Der große tz-Ratgeber:

Urlaub ohne Roaming-Horror: Günstig surfen und telefonieren

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Wer ein paar Regeln beachtet, kann im Urlaub sein Handy beruhigt nutzen.

München - Nachdem die EU mehrfach einknickte, soll das Roaming nun voraussichtlich zum 15. Juni 2017 endgültig wegfallen. Heuer müssen Sie aber noch zahlen. Die tz verrät, wie teuer es in diesem Sommerurlaub wird – und wie Sie sich vor Wucherpreisen schützen.

Roaming – und (fast) kein Ende. Seit Jahren ist die Abschaffung der sündteuren Gebühren fürs Telefonieren und Surfen innerhalb der EU im Gespräch. Doch bisher konnte die Telekom-Lobby ihre Milliarden-Einnahmen erfolgreich verteidigen. So telefonieren und surfen Sie günstig:

Was kosten Telefonieren und Surfen in der EU in diesem Sommer?

Derzeit gelten folgende maximale Preise, die die Provider meist auch ausschöpfen.

  • Eigene Anrufe innerhalb der EU: 22,6 Cent pro Minute
  • Wenn Sie angerufen werden: 6 Cent pro Minute (plus die Gebühren des Anrufers)
  • SMS: 7,1 Cent
  • Internet-Daten: 23,8 Cent pro Megabyte (MB)

Besonders gefährlich sind die Kosten fürs Internetsurfen. Schon eine einzige Seite kann ein MB verbrauchen, und ein YouTube-Musikvideo gut und gerne 30 MB – das macht dann 7,14 Euro. Für die 500 MB, die Sie zuhause per Flatrate versurfen, zahlen Sie in Spanien oder Italien also stolze 119 Euro. Immerhin: Wenn Ihre Roamingkosten 59,50 Euro überschreiten, bekommen Sie per SMS eine Warnung – diesen Kostenairbag sollten Sie keinesfalls ignorieren.

Wie teuer ist es außerhalb der EU?

In Thailand oder den USA, oft aber auch in der Türkei oder der Schweiz, drohen nach wie vor Horror-Rechnungen, denn hier existieren keine gesetzlichen Kostengrenzen. Die Provider teilen die Welt in Ländergruppen ein, zum Beispiel von 1 bis 4 – je höher, desto teurer. Wenn Sie nicht aufpassen, zahlen Sie für 150 MB Internet-Daten aus Ländern wie Kenia, Mexiko, Russland, Sri Lanka (oder auch von Kreuzfahrtschiffen) 3000 Euro und mehr! 24,13 Euro pro MB verlangt beispielsweise Vodafone für diese Internet-Verbindungen. Das macht 723,90 Euro für das zuvor angesprochene YouTube-Video. Preise zum Gruseln! Telefonieren kostet bei der Telekom aus „Ländergruppe 3“ (z.B. Malediven, Thailand) 2,99 Euro pro Minute. Vodafone verlangt in „Welt 2“ (z.B. Kuba, Mexiko, Philippinen) 6,09 Euro pro Minute.

Wie kann ich sparen?

Erkundigen Sie sich bereits zuhause per Internet oder Hotline, was Telefonieren und Surfen an Ihrem Urlaubsort kosten. Alle Provider bieten Auslandspakete an, die zwar auch nicht billig sind, mit denen Sie aber notfalls kurz telefonieren oder surfen können – zum Beispiel für einen Blick aufs Online-Konto. Bei der Telekom zahlen Sie weltweit 2,95 Euro für einen Tagespass mit 50 MB, bei O2 sind es 1,99 Euro. Zum Vergleich: Ohne diesen Pass wären innerhalb der EU 11,90 Euro fällig. Wenn Sie Ihre heimischen Flatrates auch im EU-Ausland nutzen wollen, zahlen Sie bei der Telekom (Option „All inclusive 1“) 19,95 Euro im Monat, und bei Vodafone („EasyTravel Tag“) 2,99 Euro am Tag. Bei E-Plus bekommen Sie auf Wunsch 10 MB innerhalb der EU gratis. Solche Pässe buchen Sie online oder per SMS – entweder noch zuhause, oder im Ausland, sofort, nachdem Sie das Datenroaming aktiviert haben.

Was muss ich unbedingt vermeiden?

Schalten Sie niemals am Zielflughafen einfach das Datenroaming ein – und surfen ohne gebuchtes Auslandspaket drauflos. Wenn das Smartphone im Hintergrund Daten lädt, ist das Limit von 59,50 Euro, bei dem Sie eine Warn-SMS bekommen, oft binnen weniger Augenblicke erreicht. Vergewissern Sie sich noch zuhause, dass das Roaming abgeschaltet ist. Beim iPhone finden Sie die Option „Datenroaming“ unter Einstellungen => Mobiles Netz, bei Android meist unter Einstellungen => Drahtlos und Netzwerke => Mobile Netzwerke.

Wie surfe ich garantiert ohne Kostenangst?

Lassen Sie das Datenroaming grundsätzlich abgeschaltet und surfen Sie nur per WLAN, zum Beispiel im Hotel oder in Internet-Cafés. Aber Achtung: Wie gut diese Leitungen abgesichert sind, können Sie nicht kontrollieren. Sensible Daten wie Online-Banking oder die Eingabe des Passworts für Ihre E-Mail sind in solchen Netzen tabu.

Lohnt sich eine örtliche SIM-Karte?

Auf jeden Fall. Wenn Sie im Urlaub viel telefonieren oder surfen wollen, sollten Sie sich vor Ort eine Telefonkarte eines dortigen Providers kaufen, zum Beispiel mit 1 Gigabyte (GB) Datenvolumen und mit Freiminuten/SMS. So eine Karte bekommen Sie je nach Land schon für 10 bis 15 Euro. Dann sind Sie jedes Kostenrisiko los und zahlen die lokalen Preise. Nachteil: Unter Ihrer gewohnten Telefonnummer sind Sie damit nicht mehr erreichbar. Geben Sie den Lieben zuhause Ihre Urlaubsnummer!

Woran muss ich noch denken?

Laden Sie sich schon zuhause die Apps, die Sie im Urlaub vielleicht brauchen – Stadtpläne und Landkarten, ÖPNV-Netze, Übersetzungsprogramme oder Reiseführer. Dabei sollten Sie Apps aussuchen, die offline funktionieren, also beispielsweise Stadtpläne, die keinen Internetzugriff mehr verlangen. Und, heutzutage ganz wichtig: Wenn Sie im Urlaub Musik hören wollen, laden Sie bei Ihrem Streaminganbieter wie Spotify oder Apple Music vorab Ihre Lieblings-Songs offline aufs Handy. Bei Spotify können Sie 3.000 Titel abspeichern, die dann ohne Internetzugriff laufen. Bei Apple Music ist die Menge unbegrenzt.

Wichtige Adressen

Auf diesen Seiten können Sie sich über die Auslandstarife Ihres Providers informieren und vergünstigte Urlaubspakete buchen.

Telekom: bit.ly/1lzod8U

Vodafone: bit.ly/1hapOj2

O2: bit.ly/17uAZVl

E-Plus: bit.ly/1GBPtwq

Bei holidayphone.de oder simlystore.de können Sie schon von Deutschland aus örtliche SIM-Karten kaufen, mit denen Sie dann im Urlaub günstig surfen und telefonieren.

Jörg Heinrich

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