Besuch bei einem Seminar für leidenschaftliche Individualisten

Wir basteln uns Ski

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Am Nachmittag des ersten Kurstages steht das Laminieren an. Die Seminarteilnehmer Peter (links) und Gregor streichen die Ski mit Kunstharz ein.

Dicke Flocken tanzen über der Straße Richtung Oberammergau, die kleine Hinweistafel mit der Aufschrift „Skibuilding“ ist kaum zu sehen. Der Wegweiser führt zu einem Bauernhof in Gschwendt, dessen Kuhstall zu einer Werkstatt umfunktioniert wurde.

Wo früher Rindviecher gemolken wurden, soll man beim Skibauseminar seine eigenen Bretter basteln können.

Bis alle Teilnehmer eintrudeln, erzählt Kursleiter Andreas Fehlau, wie er vor fünf Jahren dazu kam. „Mir sind meine Ski gestohlen worden“, beginnt der Oberbayer. Die Ski, die er sich daraufhin kaufte, seien miserabel gewesen. Das nächste Paar war „richtig gut“. Warum taugt der eine Ski etwas und der andere nichts? Diese Frage trieb den Softwareprojektleiter um.

Und weil er ein Tüftler ist, sägte Andreas verschiedene Modelle auf und begann schließlich selbst, erste Prototypen zu bauen. „Irgendwann merkst du, auf was es ankommt.“ Andreas verspricht den Teilnehmern, dass sie morgen Ski in der Hand halten werden, die vielleicht nicht ganz perfekt aussehen, im Schnee aber richtig Freude bereiten werden. „Weil sie voll auf eure Bedürfnisse abgestimmt sind.“

Andreas teilt die Schnittmuster aus, die er vorgezeichnet hat. Größe, Körpergewicht, skifahrerisches Können, Einsatzgebiet, großer oder kleiner Radius, positive oder negative Vorspannung – all das war auf dem Anmeldeformular abgefragt worden. An einer Werkbank klebt Teilnehmer Jakob sein Schnittmuster auf eine Pressspanplatte. Seine Bretter werden unter der Bindung 16 Zentimeter breit sein und damit Wasserskimaße haben. „Normale Ski“, rechtfertigt der Steirer die Extravaganz, „habe ich schon genug“. Mit der Stichsäge muss die spätere Skiform aus der dünnen Spannplatte ausgesägt werden. Als Nächstes nimmt sich jeder ein paar schwarze Streifen – Sinterbelag aus dem Rennsport! Beim Belagausschneiden und Kantenfixieren wird die endgültige Form der Ski festgelegt.

Und das Design? Einer will die vom Opa geerbten Taschentücher auf seinen Ski verewigen. Ein anderer kramt einen Damenschlüpfer als Dekomaterial hervor… Mit Elektrohobeln werden die Eschekerne bearbeitet. „Etwas Besseres als Eschenholz gibt es im Skibau nicht“, erklärt Andreas. Titanal oder Carbon – das klinge alles wunderbar, sei aber letztlich nur Marketing-Trara der Skiindustrie.

Es ist schon später Nachmittag Nachmittag, als sich die Skibauer ans Laminieren machen: den Belag mit Kunstharz einstreichen, Glasfasergewebe darauflegen und wieder Harz daraufstreichen. Als Nächstes kommt der Eschekern, auf dem ebenfalls Epoxydharz verstrichen wird, danach erneut Glasfasergewebe, wieder Harz und dann das Holzfurnier.

Anschließend kommen die Rohlinge in einen Vakuumplastiksack. Ein Ventil wird angebracht und mithilfe eines kleinen Kompressors Unterdruck erzeugt. Es knistert, als sich die Ski in die Form schmiegen. Und ab damit in die selbst gezimmerte Wärmekammer. Feierabend. Es gibt Wiener Schnitzel im Gasthof Zum Weißen Roß.

Am nächsten Morgen ist der Himmel blau. Aber nicht der Berg, sondern die Werkstatt ruft. Die vakuumierten Ski haben in der Wärmekammer bei 50 Grad Celsius die Nacht verbracht. Jetzt müssen die Ski mit der Stichsäge exakt ausgesägt und die Seitenwangen geschliffen werden. Die Feinarbeit zieht sich. Endlich ist es so weit! Die Kursteilnehmer strahlen glückselig, auch wenn die eine oder andere Kante einen kleinen Buckel hat. „Passt schon“, beruhigtAndreas.„Dasmerkst du im Tiefschnee nicht.“

Klaus wird der Erste sein, der schon wenige Tage später sein Modell „Made in Gschwendt“ im Schnee testet. Per Rundmail informiert der Buckelpisten- Freak seine Kurskollegen: „Geht super!“

R. WIEDEMANN

So kommen Sie zu Ihren Ski

Andreas Fehlau bietet mit seinem Unternehmen 7-per-year in Gschwendt bei Bad Bayersoien (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) zwei- und dreitägige Skibauseminare an. Und zwar sowohl übers Wochenende als auch unter der Woche. Die Preise liegen bei 400 bis 500 Euro. Das Material ist darin enthalten. Bei der Anmeldung soll man auch sein handwerkliches Können angeben, aber keine Angst: Die Seminare sind auch für eher ungeschickte Menschen geeignet. Für mehrere Termine im Februar und März sind noch Plätze frei. Informationen und Anmeldung via Internet (www.7-per-year.com) oder per Telefon unter der Nummer 0170/6 34 96 88.

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