Warm durch den Winter

Hightech-Hüllen für Wind und Wetter

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Wer sich Schicht für Schicht richtig einpackt, hat draußen im Schnee lange Spaß.

Gute Sport-Funktionsbekleidung hat einen wesentlichen Einfluss auf den Outdoorsport heute. Zwei Bergprofis erklären, was die neuen Materialien bei Wind und Wetter können.

Stefan Glowacz (l.) und David Lama

Stefan Glowacz (47) aus Garmisch-Partenkirchen sowie mit David Lama (22) aus Götzens bei Innsbruck gehören derzeit zu den weltbesten Alpinisten. Bei David Lama kommt Stefan Glowacz ins Schwärmen: „Der wird ein ganz Großer und den Sport in eine völlig neue Dimension führen“. Von den beiden Gipfelstürmer wissen, wollte tz Draußen wissen, worauf es bei der neuen Funktionskleidung ankommt.

Was ist Euch bei einer Hardshell-Jacke besonders wichtig?

Stefan: Für mich Robustheit, Bewegungsfreiheit, Wasserund Windundurchlässigkeit sowie gute Atmungsfähigkeit. Man fängt so schnell an zu schwitzen, wenn man sich bewegt. Wenn da die Feuchtigkeit nicht gut nach außen transportiert wird, ist der ganze Effekt der anderen Eigenschaften dahin.

David: Für mich ist die Kombination aus leichtem Gewicht und Funktion entscheidend. Maximale Bewegungsfreiheit ist natürlich Grundvoraussetzung.

Bei Kälte lieber mehrere Lagen oder gerne eine dickere Schicht?

Stefan: Ich bin eher der Typ für mehrere Lagen. Was ich überhaupt nicht mag, sind eng anliegende Sachen. Ich bin zwar überzeugt, dass zum Beispiel Kompressionsunterwäsche einen positiven Effekt in der schnelleren Regeneration hat, aber ich mag es einfach nicht so eng. Und ich glaube, dass mehr Volumen, sprich etwas Luft zwischen den einzelnen Lagen, auch ein bisschenmehrIsolationbringt. Die Luftschicht darin kann sich aufwärmen und schützt so vor Kälte.

David: Bei den alpinen Geschichten ziehe ich immer vier Schichten an. Mit dem System fahre ich gut. Das funktioniert von warm bis kalt und ich bin flexibel.

Was sind Eurer Meinung nach die größten Fehler, die Endverbraucher in Sachen Funktionsbekleidung machen?

Stefan: Das Wissen, welche Schichten man miteinander kombinieren muss, damit das Bekleidungssystem auch funktioniert, ist mittlerweile schon da. Aber man sieht es trotzdem immer wieder, dass ein Baumwoll- T-Shirt oder -Sweatshirt unter oder zwischen die Funktionsschichten angezogen wird. Da macht dann auch eine teure Gore-Tex Jacke darüber nicht viel Sinn, wenn das Shirt die ganze Feuchtigkeit vom Körper aufsaugt und nicht weiter nach außen ableitet, der Körper von innen deshalb kalt wird und man so schnell friert.

Wo geht der Trend in Sachen Funktionsbekleidung hin?

Stefan: Ich glaube, das entscheidende Kriterium ist der Tragekomfort, die Haptik. Wenn sich etwas nicht gut anfühlt, zieht man es nicht gerne an. Die Bekleidung soll weich und bequem sein und natürlich optimale Funktion bieten.

David: Die Sportarten im Alpinismus werden immer spezifischer und mit ihr die Bekleidung. Es wird zwar weiter die geben, die in ihren Daunenanzügen auf den 8000er gehen, aber auch die, die Berge immer schneller hinauflaufen und deshalb besonders leichte, atmungsaktive, aber dennoch robuste Ausrüstung brauchen.

Schicht für Schicht Funktion

Wer für den sportlichen Outdooreinsatz bestens gerüstet sein will, kleidet sich nach dem textilen Zwiebel- oder Lagenprinzip. Darunter versteht man mehrere Bekleidungsschichten, die zusammen ein Funktionssystem bilden. Von der Unterwäsche bis zur äußersten Schicht trägt man ein Gesamtsystem, das je nach Witterungsbedingungen und Aktivität schnell angepasst werden kann, um dem Körper das bestmögliche Klima zu bieten. Alle Schichten müssen möglichst feuchtigkeitsleitend beziehungsweise wasserdampfdurchlässig sein. Nur dann kann auch die Außenschicht perfekt funktionieren.

Schicht 1: Funktionsunterwäsche

Hält den Körper warm und trocken. Funktionswäsche gibt es für die unterschiedlichen Jahreszeiten in verschiedenen Stärken aus Kunstfasern wie etwa Polyester oder Polypropylen. Auch als Mischgewebe aus Synthetik und aus Merinowolle.

Schicht 2: Isolation

Die zweite Lage wärmt und leitet den Schweiß weiter an die nächste Schicht bzw. nach außen. Neben unterschiedlich dicken Fleeceteilen werden hier auch Isolationsjacken mit Kunstfaserfüllung (z.B. aus Primaloft) immer populärer. Sie sind zwar nicht ganz so atmungsaktiv, aber warm und leicht und lassen sich sehr klein verpacken.

Schicht 3: Wetterschutz

Die äußere Schicht trotzt Wind und Wetter und leitet dennoch Schweiß nach außen. Das Funktionsprinzip, das hier am häufigsten eingesetzt wird, verwendet eine mikroporöse Membran, wie man sie unter anderem von Gore-Tex kennt. Diese hauchdünne Membran ist mit extrem kleinen Poren versehen – so klein, dass kein Wasser in flüssiger Form (wie Regentropfen) durchdringen kann, jedoch so groß, dass Wasser in Dampfform (Schwitzfeuchtigkeit) nach außen entweicht.

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Petra Rapp

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