Die Quasselbude des Internets

Twitter: Kleiner Tweet, große Wirkung im Kurznachrichtendienst

Die Twitter-App ist auf dem Bildschirm eines Smartphones zu sehen
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Der Bekanntheitsgrad von Twitter stieg in den letzten Jahren stark an

Twitter ist ein Social Network, das sich selbst als Kurznachrichtendienst bezeichnet: Alle Mitteilungen, sogenannte Tweets, sind maximal 280 Zeichen lang und können über Hashtags mit der ganzen Welt geteilt werden.

  • Twitter wurde 2006 in den USA gegründet.
  • 2018 zählte das Social Network monatlich 321 Millionen aktive Nutzer.
  • In den letzten Jahren geriet Twitter zunehmend aufgrund der steigenden Zahl der „Shitstorms“ in die Kritik.

San Francisco – Twitter gibt es zwar schon länger, doch der Bekanntheitsgrad des Social Network stieg in den letzten Jahren rasant. Nicht zuletzt, weil es die beliebteste Kommunikationsform des 45. US-Präsidenten Donald Trump war – zumindest bis zur Sperrung seines Kontos. Doch Trump war nur eines der vielen Beispiele dafür, wie rasant sich über Twitter die unterschiedlichsten Nachrichten verbreiten und oft genug für Aufruhr sorgen können.

Twitter: Die Anfänge als Kurznachrichtendienst

Twitter wird manchmal als zweites Social Network nach Facebook bezeichnet. Tatsächlich unterscheiden sich beide jedoch enorm. Inspiriert wurde der Gründer und heutige CEO Jack Dorsey von den Anfang des neuen Jahrtausends noch weit verbreiteten SMS. Wie praktisch wäre es, dachte er, wenn sich eine SMS gleichzeitig an mehrere Leute verschicken ließe? Die Idee für einen neuen Kurznachrichtendienst online war geboren. Der Name Twitter stand schon früh fest: Das Wort bezeichnet das Gezwitscher eines Vogels und im übertragenen Sinne jede harmlose schnell hingeworfene Äußerung. Weil die Domain twitter.com bereits vergeben war, nannte Dorsey seinen Dienst zunächst Twttr, ehe er die Domain sechs Monate später doch erwarb.

Der erste von Jack Dorsey und seinem Team entworfene Prototyp von Twitter wurde zunächst als interner Kurznachrichtendienst bei seiner Firma Odeo getestet. Am 15. Juli 2006 erfolgte die Veröffentlichung der vollständigen Version. Drei Monate später gründeten die Entwickler die eigene Firma Obvious Corporation und erwarben sowohl Odeo.com als auch Twitter.com.

Twitter: Durchbruch und rasante Entwicklung

2007 wurde Twitter beim jährlichen South by Southwest Festival in Texas vorgestellt und fand direkt großen Zuspruch: Die Zahl der täglichen Tweets verdreifachte sich von 20.000 auf 60.000. Danach war das Social Network nicht mehr aufzuhalten: Zählte es 2007 noch 400.000 Tweets in einem Quartal, waren es ein Jahr später schon 100 Millionen Tweets im Quartal.

Menschen aus aller Welt nutzten die neue Kommunikationsform. Kurznachrichten waren zu diesem Zeitpunkt noch auf eine Zeichenanzahl von 140 begrenzt. Während der Fußball-WM 2010 setzten Fans 2.940 Tweets pro Sekunde ab. Der Rekord wurde 2013 locker gebrochen, als japanische Nutzer während einer Ausstrahlung des Anime-Films „Castle in the Sky“ im Fernsehen 143.199 Tweets pro Sekunde absetzten. Auch die Zahl der Nutzer stieg unaufhörlich weiter: Zwischen 2010 und 2011 verdoppelte sie sich von 100 auf 200 Millionen. Heute liegt die Zahl bei etwa 330 Millionen Usern, wobei unklar ist, wie viele das Social Network und seine Funktionen aktiv nutzen.

Twitter wird erwachsen

2011 präsentierte Twitter eine stark überarbeitete Website. Auch das Twitter-Logo, offiziell als Larry the Bird bekannt, erhielt ein neues Aussehen. In den folgenden Jahren erwarb das Unternehmen zahlreiche weitere Firmen zur besseren Monetisierung der Seite. Einer Revolution gleich kam die Entscheidung, die Zeichenanzahl von 140 auf 280 zu verdoppeln.

In den Anfangsjahren wurde Twitter häufig als Microblogging-Website bezeichnet, weil eine relativ geringe Anzahl Nutzer den größten Teil der Beiträge verfasste. Mittlerweile hat es sich jedoch zu einem echten Social Network entwickelt, in dem Nutzer einander folgen, Gruppen anlegen und private Nachrichten schicken können.

Anders als die meisten Tech-Firmen hat Twitter keine Niederlassung im Silicon Valley. Die Zentrale befindet sich in einem historischen Art-déco-Gebäude im Herzen von San Francisco am Market Square.

Twitter: Die wichtigsten Funktionen

Jeder Nutzer kann nach seiner Anmeldung bei Twitter anderen Nutzern folgen und ist dann ein Follower. Gerade für Stars und Prominente ist die Zahl der Follower im Social Network ein Indikator für ihre Beliebtheit.

