Wichtige Tipps

Rucksack statt Drucksack

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Gut bepackt: Bergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner

Ob beim Wandern, Bergsteigen, Radfahren, Freeriden oder auf Skitouren, der Rucksack gehört bei jedem Outdoor-Trip zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen. Experte Bernd Kullmann gibt wichtige Rucksack-Tipps:

Rucksack-Modelle gibt es inzwischen jede Menge. Einer, der sich damit richtig gut auskennt und weiß, worauf es ankommt, damit ein Rucksack auch zum jahrelangen Begleiter und die Last am Rücken nicht zu beschwerlich wird, ist Bernd Kullmann. Der „archetypische Berggeist“, wie  ein Seilpartner ihn einmal bezeichnete, stand 1978 mit 24 Jahren in einer echten Levi’s Blue Jeans auf dem Gipfel des Mount Everest. Seit 1986 entwickelt der nach wie vor leidenschaftliche Alpinist beim deutschen Hersteller Deuter Rucksäcke, seit 2006 ist er Geschäftsführer in Gersthofen.

Für Kullmann waren die Erfindung des Innengestell-Trekking-rucksacks mit verstellbarer Rückenlänge durch die Firma Lowe sowie die Entwicklung des Aircomfort-Rückens durch Deuter, der die Idee von „atmender“ Bekleidung auf Rucksäcke überträgt, die größten Meilensteine in der Rucksackentwicklung. Der Trend bei den Rucksäcken jetzt? „Die Volumina werden kleiner, Outdoorsportler wollen nicht mehr viel schleppen. Sie übernachten auch immer mehr in Hütten und weniger im Freien oder im Zelt. ‚Wellness-Outdoor‘ wird immer populärer und dies bedeutet, dass man nur noch kleine, leichte Rucksäcke mitnimmt“, sagt Kullmann. Das wichtigste Kriterium eines guten Rucksacks ist für Kullmann vor allem die individuell richtige Passform. „Passen heißt: Die Rückenlänge sowie die Länge der Schulterträger müssen stimmen und richtig eingestellt sein. Zudem sollte der Rücken belüftet und die Polsterungen ausreichend und komfortabel sein. Beim Tragen von höheren Gewichten muss ein Lasttransfer auf die Hüfte erfolgen können.“ Die größten Fehler, die Verbraucher beim Thema Rucksack machen, sieht er im Volumen des Gepäcks. Die meisten Outdoorsportler schleppen viel zu viel mit. Kleinere Rucksäcke disziplinieren beim Packen. Jedes Kilo weniger Last erhöht den Spaß beim Wandern oder Bergsteigen. Und: Die ganze Ausrüstung gehört in den Rucksack hinein. Auch Helme und Seil haben außen nichts verloren.“

Seine wichtigsten Tipps beim Rucksackkauf:

„Die Sportler und Sportlerinnen, für die es übrigens auch spezielle Frauenrucksäcke gibt, sollten wissen, für was sie den Rucksack verwenden wollen, dann den entsprechenden Typ (z.B. Wander-, Trekking-, Alpin-, Bike- oder Freeride-Rucksack), die geeignete Größe mit der richtigen Rückenlänge wählen und ihn vor allem auch richtig anpassen. Dies kann am ehesten über kompetente Beratung in einem Fachgeschäft erreicht werden.“ Kullmanns ganz persönlicher Lieblingsrucksack ist übrigens der Guide Lite 32 von Deuter. „Er ist leicht (1000 Gramm) und hat keinerlei überflüssigen Schnickschnack.“ Weniger ist für ihn in vielen Dingen mehr.

Petra Rapp

Rucksack statt Drucksack: Die wichtigsten Tipps

Outdoor Tipps: Richtige Rucksack-Anpassung

Richtige Rucksack-Anpassung

  • Alle Riemen lockern. Dann den beladenen Rucksack schultern. Die Mitte der Hüftflossen auf Höhe des Hüftkamms platzieren und schließen. Zu hoch positioniert schnürt der Gurt den Bauch ein. Zu tief positioniert scheuern die Flossen eventuell beim Laufen in den Leisten.
  • Dann die Schultergurte festziehen. Nicht zu stramm, denn das Gewicht soll vom Hüftgurt getragen werden.
  • Auf die richtige Position kommt es an: Der Schulterträgeransatz am Rucksack sollte zwischen den Schulterblättern liegen und die Schulterpolster sauber dieSchulternumschließen.
  • Danach den höhenverstellbarenBrustgurt anpassen und schließen, ohne dass er dabei die Atmung beeinträchtigt. Er stabilisiert die Schulterträger.
  • Zum Schluss den Hüftgurt-Stabilisierungsriemen und die Lageverstellriemen an den Schulterträgern (meist nur bei großvolumigen Rucksäcken vorhanden) einstellen. Beim Hüftgurt je nach Gelände für mehr Lastübertragung anziehen oder für mehr Bewegungsfreiheit lockern. Die Lageverstellriemen an den Schulterträgern erlauben gelockert in leichtem Gelände eine bessere Belüftung. Angezogen geben sie einen besseren Kontakt zum Rücken und damit auch wieder mehr Stabilität in schwierigemTerrain. Auf längeren Touren solte man durch Lockern oder Straffen der Schultergurte und Lageverstellriemen von Zeit zu Zeit die Lastverteilung zwischen Hüfte und Schultern etwas variieren. Ihre Funktion erfüllen die Lageverstellriemen am besten mit einem Winkel zwischen 30 Grad und 45 Grad zur Horizontalen.

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