Die Video-App aus China im Fokus

TikTok: Das soziale Netzwerk für Kurzvideos

Das Logo von TikTok ist auf dem Display eines Smartphones zu sehen
+
Das Logo von TikTok auf dem Display eines Smartphones

TikTok ist der Nachfolger der Video-Synchronisations-App Musical.ly. Im Jahr 2020 stand sie aufgrund ihres rasanten weltweiten Wachstums im Fokus. Das Social Network ist Stand Anfang 2021 die größte Video-Plattform in Asien.

  • TikTok basiert auf dem Konzept der App Musical.ly.
  • Die Nutzer zeichnen Videos auf, in denen sie die Lippen zu einem ausgewählten Song bewegen.
  • Die Daten lassen sich mit anderen Usern teilen und mit Hashtags versehen, um innerhalb des Netzwerks gefunden zu werden.

Peking – Im Jahr 2020 erlebte das Social Network TikTok ein rasantes Wachstum. Die Nutzerzahlen stiegen weltweit auf mehr als 800 Millionen. Die App wurde Stand Anfang 2021 über zwei Milliarden Mal im App Store von Apple sowie im Google Play Store heruntergeladen. Kern des sozialen Netzwerks mit Ursprung in China ist das Aufnehmen und Verbreiten von kurzen Videosequenzen. TikTok wird vornehmlich von Personen zwischen 16 und 24 Jahren verwendet.

TikTok: Funktionsweise

Das Social Network TikTok ist ein Videoportal, in dem Nutzer Clips ansehen und selber aufnehmen sowie bearbeiten. So lassen sich Effekte sowie Filter hinzufügen und die Daten im Anschluss öffentlich oder im eigenen, geschlossenen Netzwerk teilen.

Um ein Video zu erstellen, wählt man im ersten Schritt eine Hintergrundmusik oder eine Tonaufnahme aus. Anschließend erfolgt die maximal 60 Sekunden lange Aufnahme mit der Kamera des Mobiltelefons. In der Regel besteht die Aufnahme aus Karaoke zur Hintergrundmusik, Tänzen oder einem kurzen Schauspiel. Die Aufnahme kann wahlweise im Zeitraffer, als Slow-Motion oder mit bis zu fünffacher Geschwindigkeit erfolgen. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, Filter, Effekte und Text hinzuzufügen.

Jedes Video wird unter einem Hashtag gesammelt. Die Beliebtesten erscheinen auf der Startseite der App beziehungsweise der Website.

Nach der Registrierung werden dem Nutzer zunächst die populärsten Clips angezeigt. Folgt man Accounts und interagiert mit diesen, zum Beispiel in Form von „Likes“ oder indem man das Video teilt, wird der sogenannte Feed, der Startbildschirm, im Laufe der Zeit zunehmend personalisiert.

TikTok: Hintergründe und Geschichte

Das Prinzip von TikTok basiert auf dem ehemaligen Social Network Musical.ly. Dessen hauptsächliche Funktion war es, zu Videos die Lippen zu bewegen und zu tanzen. Auch Zeitraffer und verschiedene Aufnahmegeschwindigkeiten waren im Vorgänger enthalten. Die als „Muser“ bezeichneten Nutzer teilten ihre Werke innerhalb der App oder in anderen sozialen Medien.

Musical.ly wurde 2014 ins Leben gerufen. Im August 2016 zählte das Social Network weltweit rund 140 Millionen Nutzer. 2017 wurde es vom Unternehmen ByteDance mit Sitz in Peking aufgekauft. ByteDance hatte mit Douyin zu diesem Zeitpunkt in China eine App mit ähnlichem Prinzip auf dem Markt. Seit August 2018 ist Musical.ly Geschichte: Die Nutzer wurden in die TikTok-Plattform übernommen und diese damit der Nachfolger der Synchronisations- und Tanz-App. Das Design des Programms glich man an das der bestehenden Video-Plattform Douyin an.

TikTok: Wachstum bis 2020

Nach der Fusion wuchs TikTok schnell. Für das Jahr 2018 berichtete das Finanzportal Bloomberg über einen Umsatz von 7,4 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr darauf betrug er demnach rund 17 Milliarden US-Dollar.

Im September 2020 veröffentliche das Social Network erstmals weltweite Nutzerzahlen. Der Großteil der 800 Millionen aktiven User stammt aus dem Mutterland China. Dort zählt man rund 500 Millionen, in Europa sind es circa 100 Millionen, in den USA 30 Millionen. Dazu kommen User aus weiteren asiatischen Ländern sowie aus Ozeanien und Afrika.

TikTok: Kritik und Sperrungen

Bereits die Vorgänger-App Musical.ly stand im Ruf, Pädophile anzuziehen. Rechtliche Bedenken hinsichtlich des Nachfolgers TikTok äußerte als erstes Land im Juli 2018 Indonesien. Aufgrund angeblicher pornografischer und blasphemischer Inhalte sperrte die Regierung die App. In der Folge implementierten die TikTok-Macher eine Reihe von Änderungen, sodass eine Woche später die Entsperrung erfolgte.

Im Juli 2020 ließ der amtierende US-Präsident Donald Trump eine Sperrung des Social Network in den USA prüfen. Er führte unter anderem das Argument ins Feld, die Plattform sammele Nutzerdaten von US-Amerikanern, mit dem Ziel, sie auszuspionieren. Im August 2020 entschied ein Gericht, die Sperrung sei unzulässig.

