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Snapchat: Das zeichnet die Funktionen des Messengers aus

Das Logo der App "Snapchat"
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Snapchat ist ein Messenger-Dienst, der vor allem für den Versand von Fotos und Videos konzipiert ist

Bei Snapchat sind Bilder sowie Videos nur kurzfristig sicht- und aufrufbar. Anschließend werden sie automatisch entfernt. Der Dienst wurde im ersten Quartal des Jahres 2020 weltweit von rund 229 Millionen Menschen genutzt.

  • Snapchat erlaubt das Versenden von Fotos und Videos an Nutzer im eigenen Netzwerk.
  • Innerhalb des Messengers lassen sich die Dateien bearbeiten und mit Emojis, Filtern, Text und Effekten versehen.
  • Die Daten werden nach kurzer Zeit automatisch entfernt.

Venice, Kalifornien – Analysten schätzen den Wert von Snap. Inc., dem Unternehmen hinter Snapchat, auf bis zu 22 Milliarden Dollar. Der Entwickler der Kamera-App für das Teilen von Fotos und Bildern im Netzwerk generierte im Jahr 2019 einen Umsatz von 1,715 Milliarden Dollar.

Snapchat: Gründung und Entwicklung des Messengers

Hinter der Idee von Snapchat stecken Evan Spiegel und Robert „Bobby“ Murphy. Die Entwickler lernten sich an der Universität Stanford kennen. Während ihres Studiums gründeten sie das Online-Portal FutureFreshman.com. Das Portal sollte es Studenten ermöglichen, sich komfortabel an einer US-Hochschule zu bewerben.

Der Messenger Snapchat wurde ursprünglich ebenfalls als Universitäts-Projekt gestartet. Gemeinsam mit Reggie Brown erstellten Spiegel und Murphy die mobile App als Kursarbeit im Rahmen von Spiegels Produktdesign-Studium. Brown fokussierte sich durch seine Erfahrung im Managementbereich auf die geschäftliche Seite. Er entwarf zudem das Snapchat-Logo in Form eines Geistes, Ghostface Chillah genannt. Murphy fokussierte sich vor allem auf die Programmierung der App.

Zunächst arbeitete man zu dritt an dem Projekt. Brown wurde jedoch nach kurzer Entwicklungszeit von seinen Kompagnons ausgeschlossen. Er klagte später gegen die offiziellen Entwickler, da die Idee laut seiner Aussage maßgeblich von ihm stamme. Im Rahmen eines Vergleichs räumten die späteren CEOs von Snap. Inc. ein, dass Brown die Ursprungs-Idee des Messengers gehabt habe.

Snapchat: Wachstum in den ersten Jahren

Zu Beginn der Entwicklung fokussierte man sich vor allem auf die technischen Hintergründe und die Funktionen der App. Das Marketing und Markenbranding wurde zunächst außen vor gelassen. Der Kern der Idee war es Evan Spiegel zufolge, digitale Kommunikation mit allen Mitteln menschlicher Emotionen zu ermöglichen. Das müsse weder perfekt noch schön sein. Vor dem Hintergrund der damals aktuellen Debatte über das „Internet, das nichts vergisst“ entstand das Konzept der sich automatisch löschenden Daten.

Den ersten Blog-Eintrag, in dem die Gründer die Philosophie hinter Snapchat erläuterten, erschien am 9. Mai 2012. Zu dieser Zeit verschickten die wenigen Nutzer des Messengers rund 20 Bilder pro Sekunde. Bereits Ende November desselben Jahres stieg das versendete Datenvolumen auf 20 Millionen Bilder täglich. Am 28. November verzeichnete Snapchat eine Milliarde geteilte Fotos in der iOS-App. Bis September 2013 wuchs die Zahl der versendeten Nachrichten auf 350 Millionen am Tag.

Im selben Jahr bot Marc Zuckerbergs soziales Netzwerk Facebook erst eine, dann drei Milliarden Dollar für den Verkauf von Snapchat. Die Gründer lehnten dies ab. Snapchat wuchs in den folgenden Jahren stark an und überholte Facebook hinsichtlich der Video-Aktivitäten bis April 2016. Rund 100 Millionen User riefen täglich 10 Milliarden Clips auf. Facebook zählte zu dieser Zeit circa acht Milliarden Video-Aufrufe.

Snapchat: Börsengang 2017

Zu Beginn des Jahres 2017 ging Snapchat an die Börse. Experten bezeichneten diese Entscheidung als einen der größten Börsengänge in der Technologiebranche. 200 Millionen Wertpapiere zu je 17 Dollar gab das Unternehmen aus. Die Aktie wurde nach dem ersten Handelstag um rund 44 Prozent über ihrem Ausgabepreis gehandelt. Obwohl Snapchat zu diesem Zeitpunkt noch rote Zahlen schrieb, war das Unternehmen mit dem Börsengang auf Basis des Kurses am ersten Tag rund 34 Millionen Dollar Wert.

