Warum Dialekt in de neie Zeit basst

SMS und Facebook ois Bairisch-Biotop

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Lisa Wittek (18), Auszubildende zur Arzthelferin: "I finds so schad, wenn ma den Kindern das Bairisch abtrainiert."

Minga - Der Gründer vom Bund Bairische Sprache is sicher: ­Ausgrechnet bei Facebook und in SMS is der Dialekt wieder aufm Vormarsch. Er hod uns erklärt, warum des so is – und mia ham Leit in Minga gfrogt.

Dieser Text stammt aus der tz-Ausgabe vom Freitag, 21.02.2014, die komplett auf Bairisch erscheint. Die Erklärung dazu lesen Sie hier, mehr Texte finden Sie auf dieser Übersichtsseite.

Wia stehts mitm bairischen Dialekt? Ghead a pflegt? Ghead a gschützt? Und wenn ja: wia? Mia ham nochgfrogt beim Obermeier Sepp (57) – er is der Gründer vom Bund Bairische Sprache. Und er is sicher: ­Ausgrechnet bei Facebook und in SMS is der Dialekt wieder aufm Vormarsch. Er hod uns erklärt, warum des so is – und mia ham Leit in Minga gfrogt.

Uli Heichele, Nina Bautz

Herr Obermeier, warum braucht ma überhaupt an „Bund Bairische Sprache“?

Sepp Obermeier: Genauso guad kannt ma frogn: Warum braucht ma an Bund Naturschutz? Weil ma d Natur schützen muaß. Mitm Dialekt is des vergleichbar – den muaß ma aa schützn. Es gibt aber an großen Unterschied: Fehler beim Naturschutz konn ma wiedaguadmocha, wenn ma zum Beispui Biotope olegt. Wenn d Muaddasprach an d Kinder ned weidagebn werd, iss unwiederbringlich valorn, weil ma a Sprach authentisch und akzentfrei bloß bis zum zehnten Lebnsjohr lerna ko!

Sie setzen si mit Eahnam Verein dafia ei, dass wieder mehr Dialekt gredt werd. Wia funktioniert des genau?

Obermeier: Zum Beispui mit dem Preis, den mia verleihn – des is de Bairische Sprachwurzel. Mia ham uns denkt, ma konn den Dialekt ja bloß über prominente Vorbuider fördern. Deswegn verleihen mia den Preis ganz bewusst an Prominente, de an Tabubruch riskieren und bei öffentliche Auftritte Bairisch redn. Zum Beispui an den Papst Benedikt XVI., der bei mehrere Privat-Audienzen Bairisch gredt hod.

Aber is ned irgendwann sowieso amoi Schluss mit jeder Sprach? Latein und Oidgriechisch gibt’s ja heit zum Beispui aa nimmer … Hods do überhaupt an Sinn, dass ma fürs Überleben von am Dialekt kämpft, wenn as Aussterbn sowieso zur Sprach dazuaghert?

Obermeier: Dazwinga konn ma nix – aber ma konn scho für ebbs eisteh, des wo oam wichtig is. Es gibt a wissenschaftliche Untersuchung, de zoagt, dass von de weijdweit 6500 Sprachen ungefähr olle zwoa Wochan oane ausstirbt. Zum Beispui hod se z Peru Spanisch gega Quechua durchgsetzt. Und ma merkt oiwei: Es liegt am sozialen Ansehen. Spanisch hod mehr Ansehen ghabt wia Quechua, deswegen hod sa se durchgsetzt. Jetzt miaßma mia schaugn, dass Bairisch wieder a soziales Ansehen kriagt, zum Beispui durch de Sprachwurzel. Gleichzeitig miass ma aufbassen, dass Dialektpflege ned mid Museumsarbat vawechselt werd. Es huift ja nix, wenn ma Wörter quasi in Eiweckglasl steckt, bloß zum Aufhebn. Naa, des muaß se aa weiterentwickeln derfa. Wos mia in dera Richtung gfoid, is, dass zletzt a Entwicklung zruck zum Dialekt gebn hod, und zwar ausgrechnet zwengs n Handy und Internet. Vui Jugendliche schreibn Bairisch, zum Beispui auf Facebook.

Wieso denn des? Kenna Sie des erklärn?

Obermeier: Ganz oafach, weils zwengs da bairischen Grammatik kürzer zum Schreibn is. Nehmans zum Beispui den schriftdeitschen Satz „Haben Sie das gesehen?“ Des san sieben Silben. Auf Bairisch hoaßts „Hams des gseng?“. Des san bloß drei Silben – wenn des ned sprachökonomisch is!

