Crossalps 2013

So weit die Flügel und Füße tragen

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Crossalps: Ein 33 Stunden-Ausdauerwettkampf der speziellen Art.

Am kommenden Wochenende findet im Chiemgau ein ganz besonderer Wettbewerb statt: Crossalps nennt er sich und ist eine Kombination aus Bergsteigen und Gleitschirmfliegen.

Was es damit auf sich hat, erzählt Till Gottbrath, mehrfacher Cross-alps-Teilnehmer.

Ein heißer Sommersonntagnachmittag in Grainbach am Fuß der Hochries. Mit großen Rucksäcken bepackte Wanderer schleppen sich zu einem Zelt an der Talstation. Sie wanken, schwanken, eiern. In dem Zelt hängt eine Glocke. Die einen bimmeln schüchtern, die anderen lassen die Glocke heftig läuten. Aber alle tragen ein riesig breites Lachen im Gesicht. Sie haben das Ziel der Crossalps erreicht. Hinter ihnen liegen 33 harte Stunden.

Crossalps 2013

Start: 27. Juli um 8 Uhr an der Talstation der Hochries-Bahn. Bei gutem Wetter dürften ab etwa 10.30 Uhr die ersten Piloten von der Hochries starten. Zieleinlauf: ab Sonntagnachmittag 15 Uhr an der Hochries-Bahn bis spätestens 17 Uhr. Detaillierte Info unter www.crossalps.com

Inspiriert wurden die Crossalps von den Redbull X-Alps. Alle zwei Jahre wandern und fliegen bei den X-Alps gut 30 ausgewählte Spitzenathleten nonstop von Salzburg über mehrere Wendepunkte und rund 1200 Kilometer Luftlinie nach Monaco. Das ganze wird im typischen Spektakel-Event-Stil des österreichischen Brauseherstellers inszeniert. Die Leistungen dort sind fast unmenschlich und die Gefahren, denen sich die Piloten aussetzen, erheblich. Bei den Crossalps geht es beschaulicher zu. Die Veranstaltung dauert „nur“ 33 Stunden durchgehend und die Veranstalter arbeiten nicht kommerziell, sondern voller Idealismus. Dahinter stecken Piloten vom Gleitschirmclub Hochries Samerberg. Bei den Crossalps geht es vor allem um den Spaß. Man kämpft nicht gegeneinander, sondern miteinander. Und gegen den inneren Schweinehund. Denn jeder Pilot entscheidet für sich, wo er seinen persönlichen Wendepunkt setzt. Dessen Position ist sicher: am Limit der eigenen Ausdauer.

Schwer bepackt suchen die Crossalp-Athleten einen Weg im Gelände.

Der Wettkampf beginnt am Samstagmorgen in Grainbach am Samerberg. Ab dann haben die Athleten 33 Stunden Zeit, sich möglichst weit vom Start-ort zu entfernen, um am Sonntag um 17 Uhr wieder rechtzeitig in Grainbach anzukommen. Unterwegs dürfen sie ausschließlich zu Fuß gehen oder fliegen. In welche Himmelsrichtung bleibt jedem selbst überlassen, auch wie lange man nachts ruht. Wer vorne dabei sein möchte, ruht gar nicht. Tomy Hofbauer, der Gewinner 2012, flog nur 27,5 km, legte aber 134 km zu Fuß zurück! Der Modus und das herzliche Engagement der Veranstalter machen die Crossalps zum Hike & Fly-Wettkampf mit den weltweit höchsten Teilnehmerzahlen. Dieses Jahr nehmen fast 100 Sportler teil. Schon wenige Tage nach Freischaltung der Online-Anmeldung war das Event ausgebucht.

Teilnehmer des Crossalps. In diesem Jahr werden fast 100 Sportler starten.

Für die Teilnehmer ist es ein spannendes Spiel: Streckenplanung, Pilotenkönnen, körperliche Fitness, Einschätzung des Wetters und die richtige Taktik sind die entscheidenden Faktoren. Wie weit traue ich mich am Samstag zu fliegen, um am Sonntag wieder rechtzeitig zurückzukommen? heißt die entscheidende Frage. Sicher ist: Jeder wird sich völlig verausgaben und dennoch am Ende wieder dieses Lachen im Gesicht haben.

Petra Rapp

Freizeittipps Samerberg

Wer sich die wagemutigen Athleten des Crossalps 2013 vor Ort anschauen will, hier ein paar ergänzende Freizeittipps für den Samerberg ( www.samerberg.de).

Hütten-Tipp: Südöstlich der Hochries, inmitten sonniger Almen, liegt die urige und familienfreundiche Riesenhütte. Die Pächter kochen mit Produkten aus der Region.

Wanderung: von Frasdorf vorbei an der Hofalm oder von Grainbach via Hochries (Seilbahn möglich). www.riesenhuette.de

Bike-Tipp: Rund um die Hochries erstreckt sich ein weites Mountainbike- Wegenetz – vom E-Bike-tauglichen Forstweg bis hin zu den Extremstrecken im Bikepark Samerberg. www.bikepark-samerberg.de.

Einkehr-Tipp: Das Duftbräu ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Aber nach einem Tag in der Natur schmecken das Bier und das deftige Essen gleich doppelt gut. www.duftbraeu.de

Gleitschirm-Tipp: An einem Schnuppertag bei einer Gleitschirmschule lernt man das Allerwichtigste im Umgang mit dem Schirm. Kosten: 50 bis 70 Euro. www.flugschule-chiemsee.de, www.flugschule-hochries.de oder www.dhv.de

Beim Tandemfliegen ist man zwar „nur“ Passagier, dafür genießt man – in der Obhut eines erfahrenen Piloten – einen richtigen Höhenflug. Kosten: 100 bis 150 Euro. www.tandemfliegenchiemgau. de, www.dhv.de/web/fliegenlernen/ passagierfliegen/

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