Messengerdienst will „Milliarden neue Nutzer“

WhatsApp-Konkurrent Telegram bald nicht mehr kostenlos - Gründer kündigt an, wofür man zahlen muss

Zu sehen ist ein Handy mit drei Messenger-Apps: Ganz links Whatsapp, in der Mitte Signal und rechts Telegram
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Messenger: WhatsApp, Signal und Telegram sind drei der beliebtesten.

Bisher war Whatsapp-Konkurrent Telegram völlig kostenlos. Das wird sich bald ändern, wie Gründer Pawekl Durow nun bekannt gab. Einige Funktionen kosten künftig Geld.

München - Zur Kasse, bitte! Was bislang völlig gratis war, kostet nun (teilweise) Geld: WhatsApp-Konkurrent Telegram will sich monetarisieren. Doch den Usern muss nicht bange werden: Der beliebte Nachrichtendienst will ausschließlich für neue Funktionen kassieren. Alles, was bisher bei Telegram kostenlos war, soll dies auch weiterhin bleiben, macht Gründer Pawel Durow am Mittwoch über seinen Telegram-Kanal klar. Die Mehrheit der Nutzer dürfte „praktisch keine Veränderung bemerken.“

Telegram-Gründer Durow: „Wir werden nicht wie Whatsapp ...“

Trotzdem brauche Telegram, das aktuell von etwa 400 Millionen aktiven Nutzern (laut Eigenangabe im April) verwendet wird, angesichts des schnellen Wachstums ein Bezahlmodell. Bislang hatte Durow es seit seiner Gründung vor sieben Jahren selbst finanziert. Er hat mit Telegram Großes vor: „Die Welt braucht Telegram, um unabhängig zu bleiben.“ Für dies braucht es ab dem kommenden Jahr Einnahmen. „Wir werden unzählige neue Funktionen einführen und Milliarden neue Nutzer begrüßen.“

Einen Schritt will Durow unbedingt vermeiden: „Wir werden das Unternehmen nicht wie die Gründer von WhatsApp verkaufen.“ Die beiden WhatsApp-Gründer Jan Koum und Brian Acton verkauften ihre Firma 2013 an Facebook.

Auch Werbung sei für Durow keine Option - etwa Anzeigen, die zwischen Nachrichten aufploppen könnten. „Die Kommunikation zwischen Menschen sollte frei von Werbung jeglicher Art sein“, so Durow.

Hochpolitischer Messenger: Starke Verschlüsselung bei Telegram

Laut Durow sind die One-to-Many-Kanäle, bei denen man Personen oder Unternehmen abonnieren kann, besonders beliebt. Dort will er eine eigene Werbeplattform einführen, „die benutzerfreundlich ist, die Privatsphäre respektiert und uns erlaubt, die Kosten für Server und Traffic zu decken.“ Auch Premium-Sticker mit „zusätzlichen expressiven Funktionen“ seien eine Möglichkeit der Monetarisierung. Er denkt noch weiter: „Die Künstler, die Sticker dieser neuen Art machen, werden auch einen Teil des Gewinns bekommen.“

Telegram hat eine sehr politische Komponente. Wegen der Verschlüsselung ist der Dienst bei oppositionellen Kräften in totalitär regierten Ländern beliebt, aber auch bei sogenannten „Querdenkern“ in Deutschland wie Attila Hildmann. Der in Sankt Petersburg geborene Durow selbst lebt aus Angst vor politischer Verfolgung nicht mehr in Russland. Durow ist auch Gründer von VKontakte, dem Pendant zu Facebook in seiner Heimat Russland.

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