Ernstfall in den Bergen

Was tun im Notfall? Zehn Tipps vom Ski-Verband

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Experten bei der Bergrettung.

Sport in den Bergen ist schön, doch Unfälle können leider immer passieren. Mit diesen wertvollen Tipps vom DSV reagieren Sie im Ernstfall richtig.

Wie gut, dass es im Notfall die Rettungskräfte gibt!

Um 14.30 Uhr machten sich mehrere Suchtrupps der Bergwacht Brannenburg auf den Weg. Ein Notruf! Ein Bergwanderer ist mit seinem Hund in unwegsames, absturzgefährdetes Gelände geraten. Beide konnten weder vor noch zurück, zumal der Wanderer auch keine geeigneten Bergschuhe anhatte. Die Bergwacht hat ihn relativ schnell gefunden und konnte ihn samt Hund noch vor Einbruch der Dunkelheit unverletzt bergen. 15 Einsatzkräfte waren vier Stunden im Einsatz. „Solche Fälle werden immer häufiger. Querfeldein kann es auch in leichterem Gelände schnell gefährlich werden, wenn man sich nicht auskennt und schlecht ausgerüstet ist“, sagt Andreas Langenstrass, Bereitschaftsleiter der Bergwacht Brannenburg. Andere hatten nicht so viel Glück. 21 Tote und zahlreiche Verletzte musste die Bergwacht Bayern seit Anfang Mai bereits bergen. Kommen zu den Wanderern, Kletterern und Mountainbikern mit dem Schnee jetzt dann auch noch die Skifahrer und Tourengeher in die Berge, steigt die Zahl der Einsätze mit Sicherheit noch einmal rapide an. Hauptursachen der Bergunfälle: mangelhafte Kondition und Selbstüberschätzung! Doch auch Umsichtige und Geübte könne in Bergnot geraten. Hier die zehn wichtigsten Tipps von DSV aktiv, wie man bei einem Berg- oder Skiunfall reagieren sollte:

1. Ruhe bewahren

Bei einem Bergunfall oder der Beobachtung eines solchen ist es wichtig, schnell und richtig zu reagieren. Wer Zeuge eines Unglücks wird, ist gesetzlich zur Hilfeleistung verpflichtet. Verunglückte und Ersthelfer müssen Ruhe bewahren. Nur wer mit Bedacht handelt, bekommt die Notfallsituation in den Griff und schnellstmöglich gelöst!

2. Unfallstelle absichern

Ruhe bewahren ist im Ernstfall wichtig.

Die Unfallstelle muss klar erkenntlich abgesichert werden. Nur so können weitere Zwischenfälle oder Zusammenstöße vermieden werden. Besondere Vorsicht ist in Kurven und an unübersichtlichen Stellen geboten: Vor allem Radfahrer können in der Abfahrt mit hohem Tempo um die Ecke biegen und in Verunglückte wie Helfer hineinfahren. Auch auf der Piste muss eine Unfallstelle klar – am besten durch gekreuzte Ski – gekennzeichnet sein. Bei Steinschlag oder in steinschlaggefährdetem Gelände muss sofort eine geschützte Stelle oder Nische aufgesucht werden, sofern der Verletzte bewegt werden kann – sonst Rucksäcke über die Köpfe halten!

3. Die W-Fragen

Um die Situation korrekt einschätzen zu können, müssen sich Ersthelfer und Betroffene genau orientieren und die folgenden W-Fragen auch bei der Alarmierung der Bergrettung beantworten:

4. Bergrettung alarmieren

Nicht zögern: Bei schweren Verletzungen direkt professionelle Hilfe rufen. Die organisierte Bergrettung ist in Deutschland in Gegenden mit Mobilfunkanbindung einfach und direkt über die Notrufnummer 112 erreichbar. Zusätzlich gibt es lokale Notrufnummern, die an den Talstationen und Berghütten aushängen. Nicht alle Bereiche im alpinen Gelände sind mit Mobilfunk abgedeckt. Falls das Handy keinen Empfang hat, Standort wechseln und erneut versuchen. Ansonsten Hilfe an der nächsten Hütte anfordern. Bei der Unfallmeldung müssen die oben genannten W-Fragen beantwortet werden!

