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Seniorbook: Das Facebook für die Ü45-Generation

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Wer sich für Facebook zu alt fühlt, kann sich nun beim Münchner Seniorbook anmelden: Das soziale Netzwerk ist für die Generation ab 45 Jahren.

München - Soziale Medien sind: jung, cool, lässig. Doch die Jungen haben nicht überall die Nase vorn: Es gibt immer mehr soziale Medien für Ältere – allen voran das Münchner Netzwerk Seniorbook, eine Art Ü45-Facebook für Menschen im besten Alter.

Bei Snapchat sind fast die Hälfte der Nutzer zwischen 18 und 24. Und obwohl bei Facebook der Altersdurchschnitt auf knapp 40 gestiegen ist, bleiben die 25- bis 34-Jährigen dort die größte und vor allem aktivste Gruppe. Die tz stellt das Facebook für Ü45-Jährige vor. Und Gründer Thomas Bily verrät im Interview, was Facebook und Seniorbook unterscheidet.

Seniorbook: Die Themen

Grundsätzlich funktionieren die „älteren“ Netzwerke wie feierabend.de, platinnetz.de oder seniorbook.de ganz ähnlich wie Facebook. Sie legen sich ein Profil mit Bild an, laden Fotos hoch, finden Freunde oder diskutieren in Foren. Statt um Justin Bieber oder um Circus Halligalli geht es aber eher um Themen wie Elvis Presley oder argentinischer Tango.

Seniorbook: Das Alter

Ist bei einigen Angeboten erstaunlich „jugendlich“ – bei platinnetz.de sind zum Beispiel über 70 Prozent der Nutzer zwischen 40 und 59 Jahren alt. Ein Mindestalter gibt es nur beim Flirt-orientierten 50plus-treff.de – hier müssen Sie mindestens 45 sein. Mehr als die Hälfte der Angemeldeten sind in aller Regel weiblich.

Seniorbook: Der Datenschutz

Ist meist besser geregelt als bei Facebook. Die Ü45-Netzwerke bieten Einstellungen für die Privatsphäre an, die sich recht leicht bedienen lassen. Und Informationen an Dritte geben die Betreiber ausdrücklich nicht weiter. Die Preise: Das Basisangebot aller Netzwerke können Sie kostenlos nutzen – ideal zum Reinschnuppern. Bei platinnetz.de und 50plus-treff.de gibt es Premium-Mitgliedschaften, mit denen Sie private Chaträume einrichten oder andere Mitglieder besser kontaktieren können. Die Preise starten bei etwa 20 Euro im Monat.

Interview mit Thomas Bily, Vorstand von seniorbook.de

Hallo Herr Bily, genau wie Facebook bietet Seniorbook Nachrichten, Fotowand, Gruppen, Chat, Videos oder Spiele. Warum braucht die etwas ältere Generation eigentlich ihr eigenes Netzwerk?

Weil wir einen ganz anderen Ansatz haben. Auf Facebook vernetzen sich eher Leute, die sich schon kennen – zum Beispiel aus der Schule oder von der Uni. Bei uns lernen sich die Nutzer meistens auf Seniorbook kennen, und treffen sich dann vielleicht auch im richtigen Leben. Wie weit diese Verbindung geht, kann jeder selbst steuern. Wir haben jeden Monat Hunderte von Nutzertreffen, zum Segeln oder zum Kaffeeklatsch.

Wer ist Ihr typischer Nutzer?

Das sind Menschen ab 45, 50 Jahren, die bisher in Sachen soziale Netzwerke eher skeptisch waren, weil sie die Inhalte einfach nicht interessieren. Wenn die Leute auf Instagram ihre Pizza vor dem Essen fotografieren, ist das für unsere Zielgruppe nicht ganz so spannend.

Wie alt sind denn Ihre Nutzer?

Sie müssen ja nicht ihren wahren Namen und ihr wahres Alter angeben. Von den Nutzern, deren Alter wir kennen, sind 90 Prozent 45 Jahre und älter. Und das geht dann hoch bis Ende 60. Danach flacht es ab, in diesem Alter können die meisten noch relativ wenig mit Internet und sozialen Netzwerken anfangen. Aber auch das verbessert sich beinahe Tag für Tag, die Zeit läuft für uns.

Bieten Sie den älteren Nutzern größere Schriften oder Barrierefreiheit?

Bloß nicht! Wir sind eine ganz normale Website, die sich ganz normal bedienen lässt. Wenn wir den Besuchern mit riesiger Schrift oder vereinfachter Steuerung suggerieren, dass sie in ihrem Alter solche Hilfen brauchen, schreckt das eher ab. Die Leute stehen ja mitten im Leben und wissen ganz genau, wie sich eine moderne Internetseite bedienen lässt.

Und das sind dann richtige Powernutzer?

Oh ja, manche unserer Nutzer sitzen offenbar wirklich 24 Stunden am Tag vor ihrem Smartphone oder ihrem Computer. Wir haben im deutschen Internet eine der höchsten Aktivitätsraten, unsere Nutzer klicken pro Besuch mit die meisten Seiten an. In den Statistiken liegen nur Porno- und Kinderwebsites vor uns.

Wie schaut es bei Ihnen mit dem Datenschutz aus?

Wir halten uns zu 100 Prozent an die deutschen Datenschutzgesetze – was bei den großen US-Netzwerken bekanntlich nicht der Fall ist. Wobei wir festgestellt haben, dass dem durchschnittlichen Internetsurfer dieses Thema – leider – relativ egal ist. Denn sonst hätten Facebook oder WhatsApp nicht so unwahrscheinlich viele Nutzer. Die Leute wollen ein tolles Netzwerk, einen guten Service. Privatsphäre und Datenschutz sind dabei nur zweitrangig. Wirklich punkten können wir damit nicht, trotzdem richten wir uns natürlich strikt nach den deutschen Vorgaben.

Und falls ich mich bei Ihnen lösche?

... dann sind auch Ihre Daten gelöscht, und das geht sehr sehr schnell. Wir haben immer wieder Nutzer, die sich über irgendwas geärgert haben. Die löschen ihr Konto und wollen am nächsten Tag wieder zurück, mit ihren bisherigen Daten. Denen müssen wir dann leider sagen, sorry, alles schon weg, du musst von vorne anfangen.

Krawall und User-Proteste gibt’s also auch bei Seniorbook?

Generell ist der Umgangston natürlich höflicher und respektvoller als zum Beispiel bei Facebook. Die Leute haben einfach eine andere Kinderstube. Aber in unseren Foren staubt’s schon auch. Nach Angela Merkels Auftritt bei Anne Will letzten Sonntag hatten wir über 1200 Kommentare, da fassen sich die Leute nicht mit Samthandschuhen an. Und wenn inhaltlich eine Grenze überschritten wird, dann müssen auch wir den einen oder anderen Kommentar löschen.

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