ramadama“. Nach dieser Frist geht die Chronik automatisch online und ist für Ihre Facebook-Kontakte sichtbar. Starten Sie die Kontoumstellung also erst, wenn Sie wissen, dass Sie in den nächsten Tagen Zeit haben, sich um Ihr Facebook-Profil zu kümmern.

Was passiert, wenn ich die Sieben-Tage-Frist versäume?

Auch danach können Sie unerwünschte Einträge noch löschen - die Inhalte sind dann zwar nicht mehr sichtbar, bleiben aber auf den Facebook-Servern vorhanden. Das Netzwerk verspricht zwar, solche Daten nach und nach endgültig zu löschen, Beweise hierfür gibt es aber bisher keine.

Was kann ich tun, wenn mir die vielen Daten der Chronik über den Kopf wachsen?

Sie können Ihr Konto deaktivieren (facebook.com/deactivate.php), bis Sie Ihre Chronik komplett entrümpelt haben. Oder Sie löschen Ihr Facebook-Konto (http://goo.gl/uUw1) und legen sich ein neues mit frischen Daten an. Dazu rät auch die Stiftung Warentest verunsicherten Nutzern: „Im Zweifel: Neuanfang“.

Was ist noch wichtig?

An den Zugriffsrechten für Ihre Facebook-Beiträge ändert sich durch die Chronik nichts - wer bisher bestimmte Texte oder Fotos nicht sehen konnte, kann dies auch in Zukunft nicht. Aber: Die Beiträge werden jetzt viel besser und einfacher verfügbar. Längst vergessene Texte und Bilder tauchen wieder aus den virtuellen Untiefen auf. Deshalb sollten Sie dringender denn je in Ihren Privatsphäre-Einstellungen genau regeln, welche Ihrer „Freunde“ welche Inhalte sehen dürfen.

Was hat Facebook von der neuen Chronik?

Das Netzwerk hofft, seine rund 800 Millionen Nutzer, davon 20 Millionen in Deutschland, noch enger an sich zu binden. Wer mit viel Aufwand eine Chronik beinahe seines gesamten Lebens auf Facebook angelegt hat, so die Überlegung, steigt nicht mehr aus und fängt in einem anderen Netzwerk wie Google+ bei Null an. Zudem ermuntert Facebook seine Nutzer, auch Ereignisse aus der Zeit in die Chronik aufzunehmen, bevor sie Mitglied im Netzwerk wurden - am besten ab der Geburt. So kommen noch mehr Nutzerdaten zusammen, die sich für Werbung und Marketing verwenden lassen, und die den Wert von Facebook, das gerade seinen milliardenschweren Börsengang angekündigt hat, weiter steigern.

Wie reagieren die Nutzer?

Skeptisch! Laut einer weltweiten Umfrage des Sicherheitsdienstleisters Sophos haben 80 Prozent der Facebook-Mitglieder Bedenken wegen der neuen Chronik-Funktion. Knapp ein Drittel denkt deshalb sogar über einen Ausstieg aus dem Netzwerk nach.

Jörg Heinrich

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