Angry Birds & Co.

Spionage: So gefährlich sind Ihre Apps

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Angry Bird aus der Spiel-App: Mit ihrer Hilfe wurde spioniert.

München - Vorsicht, neugierige App! Der US-Geheimdienst NSA zapfte laut Informant Edward Snowden sogar Spiele-Apps wie Angry Birds an, um Daten von Nutzern abzufischen.

Spätestens jetzt sorgen sich viele Smartphone-Besitzer: Wie gefährlich sind meine Apps? Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie funktioniert die App-Spionage? Einfallstor sind häufig Werbebanner, die in den Apps geschaltet werden. Um maßgeschneiderte Reklame einblenden zu können, versuchen App-Hersteller und Werbevermarkter, Nutzerdaten wie Alter, Geschlecht, Wohnort und mehr zu sammeln. So manche App ist noch neugieriger und schnüffelt sexuellen Vorlieben, Familienstand, Bildung oder Einkommen hinterher. All diese Daten werden zentral gesammelt – ein gefundenes Fressen für Geheimdienste, die durch Zusammenarbeit mit den Werbenetzwerken oder Knacken der Datenbanken an die Informationen herankommen. Das Problem ist noch größer geworden, seit die Mehrheit der Apps gratis angeboten wird und sich durch Werbung finanziert. Teilweise bedienen sich Geheimdienste oder Online-Kriminelle sogar direkt an den Knotenpunkten der Internetprovider. iPhone und iPad sind übrigens gleichermaßen betroffen wie Geräte mit Android oder Windows Phone.

Wie bedrohlich ist das alles für mich? Der normale Bürger ist sicherlich kaum im Visier von Geheimdiensten oder Terrorfahndern. Die Vorstellung ist dennoch mehr als unangenehm, dass über die Smartphonenutzung unser komplettes Leben verfolgt werden kann – wo waren wir, was kaufen wir, wen lieben wir, nach was suchen wir im Internet? Wenn Sie sich per App oder im Netz mehrmals über eine bestimmte Krankheit informieren, ist denkbar, dass Sie tatsächlich an dieser Krankheit leiden – erhalten irgendwann auch die Krankenkassen solche Informationen? Die Folgen des Schnüffelns können lästig sein, mit jeder Menge Spam-Mails – oder auch brandgefährlich. Beispielsweise, wenn Sie zum Internet-Einkaufen per App aus Bequemlichkeit das gleiche Passwort wie für Online-Banking oder Mail-Postfach verwenden. Wenn Apps Ihre Daten unverschlüsselt übertragen, kann das Passwort in den Händen von Kriminellen landen, die auf Ihre Kosten einkaufen oder Ihr Konto leerräumen.

Wie kann ich mich schützen? Zunächst einmal: Installieren Sie nicht wahllos Apps. Laden Sie nur Programme, die Sie tatsächlich brauchen – weniger ist mehr! Lesen Sie zuvor die Kommentare anderer Nutzer. Gibt es Hinweise auf Datenschutzprobleme? Wenn Sie die Wahl haben, greifen Sie zu einer bezahlten App für ein paar Cent oder Euro, denn hier steht der Hersteller weniger unter Druck, Ihre Daten gewinnbringend verkaufen zu müssen. Halten Sie Ihre Apps immer aktuell – durch Updates werden oft Sicherheitslücken geschlossen. Vergessen Sie das virtuelle Ausmisten nicht: Apps, die Sie länger nicht benutzt haben, sollten Sie löschen. Bei Android-Handys können Sie genau sehen, welche Zugriffsrechte sich eine App einräumt, die Sie installieren – wenn das Programm zu neugierig ist, verzichten Sie darauf. Auf dem iPhone sehen Sie unter „Einstellungen => Datenschutz“, welche App auf welche Informationen zugreifen darf. Per Schieberegler können Sie die Rechte widerrufen.

Generelle Regel: Kaum eine App hat wirklich Grund, auf Ihre Kontakte oder Ihren Kalender zuzugreifen – mit wenigen Ausnahmen, wie einer Navi-App, bei der Sie die Kontakte als Zieladressen nutzen können. Wenn eine App bei der Installation nach dem Zugriff auf diese Daten fragt, sollten Sie generell ablehnen. Schalten Sie die GPS-Funktion Ihres Smartphones ab, wenn Sie diese nicht brauchen, denn gerade auf Bewegungsdaten sind Schnüffler besonders scharf. Ohne GPS lässt sich auch nicht nachvollziehen, an welchem Ort Sie ein Foto aufgenommen haben. Laden Sie keine Apps aus zweifelhaften Quellen. Und: Machen Sie sich klar, dass schlichtweg alles, was Sie online tun, verfolgt werden kann – egal, ob SMS, E-Mails, Internetseiten, Anrufe, Filme, Bilder, Adressbuch, Termine oder Notizen. Nutzen Sie Smartphone, Tablet oder Computer also mit Sinn und Verstand.

Jörg Heinrich

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