Außerhalb der EU wird's richtig teuer

So vermeiden Sie Roaming-Wucher

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Im Urlaub kann die Telefonrechung in ungeahnte Höhen schnellen.

München - Wer im Urlaub nicht auf sein Handy oder Smartphone verzichten will, muss sich auf eine höhere Telefonrechnung einstellen. Diese Kosten kommen auf Sie zu und so schützen Sie sich gegen den Wucher:

Beim Urlaub innerhalb der Europäischen Union hat das Roaming etwas an Schrecken verloren. Mit maximal 28 Cent pro Telefonminute und 53 Cent pro Megabyte (MB) Datenvolumen sind die Preise seit 1. Juli einigermaßen überschaubar. Doch im Nicht-EU-Ausland droht immer noch der Roaming-Horror, hier gibt es keine Preisobergrenzen! Die tz verrät, wie hoch die Kosten sein können – und wie Sie sich schützen.

Welcher Roaming-Wucher droht außerhalb der EU?

Wenn Sie nicht aufpassen, können 150 MB Internet-Daten, für die Sie in Deutschland nur wenige Euro zahlen, im Urlaub knapp 3.000 Euro kosten! 79 Cent verlangt beispielsweise die Telekom für Internet-Verbindungen aus ihrer Ländergruppe 3 (z.B. Ägypten, Israel, Russland, Australien) – und zwar nicht pro Megabyte, sondern pro 50 Kilobyte (KB). Das macht 15,80 Euro pro MB. Bei Vodafone sind es in Zone 4 (z.B. Indonesien, Malediven, Sri Lanka, Serbien, aber auch auf Kreuzfahrten und im Flugzeug) sogar 99 Cent pro 50 KB – also 19,80 Euro pro MB, die schon mit einer einzigen Internetseite fällig sein können. Einfache Rechnung: Fünf Minuten Videotelefonieren mit Skype nach Hause verbraucht rund 15 MB, das macht dann 297 Euro. Oder 2.970 Euro für das 150-MB-Paket. Deshalb sollten Sie im Urlaub auf keinen Fall Warn-SMS ignorieren, die Ihr Provider beim Überschreiten bestimmter Kosten schickt. Meist müssen Sie dann bestätigen, dass Sie weitersurfen wollen. Telefonieren kostet bei Vodafone aus der Ländergruppe Welt 2 (z.B. Russland) immer noch 5,12 Euro pro Minute. Davor können Sie sich schützen, wenn Sie vor Ihrer Reise spezielle Urlaubspakete buchen, im Ausland eine eigene SIM-Karte kaufen oder das Roaming konsequent abschalten.

Was kann ich tun?

Erkundigen Sie sich rechtzeitig vor dem Urlaub, was Telefonieren und Surfen am Zielort kosten – die Tarife finden Sie auf der Website Ihres Providers. Wenn Sie Ihr Smartphone auch im Ausland verwenden wollen, bieten die meisten Provider spezielle Urlaubspakete an, zum Beispiel Vodafone einen weltweiten Tagespass mit 5 MB für 15 Euro. Billig ist das zwar auch nicht, Sie vermeiden aber den absoluten Kostenhorror. Ganz schlecht: Einfach am Flughafen ankommen, lossurfen und telefonieren. Nutzen Sie lieber das Hotel-WLAN oder Internet-Cafés. Achtung: Hackergefahr, dort bitte kein Online-Banking oder andere sensible Transaktionen durchführen! Um ganz sicher zu gehen, sollten Sie das Datenroaming abschalten, denn Smartphones laden oft auch im Hintergrund Daten, ohne dass Sie es merken. Beim iPhone finden Sie diese Option unter Einstellungen => Allgemein => Netzwerk, bei Android unter Einstellungen => Drahtlos und Netzwerke => Mobile Netzwerke.

Lohnen sich ausländische SIM-Karten?

Auf jeden Fall. Stecken Sie die ausländische Prepaid-Karte, mit der Sie nur die lokalen Tarife zahlen, ins Smartphone – und Ihre gewohnte Telefonkarte, um erreichbar zu bleiben, in ein altes Handy, das Sie vielleicht noch zu Hause haben. Die SIM-Karte bekommen Sie vor Ort im Supermarkt oder am Kiosk. Oder Sie besorgen sich die Karte schon vor dem Urlaub online, bei Anbietern wie abroadband.com, prepaid-global.de oder prepaidsimcard.org. Geheimtipp für iPhone und Android ist die Gratis-App „Roamer“, die Ihre eigene Rufnummer an eine ausländische SIM-Karte weiterleitet. Das soll bis zu 90 Prozent sparen. Übrigens: Wenn trotz aller Vorsicht nach dem Urlaub eine Horrorrechnung ankommt, wenden Sie sich an Ihren Provider. Manchmal sind die Firmen kulant, aber einen Anspruch darauf haben Sie nicht.

Jörg Heinrich

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