Snapchat: Ausweitung der Funktionen

Nach dem Start der App im Mai 2012 fügte Snapchat schnell neue Funktionen hinzu. Die erste war im Dezember desselben Jahres der Videodienst. Die App erlaubt es seitdem, Bewegtbilder von bis zu zehn Sekunden Länge aufzunehmen und zu verschicken. Nachdem der Empfänger es einmal angesehen hat, wird es automatisch gelöscht.

Weitere Neuerungen implementierte der Messenger im September 2013. Nach einem umfangreichen Update wurden Features wie die Wisch-Funktion, ein Doppelklick auf das Foto für eine direkte Antwort und eingeschränkte Dienste für Nutzer unter 13 Jahren eingeführt. Diesen wurde das Versenden von Daten untersagt, lediglich das Verändern und Speichern von Bildern auf dem eigenen Endgerät waren erlaubt.

Nach dem Kauf des Tech-Start-ups Looksery erhielten die Snapchat-Nutzer die Möglichkeit, Videos von sich mit Filtern, Stickern und Emojis zu verändern.

Snapchat: Features innerhalb der App

Folgende Funktionen finden sich bei Snapchat:

  • Snap erstellen: Ein Snap wird erstellt, in dem der Aufnahme-Button der Kamera gedrückt wird. Das so erstellte Foto mit Front- oder Rückkamera lässt sich im Anschluss mit Filtern, Emojis, Linsen und Text bearbeiten und an Freunde verschicken.
  • Chat-Bildschirm: Der Chat-Bereich wird sichtbar, indem der Kamerabildschirm nach rechts gewischt wird. Er zeigt die letzten Unterhaltungen an und bietet die Möglichkeit, eine neue zu starten. Darüber hinaus wird angezeigt, wenn Freunde neue Storys hochgeladen haben, und es stehen Spiele zur Verfügung.
  • Bitmoji: Das Bitmoji dient als persönliches Emoji sowie als Avatar, der den Nutzer bei Snapchat repräsentiert. Es wird mithilfe eines eigenen Fotos erstellt. Anschließend lässt sich der Avatar individuell gestalten.
  • Snaps anschauen: Erscheint ein rotes oder violettes Symbol im Freundesbereich, hat der User einen Snap erhalten. Mit einem Fingertipp auf das Symbol lässt er sich öffnen. Es ist möglich, den Snap mehrfach anzuschauen, solange man sich in der Freundes-Ansicht befindet. Wird diese verlassen, wird er automatisch gelöscht.
  • Storys: Bei einer Story handelt es sich um eine Reihe von Snaps, die hintereinander abgespielt werden. Mit einer Wischbewegung nach links gelangt man in den Story-Bereich. Dort werden die Daten von Freunden sowie Herausgeber-Storys angezeigt. Sie sind 24 Stunden sichtbar. Eigene Storys lassen sich im Memory-Bereich der App sowie im Fotospeicher des Smartphones speichern.

Snapchat: Filter, Sticker und weitere Features

Für Snaps, Storys und Freunde sind in der Snapchat-App zahlreiche Funktionen verfügbar:

  • Freundschafts-Emojis: Sie halten den Nutzer über Freundesaktivitäten im Messenger auf dem Laufenden.
  • Meilensteine: Sticker, Bitmojis oder andere Überraschungen werden von Snapchat automatisch nach bestimmten Interaktionen mit Freunden hinzugefügt.
  • Snap Map: Auf der Map werden Snaps angezeigt, die andere Nutzer an diesen Bereich gesendet haben. Im eigenen Netzwerk lässt sich so auch erkennen, wo sich die Freunde gerade befinden, sofern sie ihren Standort mitteilen.
  • Kreativtool: Nach Erstellen eines Snaps kann dieser mithilfe von Filtern, Stickern und Text-Optionen verändert werden. Zudem lassen sich Filter und Linsen für die Snaps selber erstellen und kaufen.

Snapchat: Nutzung und Zielgruppen

Nach Herunterladen der App ist eine Anmeldung notwendig, um Snapchat nutzen zu können. Neben der E-Mail-Adresse wird das Geburtsdatum abgefragt. Damit soll verhindert werden, dass Personen unter 13 Jahren den Messenger nutzen. Snapchat überprüft die Altersangabe jedoch nicht, was bereits zu Kritik geführt hat.

In den Privatsphäre-Einstellungen können die Nutzer entscheiden, mit welchen Usern im Netzwerk sie ihre Daten und Storys teilen, wahlweise mit jedem oder ausschließlich mit Freunden.

Snapchat spricht insbesondere junge Menschen an. Mehr als 80 Prozent der Nutzer sind zwischen 14 und 19 Jahre alt. Der Anteil der deutschen Nutzer des Messengers liegt bei rund 18 Prozent. Dem Portal Statista zufolge ist die Snap-Funktion die mit Abstand beliebtesten in der App: Rund 86 Prozent der Jugendlichen, die Snapchat zumindest gelegentlich nutzen, schauen sich Snaps von Freunden im Netzwerk an. Circa 72 Prozent verschicken selbst Snaps.

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