10 Regeln zum Freeriden

Vorsicht im Abseits!

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Beim Fahren im freien Gelände ist hohe Eigenverantwortung angesagt.

Egal ob mit Ski oder Snowboard abseits der Pisten wartet das Abenteuer. Doch im freien Gelände ist neben extremen Spaß ist maximale Sicherheit angesagt.   

Dunkle Rastalocken, breite Bretter unter den Füßen, coole Skiklamotten – Florian Hellberg ist ein lässiger Typ, der seine Freiheit liebt und deshalb gerne und oft im unberührten Weiß unterwegs ist. Im Gegensatz zu vielen anderen aber, die es zum Freeriden hinaus abseits der Pisten zieht, weiß er ganz genau, was er tut oder dort besser nicht tun sollte. Der 31-Jährige Allgäuer ist ausgebildeter Bergführer und arbeitet in der Sicherheitsforschung des Deutschen Alpenvereins.

Florian Hellberg (links) erklärt den Lawinenlagebericht.

„Abseits der präparierten und gesicherten Pisten im jungfräulichen Schnee seine Spuren zu hinterlassen, hat schon eine ganz besondere Faszination“, sagt er. Eine, die immer mehr Skifahrer reizt. Freeriden boomt. Doch der Trendsport birgt auch Risiken, derer sich viele, vor allem auch viele Jugendliche, nicht bewusst sind. Der Klassiker: Sie sehen Leute abseits fahren und fahren einfach hinterher, ohne sich groß Gedanken über alpine Gefahren wie Lawinen oder vielleicht zu steile Felsflanken oder Rinnen zu machen. Oft haben sie auch keine Sicherheitsausrüstung dabei, zu der zumindest ein Lawinenverschütteten-Suchgerät, eine Schaufel und eine Sonde gehört.

Der Deutsche Alpenverein tut viel dafür, die Variantenfahrer über die Risiken am Berg aufzuklären. „Am meisten müssen wir an der Risikokultur arbeiten und den Leuten bewusst machen, dass sie, sobald sie sich abseits gesicherter Pisten bewegen, eine Eigenverantwortung haben“, erklärt Florian.

Sicheres Eintauchen im Tiefschnee macht mehr Spaß.

Wen es mit Ski oder Board hinauszieht ins Gelände, der sollte folglich nicht nur richtig ausgerüstet sein und mit der Sicherheitsausrüstung auch umgehen können, sondern sich vorher unbedingt auch Gedanken in Sachen Risikomanagement machen. Dazu gehört das Lesen und richtige Interpretieren des regionalen Lawinenlageberichts am Morgen. Der ist telefonisch oder online abrufbar und hängt in vielen Skigebieten und Hütten aus. „Idealerweise gehe ich dann mit einer fiktiven ‚Gefahrenbrille‘ hinaus und schaue, welche Risiken lauern genau vor Ort. Da klemmt es meiner Meinung nach am meisten, dass die Leute draußen die Hänge nicht richtig beurteilen können“, erklärt Florian.

Niemals ohne! Ein Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS-Gerät) zum schnellen Orten von Verschütteten und zum Gefundenwerden, eine Sonde zum Sondieren des Lawinenkegels sowie eine Schaufel zum Ausgraben von Verschütteten gehören in jeden Freeriderucksack.

Die wichtigsten Grundregeln über alpine Gefahren und das richtige Verhalten können sich Freerider am besten in Lawinenkursen oder Sicherheitscamps aneignen. Die sensible Gefahrenwahrnehmung am Hang gehört aber immer wieder geschult. „Wichtig ist, gegebenenfalls auch Neinsagen zu können. Man hat im Umgang mit Lawinen leider wenig Lernchancen und ein Restrisiko bleibt immer”, sagt Florian und zeigt mit einem gezielten Tritt, der sofort ein kleines Schneebrett auslöst, was der Lawinenlagebericht am Morgen mit störanfälligen Triebschneeansammlungen gemeint hat. Auf einem Hang, den die meisten seiner Gruppe als sicher eingeschätzt hätten.

10 Regeln zum Freeriden

  1. Lawinenlagebericht lesen: Informieren Sie sich über die aktuelle Gefahrenstufe, bevor Sie ins ungesicherte Gelände fahren. Achten Sie besonders auf die Angaben zu den Gefahrenstellen (WO ist es heute gefährlich?) und zu den Gefahrenquellen (WAS ist heute die Hauptgefahr?).
  2. Immer mit LVS-Notallausrüstung: Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS-Gerät), Sonde und Schaufel sollte jeder einzelne dabeihaben. Erste-Hilfe-Paket, Biwaksack und Handy gehören darüber hinaus zum Standard. Ein Airbag-System erhöht deine Überlebenschancen.
  3. Regelmäßiges LVS-Training: Training kann Leben retten! Je öfter Sie mit Ihrem LVS-Gerät üben, umso schneller finden Sie im Notfall Verschüttete.
  4. Nie allein: Fahren Sie immer mindestens zu zweit. Schon kleine Missgeschicke und Unfälle können alleine schwerwiegende Konsequenzen haben.
  5. Übersicht verschaffen: Schauen Sie sich das Gelände oberhalb und unterhalb genau an, bevor sie losfahren. Seien Sie vorsichtig, wenn sich andere Freerider über oder unter Ihnen befinden!
  6. Nie alle auf einmal: Fahren Sie nacheinander in einen Hang. Die Abstände zwischen Ihnen sollten mindestens 50 Meter betragen. Das gilt auch für Querfahrten. Im Aufstieg mindestens zehn Meter Abstand halten!
  7. Steilhänge einzeln fahren: Passagen mit mehr als 35 Grad Neigung sollten Sie einzeln befahren. Beobachten Sie sich gegenseitig, um schnell reagieren zu können.
  8. Sichere Sammelpunkte: Teilen Sie Ihre Abfahrt in Etappen ein. Sammeln Sie sich an lawinensicheren Stellen. Besprechen Sie dort die nächste Etappe.
  9. Extreme Vorsicht bei schlechter Sicht: Bei schlechter Sicht kann die einfachste ­Abfahrt zum großen Problem werden, auch für Experten. Extreme Vorsicht ist dann geboten.
  10.   Beachte Grenzen: Halten Sie sich an die lokalen Naturschutzregelungen. Respekt gegenüber der Natur gehört zum Freeriden.

Quelle: DAV- Sicherheitsforschung

MEHR ZUM THEMA: Viele weitere Sicherheitstipps und Infos über Material und Ausbildungskurse unter www.alpenverein.de/Bergsport/Sicherheit unter Schneesport und Lawinengefahr“, unter www.check-your-risk.de oder unter www.powderguide.com. Alle Lawinenwarndienste der Alpenregionen mit Abruftelefonnummern im Überblick unter www.alpenverein.de/DAV-Services/Lawinen-Lage/

Petra Rapp

Haben Sie Fragen und Anregungen zu unserer wöchentlichen Draußen-Seite? Unsere Autorin Petra Rapp ist für Sie unter folgender E-Mail-Adresse erreichbar: tzdraussen@googlemail.com

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