Zu den wichtigsten Funktionen bei der Nutzung von Twitter gehören zwei Sonderzeichen: Das Hashtag (#) und das At-Zeichen (@). Hashtags sind unverzichtbar zur Beteiligung an Diskussionen. Alle Beiträge, die mit einem bestimmten Hashtag markiert sind, werden zusammen gruppiert.

Das At-Zeichen wird eingesetzt, um andere Nutzer im eigenen Beitrag zu erwähnen, das heißt zu taggen. Oft werden Stars und Unternehmen getagged. Dies kann mal freundlich sein, zum Beispiel, um einem Künstler für ein tolles Konzert zu danken. Deutlich häufiger jedoch sind Beschwerden. Die meisten Unternehmen beschäftigen heute einen hauptberuflichen Social-Media-Manager, der auf Beschwerden und Anfragen der Follower in den Sozialen Netzwerken eingeht und das Unternehmen dort bewirbt.

Weitere Funktionen

Zur besseren Organisation der eigenen Timeline und zur direkten Kommunikation bietet Twitter eine Reihe weiterer Funktionen:

  • Tweets anderer Personen können retweetet und damit für die eigenen Follower sichtbar gemacht werden.
  • Zu jedem Tweet kann durch Anklicken des Herz-Symbols Zustimmung signalisiert werden.
  • Unter jedem Tweet kann ein Kommentar hinterlassen werden.
  • Mithilfe von Listen können die Personen, denen ein Nutzer folgt, unterteilt werden, zum Beispiel nach persönlichen Bekannten, Stars, Nachrichtenportalen usw.
  • Mit Lesezeichen lassen sich Tweets und Diskussionen besser archivieren.
  • Die Funktion „Moments“ erlaubt es, Tweets zu bestimmten Anlässen zu gruppieren, zum Beispiel die Tweets aller Nutzer, die den Gewinn der Meisterschaft des eigenen Teams feierten.
  • Die Direktnachrichtenfunktion erlaubt es, anderen Nutzern eine private Nachricht zu senden (sofern der Nutzer diese Funktion bei sich aktiviert hat).
  • Nutzer können auch Gruppen zum Austausch per Direktnachtrichten gründen.

Gut zu wissen: In den Anfangsjahren gab es im Social Network Ärger mit Nutzern, die sich als bestimmte Stars oder Politiker ausgaben. Seither werden verifizierte Accounts von bekannten Persönlichkeiten mit einem weißen Häkchen auf blauem Grund markiert.

Twitter: Interessante Fakten

Wer nutzt das Social Network und wie? Hier sind einige der interessantesten Fakten rund um Twitter aus dem Jahr 2019:

  • Gesamtzahl der Nutzer: 330 Millionen
  • Zahl der täglich aktiven Nutzer: 145 Millionen
  • Zahl der täglich gesendeten Tweets: 500 Millionen
  • 63 % der Twitter-Nutzer sind zwischen 35 und 65 Jahre alt
  • 66 % der Twitter-Nutzer sind männlich, 33 % sind weiblich

Twitter: Die beliebtesten Stars

Wenig verwunderlich: Bekannte Stars scharen die meisten Follower um sich. An der Spitze steht jedoch kein Popstar, sondern ein Politiker. Die Top Five der Accounts mit den meisten Followern:

  • Barack Obama (118 Mio.)
  • Justin Bieber (114 Mio.)
  • Katy Perry (109 Mio.)
  • Rihanna (100 Mio.)
  • Cristiano Ronaldo (90 Mio.)

An sechster Stelle stand bis zu seiner Verbannung von Twitter der 45. US-Präsident Donald Trump mit 88 Mio. Followern. Sein Platz wurde von Sängerin Taylor Swift eingenommen, die ebenfalls 88 Mio. Follower zählt.

In Deutschland ist das Interesse an Stars aus Film und Fernsehen wesentlich geringer, hier dominiert König Fußball. Die fünf beliebtesten deutschen Twitter-Accounts gehören:

  • Toni Kroos (8,7 Mio.)
  • FC Bayern München (5,26 Mio.)
  • Bastian Schweinsteiger (4,99 Mio.)
  • Heidi Klum (4,98 Mio.)
  • Thomas Müller (4,37 Mio.)

Twitter: Kritik und Shitstorms

Um Twitter gibt es weit weniger Kontroversen als beispielsweise um Facebook, da Twitter-Nutzer kaum persönliche Daten von sich teilen. Vielfach wird das Social Network für seine Schnelligkeit gelobt, mit der es Menschen oft als erste über aktuelle Geschehnisse in der Welt informieren kann. Allerdings wird kritisiert, dass sich dadurch Gerüchte und Spekulationen in Windeseile verbreiten können. Auch Vorfälle von rassistischer und sexistischer Hetze sind bei Twitter üblich. Mittlerweile zeichnet das Unternehmen Tweets mit fragwürdigen Aussagen mit einem Warnhinweis aus oder sperrt Konten ganz.

Berüchtigt ist Twitter auch für die sogenannten Shitstorms. Oft ziehen sich Unternehmen den Unmut der Nutzer durch Werbung zu, die als sexistisch oder rassistisch empfunden wird, oder durch andere fragwürdige Entscheidungen. Doch auch einzelne Nutzer finden sich regelmäßig im Zentrum eines Shitstorms wieder, wenn eine – oft unbedacht getätigte – Aussage auf Missfallen trifft. Dann wird das Social Network des 21. Jahrhunderts schnell zu einem mittelalterlichen Marktplatz, auf dem die Bürger mit Mistgabeln auf Hexenjagd gehen.

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