„Bissal“ versteht a jeda

I bin zwar in Minga aufgwachsn, awa in da Schui ham die Lehrer zu meinen Eltern gsagt – oder sie gebetn –, dass i Hochdeitsch lerna sollt. I hab oft schlechtere Notn ghabt im Diktat, weil i Boarisch gschriebn hob. Deswegn hab i aus der Not heraus Hochdeitsch lernen miassn. I finds so schad, wenn ma den Kindern das Bairisch abtrainiert. Mit meine Freind red i eigentlich nur no Hochdeitsch, aber bei WhatsApp nimm i scho oft bairische Wörter her – zum Beispui „bissal“ oda „I gfrei mi“. Des is kürzer und leichta – und versteh duads a jeda.

Lisa Wittek (18), Auszubildende zur Arzthelferin

Bairisch is einfach schee

I red immer Bairisch, aa mit de Touristn, wenn i do beim Stammtisch im Hofbräuhaus bin – i muaß de Touristn ja aa versteh kenna. Unser Bairisch mog doch de ganze Weit. Weils einfach schee ist. Und wer weitoffn ist so wia i, der versteht si oiwe irgendwia. Schee is, dass de Trachtnvereine langsam wieder mehra Zua­lauf kriagn. Wenn i mir awa die Burschn aus Minga so oschaug und do fast ­neambds mehr Bairisch redt, dann mach i mir Sorgn, dass da Dialekt ausstirbt.

Da Kraus Sepp (61), Rentner aus da Oberpfoiz

Ich habe Mundart leider nie gelernt

Ich bin eine waschechte, gebürtige Münchnerin – auch wenn ich kein Bairisch spreche! Ich kann nichts dafür: Meine Mutter kommt aus Prag, und mein Vater, der Bairisch spricht, war wenig daheim. Ich finde es schade, dass nicht mehr Leute Bairisch sprechen. Aber das ist nun mal in der Großstadt so. Hier ziehen eben mehr Leute von auswärts her als auf dem Land.

Melanie Toteda (37), Versicherungsangestellte

Von derb Bairisch bis Hochdeitsch

Wiar i vor a boor Johr wega meim Beruf von Passau auf Minga zong bi, hob i Hochdeitsch lerna miassn. I hobs recht schnej glernt. I bin froh, dass i jetzt flexibel bin: Dahoam und aa mit meim Bruader red i a derbs Bairisch, mit Bayern do in Minga a gemäßigtes Bairisch – und mit Kunden konn ich Hochdeitsch redn. Bei Frauen habe ich übrigens gemerkt, dass die Meinung auch sehr gespalten ist: Ein paar finden Bairisch süß, andere mögen es aber gar nicht.

Maximilian Furtner (22), Herrenausstatter

Sprache stirbt nicht aus

Im Norden merken die Leute, dass ich gebürtige Münchnerin bin. Dabei ist mein Vater Holländer und meine Mutter Norddeutsche. Ein paar Worte gewöhnt man sich halt an, und die Betonung ist anders. Als Ethnologin weiß ich, dass die Bairisch-Diskussion überzogen ist. Eine Sprache stirbt nicht aus, sie verändert sich. Wenn etwa englische Wörter einfließen, finde ich’s auch okay.

Viola Zimmer (33), Ethnologin und Kunstgalerie-Angestellte

„I ko ja gor nix anders“

Bei uns in der Dachauer Gengd wead no mehr Bairisch gredt als hier in der Stod. Des wird scho weniger. Mittlerweile arbeitn ja sogar scho beim Bauern, wo i einkaffa dua, Menschen, die Hochdeitsch redn. Awa wenn ma suachn duad, findt ma immer no Leit, die Bairisch redn. Zum Beispiel hier aufm Viktualienmarkt. I red immer Bairisch – i ko ja nix anders. Ich ko ned amoi Englisch. Des Wichtigste is, dass Bairisch nia aussterbn duad. Aber i bin auch tolerant: Mit den Norddeutschen zum Beispiel kimm i guad zurecht. Des san sehr freindliche Menschn.

Helene Kienberger (80), ­ Rentnerin

Dialekt schreibn is a rechts Gfrett

I bin in Minga geborn und red a moderates Bairisch mit einem starken Münchner Akzent. I bin froh, dass i aa in meim Beruf redn ko, wia mia da Schnabl gwachsn is – i hob a Bierkneipn. Mundart schreibn? Des ko i ned, weil es ja so vui verschiedne Schreibweisn gebn daad. Deswegn hob i unsre Speiskartn aa auf Hochdeitsch schreibn lassn. In da Schui, in der mei Kinder san, werd nur no Hochdeitsch gredt. Dabei sogn Studien, dass Kinder, die Mundart spre­cha, mindestens genauso guad in Deitsch san.

Thomas Zeilermeier (46), Wirt vom Augustiner am Platzl

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