In drei Schritten zum Eisklettern

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Florian (15, l,) sichert seinen Vater Markus (46).

Hier erfahren Sie, wie Sie sich in drei Schritten kinderleicht an den Extremsport "Eisklettern" annähern: Klettern am Eisturm, Anfängerkurs an einem richtigen Wasserfall und schließlich Vorstiegstraining an der künstlichen Eiswand über Mittenwald.

1. Schritt: Klettern am Eisturm

Eine Sprinkleranlage hat den 17 Meter hohen Metallmasten in einen Eispanzer gehüllt. In deinen Händen: zwei sogenannte Eisgeräte, die sich von einem klassischen Eispickel vor allem dadurch unterscheiden, dass sie gebogen sind. An deinen Stiefeln: Steigeisen. Um deine Hüfte: ein Klettergurt, der mit einem Seil verbunden ist, das zur Turmspitze und wieder herunter reicht. Am anderen Ende des Seils: der staatlich geprüfte Bergführer Stefan Reich (34); er leitet in der Leutasch (Tirol) Eisklettern für jedermann.

Nach der Einweisung schlägst du mit den Geräten ins Eis und freust dich, wenn sie halten. Schwieriger gestaltet es sich, mit den Steigeisen guten Stand zu finden. Vor allem, weil du intuitiv beim Weitersteigen die Ferse hochziehst, wodurch die Zacken den Halt verlieren. Mehrmals ruft Stefan herauf: „Fuß hängenlassen!“

Marco (14) beim Flutlichtklettern am Eisturm.

Wenn du mal abrutschst, fängt dich das Sicherungsseilsogleich auf, und nach einer Schrecksekunde kletterst du weiter. Wenn du mal verschnaufen oder die Arme lockern willst, kannst du dich einfach in den Gurt setzen; Stefan hält dich schon. Du suchst nach pilzförmigen Eiskappen, weil du dort das Gerät besonders gut einschlagen kannst. Du meidest röhriges Eis, weil es splittert. Schon fast an der Spitze des Eisturms angekommen, wagst du einen Ausblick. Über den Bergen geht der Mond auf. Herrlich.

Geschafft, du bist ganz oben. „Setzdichrein!“, ruft Stefan herauf und lässt dich dann langsam ab. Mit festem Boden unter den Füßen, legst du stolz den Kopf in den Nacken. Wahnsinn, da bist du hochgeklettert! Du machst es noch mal, noch mal und noch mal…

Schnupperklettern in der Leutasch, mo. und fr., 17.30 Uhr, 20 € pro Person. Infos, Anmeldung: www.skischule-leutasch.at, Tel: 00 43/52 14/64 70.

2. Schritt: Anfängerkurs an einem richtigen Wasserfall

Zunächst bist du fasziniert von der Schönheit des gefrorenen Wasserfalls. In drei Kaskaden à etwa zehn Meter Höhe fällt er vom Berg vor deine Füße. Du hörst, wie das Wasser hinterm Eis sprudelt. An manchen Stellen tritt es noch zutage, weshalb Eiskletterer wasserdichte Kleidung tragen sollten.

Beim Anfängerkurs, der etwa sechs Stunden dauert, klettern die Novizen ausschließlich toprope. Wenn alle Teilnehmer die Seilsicherung beherrschen, beginnt Bergführer Stefan Reich mit der Eistheorie. Er demonstriert, wie du die Eisgeräte am besten einschlägst. Er mahnt dich, die Dinger vorsichtig wieder rauszuziehen, um dich nicht im Gesicht zu verletzen. Er zeigt dir, wie man Tritte findet und kraftsparend aus den Beinen heraus klettert.

Fabian (13) setzt eine Eisschraube.

Das Eis des Häselgehrbaches (bei Garmisch) ist zwischen 60und 80 Grad steil, bestes Anfängergelände. Wasser erstarrt ganz unterschiedlich. Mal bilden sich Zapfenvorhänge (schlecht zu klettern), mal kompaktes Eis (prima), mal Blumenkohlstrukturen (geht so). Du registrierst erfreut, wie schnell du emporkommst: Die Begleiter am Wandfuß schrumpfen zu Manschgerln. Um dich herum glitzert ein Altar aus Eis. Schnell merkst du aber auch: Eisklettern ist nichts für Sonnenanbeter. Eisfälle wachsen bevorzugt schattseitig. Kalte Zehen gehören dazu, besonders beim Sichern.

Am Nachmittag demonstriert Stefan noch, wie man Eisschrauben als Zwischensicherung eindreht und wie man zum Abseilen sogenannte Sanduhren ins Eis bohrt. Dies aber nur als Vorgeschmack auf den Vorstiegskurs. Bis dahin heißt es üben, üben, üben.

Kurs „Einstieg ins Eisklettern“, 89 € pro Person, Infos und Anmeldung: www.bergsteigerschule-zugspitze.de, Telefon: 088 21/5 89 99.

3. Schritt: Vorstiegstraining an der künstlichen Eiswand über Mittenwald

Stefan Reich in seiner selbst gemachten Eiswand.

Du fährst von Mittenwald mit der Karwendelbahn hinauf underkennst, dieses Gelände ist nur für Geübte. Stefan Reich hat unterhalb der Bergstation eine 90 Meter hohe künstliche Eiswand geschaffen. Der Bergführer hat das am Berg gesammelte Regenwasser die Felsen hinabgeleitet, wo es gefroren ist. An der entstandenen Eiswand hält Stefan nun Vorstiegskurse ab, dort können versierte Eiskletterer aber auch auf eigene Faust pickeln.

Der Eisvorhang schwappt über die Oberkante der steilen Nordwand. Bis in den April hinein wird man hier eisklettern können. Zum einen Dank der schattigen Lage, zum zweiten, weil das Eis nicht von einem Bach hinterspült wird – ein großes Sicherheitsplus gegenüber natürlichen Eisfällen.

Du lässt dich also am Fixseil zu einem Felsvorsprung ab, der als Standplatz dient. Unter dir die Dächer von Mittenwald, über dir Fels mit Eisüberzug. Beim eintägigen Vorstiegskurs muss man sich nicht gleich auf selbst gesetzte Eisschrauben verlassen, zahlreiche Bohrhaken geben Sicherheit. Außerdem kann man am Fixseil jederzeit wieder aus der Wand steigen.

Irgendwann erreichst du die Oberkante der Eiswand. Bestaunt von Ausflüglern, die sich an die Scheibe des Bergrestaurants drücken, kletterst du ins Sonnenlicht.

„Vorstiegstraining Eisklettern“, 145 € pro Person, Infos zur Karwendel-Eiswand und Anmeldung für den Kurs: www.karwendelguides.com, www.karwendelbahn.de, Telefon: 0043/6 99/18 14 97 31.

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