Wichtig: Bei einem Hubschraubereinsatz müssen die vor Ort herrschenden Wetterbedingungen geschildert werden. Und je genauer man sagen kann, wo man sich befindet, desto schneller ist die Bergwacht vor Ort. Nach einem Notruf rückt eine Einsatzgruppe der Bergwacht zur Rettung Verunfallter aus. Die Bergwacht gewährleistet den Rettungsdienst in alpinen Einsatzbereichen, an unwegsamen Einsatzschwerpunkten und in Höhlen. Allein in der Bergwacht Bayern engagieren sich etwa 4200 ehrenamtliche Einsatzkräfte. Neben Einsatzleitern, Notärzten, Rettungsassistenten und Rettungssanitätern verfügt sie für besondere Situationen über Spezialeinsatzkräfte. Bei Berg- und Alpinunfällen im Winter erhält die Bergwacht Unterstützung von der DSV-Skiwacht.

5. Handy im Auge behalten

Nach der Alarmierung der Rettung sollte der Helfer weitere Telefonate unterlassen. Die Verbindung muss für eventuelle Rückrufe der Bergrettung stets frei sein, sollten zum Beispiel weitere Fragen etwa zum Zugang zur Unglücksstelle auftauchen. Wichtig: Handynetz im Blick behalten und das Mobiltelefon laut stellen!

6. Erstversorgung

Sobald die organisierte Rettung alarmiert wurde, müssen sich die Helfer um die Erstversorgung des oder der Betroffenen kümmern. Dabei wird keine fachmännische Wundbehandlung verlangt oder medizinisches Fachwissen vorausgesetzt – Erste Hilfe kann und muss jeder leisten, sei es durch das Beruhigen der Betroffenen oder durch die Versorgung mit Verbandsmitteln. Ein Erste-Hilfe-Set sollte jeder Bergsportler im Rucksack habe.

7. Aufmerksamkeit wecken

Sollten die Betroffenen schwerer verletzt oder mehrere Personen verunglückt sein, müssen weitere Helfer alarmiert werden. Nicht zögern: andere Bergsportler durch laute Rufe und deutliches Winken auf die Situation aufmerksam machen. Mit etwas Glück hat der nächste Wanderer gar eine medizinische Ausbildung. Jeder, der nicht aktiv zur Rettung der Verunglückten beiträgt, sollte die Unfallstelle schnellstmöglich verlassen. Der Weg für die Rettungskräfte muss zu jeder Zeit frei bleiben.

8. Beruhigung der Opfer

Wer Ruhe ausstrahlt, trägt zur Beruhigung der Verunglückten bei. Herrscht um die Unglücksstelle Panik oder hektisches Treiben, überträgt sich das auf die verletzte Person. Helfer sowie anwesende Verwandte und Bekannte müssen deshalb zu jeder Zeit ruhig bleiben, dem Unfallopfer gut zureden und darauf achten, dass der Betroffene bei Bewusstsein bleibt.

9. Erreichbarkeit sicherstellen

Auch wenn die alarmierte Bergrettung eingetroffen ist, sollten die Ersthelfer am Unfallort verbleiben. Für die Bergwacht ist es wichtig, einen konzentrierten Ansprechpartner zur Seite zu haben, der fundierte Angaben zum Unglücksablauf und zur Erstversorgung machen kann. Für spätere Rückfragen sollten Helfer unbedingt ihre Mobilfunknummer hinterlassen.

10. Begleitung ins Krankenhaus

Muss der Verunfallte ins Krankenhaus transportiert werden, sollten Helfer, Betroffene und Opfer mit der Rettung klären, ob eine Begleitung in die Klinik erwünscht ist. Nahestehende Personen sind eine wichtige Stütze für Verletzte! Sie können allein durch ihre Anwesenheit beruhigend auf das Opfer wirken.

Extratipp: Schnelle Ortung per WhatsApp 

WhatsApp eignet sich nicht nur zum Chatten! Der Dienst wird immer häufiger zur Ortung eingesetzt. Dafür muss lediglich die Standort-Ortung in den persönlichen Einstellungen des Handys für WhatsApp freigeschalten sein. Geht man dann in die Chatfunktion, kann unter Anhang „Ort senden“ der Standort samt Koordinaten übermittelt werden!

von Petra Rapp

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