Was Eltern tun können

YouNow: Was macht diese neue Website so gefährlich?

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YouNow, hier in der App-Version, birgt Risiken.

München - YouNow ist die umstrittenste Website des Jahres 2015. Die tz verrät, was hinter dem neuen Phänomen steckt und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Sie ist die umstrittenste Website des Jahres 2015: YouNow – eine Seite, auf der die meist jungen Nutzer quasi ihr Leben live per Kamera ins Internet übertragen. Livestreams aus dem Kinderzimmer, Zwölfjährige posieren für andere Nutzer, die womöglich deutlich älter sind – und die Eltern ahnen oft nichts davon. Die tz verrät, was hinter dem neuen Phänomen steckt.

Wo kommt YouNow her?

Das Unternehmen wurde 2011 in New York gegründet. Aber erst Ende letzten Jahres stieg YouNow (Motto: „Stell dich dar!“) auch bei uns zur neuen Lieblingsseite von Kindern und Jugendlichen auf. Zuletzt wuchs die Zahl der deutschsprachigen Nutzer binnen zwei Monaten um 250 Prozent. Facebook ist out, seit dort auch Eltern und Großeltern unterwegs sind, YouNow ist in. Denn dort sind die Kids noch unter sich – glauben sie zumindest. YouNow ist gratis, nur virtuelle Geschenke, die die Nutzer in den Ranglisten steigen lassen, kosten Geld.

Wie funktioniert YouNow?

Die Anmeldung unter younow.com oder per YouNow-App ist kinderleicht. Die Login-Daten von Facebook, Twitter oder Google+ genügen. Das soll den Einstieg so einfach wie möglich machen. Mit jeder denkbaren Kamera, egal ob Smartphone, Notebook oder Webcam, lassen sich die Livebilder online stellen. Stundenlange Übertragungen aus dem Kinderzimmer sind üblich. Die Mitglieder können sich gegenseitig sehen, miteinander chatten und sich bewerten. Das fördert die Lust zur Selbstdarstellung und das Mobbing, das auf YouNow allgegenwärtig ist – beispielsweise, wenn ein Mädchen nicht so schlank ist wie heute erforderlich.

Wer kontrolliert die Inhalte?

Eine Kontrolle findet nur sehr eingeschränkt statt. Mitglieder können jugendgefährdende Videos beim Betreiber melden. Doch bei Millionen von Streams ist kaum zu überprüfen, ob Inhalte anstößig sind – und ob die Kinder das (theoretische) Alterslimit von 13 Jahren einhalten, das bei der Anmeldung nicht kontrolliert wird. Und so können ältere Herren anonym Zwölfjährige dazu auffordern, aufreizend zu posieren. Zur Belohnung gibt es virtuelle Herzchen. Die Kinder wollen womöglich in den YouNow-Charts steigen und machen mit. Besonders bedenklich: Wer nur anonym gucken will, muss sich nicht einmal anmelden. Kein Wunder, dass YouNow als Tummelplatz für Pädophile gilt.

Was sagen Experten?

Das Bundesfamilienministerium hält „Kommunikationsangebote wie YouNow für hoch problematisch und nicht geeignet für Kinder“. Die niedersächsische Landesmedienanstalt zitiert aus dem YouNow-Alltag, in dem 13-Jährige aufgefordert werden: „Zeig mal deinen BH!“ Als Lieblingsfrage vieler Nutzer wird in dieser Untersuchung genannt: „Sind deine Eltern nicht zu Hause?“

Was können Eltern tun?

Zunächst einmal mit ihren Kindern sprechen und sie über die Gefahren aufklären. Wenn Eltern die YouNow-Nutzung erlauben, sollten sie zumindest klare Regeln aufstellen. Wie lange dürfen die Kinder online sein? Erklären Sie Ihren Kindern, dass sie fragwürde Mitglieder blockieren oder sich an einen YouNow-Moderator wenden können. Weitere wichtige Regel: Die Kinder sollen weder ihren echten Namen noch ihr Alter, ihre Adresse oder ihre Telefonnummer nennen. Wenn das nicht funktioniert, können Sie den Zugriff auf YouNow im Menü Ihres Routers beschränken und den Spuk damit beenden. Sperren Sie die Nutzung von younow.com ganz oder teilweise, damit ist die Seite im WLAN blockiert. Dann können die Kids noch übers Mobilfunknetz auf die Seite. Aber weil die Videos enorm viel Datenmenge schlucken, dürfte die Flatrate schnell erschöpft sein.

Jörg Heinrich

Drei App-Alternativen zu YouNow

Hangouts: Mit Google Hangouts können Ihre Kinder mit Freunden videochatten – ohne vor Spannern Angst haben zu müssen. (Für iOS und Android, gratis)

Togethera: Eine Art Facebook nur für die eigene Familie und Freunde. Hier teilen Sie und Ihre Kinder Fotos, Videos und Nachrichten in einer sicheren Umgebung. (Für iOS und Android, gratis)

Twitch: Hier übertragen die Mitglieder die Videospiele live, die sie gerade zocken – und chatten dazu. Sehr beliebt und in Sachen Jugendschutz deutlich unbedenklicher als YouNow. (Für iOS und Android, gratis)

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