Ab Oktober 2020 verbot Pakistan die TikTok-App mit der Begründung, sie würde unmoralische und unanständige Inhalte verbreiten.

TikTok: Umgang mit bestimmten Inhalten

Negative Stimmen zu TikTok gibt es auch hinsichtlich des Jugend- und Datenschutzes. Kritiker werfen dem Social Network vor, diesen für die überwiegend junge Zielgruppe nicht ausreichend zu betreiben. Anfang 2019 wurde TikTok in den USA aus diesen Gründen zur Zahlung von 5,7 Millionen US-Dollar Strafe verurteilt. Seit April 2020 erlaubt die Plattform das Versenden und Empfangen von Nachrichten nur noch Nutzern über 16 Jahre.

Ins Gespräch kam TikTok in der Vergangenheit aufgrund zensierter Inhalte. Die Plattform behält sich vor, Datensätze zu entfernen, sofern dies im Interesse der chinesischen Regierung ist. Unerwünscht sind etwa Themen rund um Glaubens-, ethische oder politische Konflikte, Nacktheit, Alkoholkonsum und Homosexualität.

TikTok: Funktionen der App

Die Grundfunktion der TikTok-App umfasst das Aufnehmen, Bearbeiten, Hochladen und Anschauen von bis zu 60 Sekunden langen Videosequenzen. Um Inhalte anzuschauen, ist kein Account notwendig. Videos selber zu erstellen erfordert eine Anmeldung. Als erster Schritt wird der Nutzer aufgefordert, aus 15 vorgegebenen Interessen eine beliebige Anzahl auszuwählen.

Innerhalb der App lässt sich eine Vielzahl an Funktionen ausführen:

  • Videos liken, teilen und kommentieren
  • Profile anzeigen lassen inklusive aller Videos
  • Profilen folgen
  • Nachrichten versenden (für User ab 16 Jahren)

TikTok: Optionen für die Videoaufnahme

Im Aufnahmebereich stehen Optionen zur Verfügung, mit denen sich die Videos modifizieren lassen:

  • Kamera von Rück auf Front wechseln
  • Geschwindigkeit anpassen
  • Beauty-Effekte einblenden
  • Filter verwenden
  • Aufnahmezeit bestimmen
  • Blitz ein- und ausschalten
  • Effekte verwenden
  • Video hochladen
  • Filter verwenden
  • Aufnahmezeit bestimmen
  • Blitz ein- und ausschalten
  • Effekte verwenden
  • Video hochladen
  • MV-Funktion für Aufruf eines Diashow-Templates

Öffnet man die Video-Funktion zum Erstellen, kann der Sound nachträglich hinzugefügt werden. Ein anderer Weg zur Aufnahmefunktion führt über die Vorauswahl des Sounds. Sie werden von TikTok in verschiedenen Kategorien zur Verfügung gestellt oder vom Nutzer selbst erstellt.

Im Zuge der Veröffentlichung stehen verschiedene Optionen zur Auswahl:

  • Wer kann das Video sehen: Freigabe im kompletten TikTok-Netzwerk (öffentlich) oder für ausgewählte Personen
  • Kommentare erlauben: Kommentarfunktion freischalten oder sperren
  • Duett erlauben: automatischer Link auf ein Video eines Duett-Partners
  • Auf Gerät speichern: Video automatisch im Speicher des Endgeräts ablegen

Für die Videobeschreibung können Hashtags vergeben oder Freunde markiert werden.

TikTok: Hashtag Challenges

Zu den beliebtesten Funktionen von TikTok zählen die Hashtag Challenges. Ein User ruft eine bestimmte Aufgabe auf, bei der andere mitmachen und das Ergebnis unter dem dazugehörigen Hashtag posten. Die Challenges haben sich zu einem Trend entwickelt und werden zunehmend von Marken und Unternehmen als Marketingmittel entdeckt.

Zu den erfolgreichsten Challenges zählten im Jahr 2020 die folgenden:

  • probierwasgeht von Congstar mit 606 Millionen Aufrufen
  • dothecolonel von KFC & Butter mit 425 Millionen Aufrufen
  • machdichzumotto von Otto mit 216 Millionen Aufrufen
  • dancefordata von Congstar mit 208 Millionen Aufrufen
  • pulverdichauf von Ahoj Brause mit 130 Millionen Aufrufen
  • gönndirpsmart von Huawei mit 84 Millionen Aufrufen

TikTok: Trends und Stars des sozialen Netzwerks

TikTok war im Jahr 2020 eines der am stärksten wachsenden Social Networks der Welt und hat sich zu einer beliebten Plattform für Influencer und Social-Media-Stars entwickelt. In der Folge prägten einige der aktivsten Nutzer zahlreiche Trends. Zu den Accounts mit den meisten Followern gehörten Ende 2020 die folgenden:

  • Sängerin und Influencerin Charli D‘Amerlio: 102,2 Millionen
  • Influencerin, Tänzerin und Schauspielerin Addison Rae: 70,9 Millionen
  • Schauspieler und YouTuber Zach King: 53,2 Millionen
  • Sängerin und Influencerin Loren Gray: 49,9 Millionen
  • YouTuber Spencer Polanco Knight: 49,6 Millionen

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare