Für Powderfans

Freeride-Profitipps: Vorbereitet ins Abseits

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Freeriden boomt: Abseits der Pisten lauern Gefahren. Selbst Profis rechnen immer mit einem Restrisiko.

Es ist viel los im neuen „Powder Department“ am Stubaier Gletscher (www.stubaier-gletscher.com), mit dem sich das Skigebiet für den wachsenden Ansturm der Offpiste-Fans gerüstet hat.

 15 kartografierte und als GPS-Datei abrufbare Freeride-Abfahrten gibt es jetzt hier, dazu spezielle Freeride-Checkpoints sowie ein Trainingsgelände zur Verschüttetensuche. Ja, Freeriden boomt und wenn es weiter unten noch nicht geht, dann suchen die Powderfans halt hier oben am Gletscher ihr weißes Glück.

Stefan Häusl lebt dieses Glück professionell. Mit seinen 38 Jahren fährt der Arlberger immer noch auf der Freeride World Tour vorne mit. Seine Frau Geli war ebenfalls professionelle Freeriderin. Beide kennen sich aus mit den Bergen und ihren Gefahren im weißen Abseits.

Stefan Häusl ist einer der weltbesten Freerider.

„Ah, du bist einer dieser Verrückten, die sich da überall gedankenlos runterhauen“, wird oft gekontert, wenn Stefan von seinem Beruf erzählt. „Die meisten Leute wissen einfach nicht, dass wir sehr wohl sehr viel denken und uns sehr intensiv mit dem Hang beschäftigen, bevor wir bei einem Contest oder auch beim privaten Freeriden reinfahren. Wir müssen jede Passage, jeden Punkt genau kennen und richtig einschätzen. Das sollte auch jeder Freizeitfahrer tun. Denn Sicherheit muss immer oberste Priorität haben“, betont Häusl und erklärt der Gruppe, warum man gerade im Frühwinter sehr aufpassen muss, weil sich die frische Schneedecke noch nicht gesetzt hat und deshalb sehr schnell ein Schneebrett abgehen kann.

Erfahrung und mentale Stärke

„Es bleibt immer ein Restrisiko, wenn man im alpinen Gelände unterwegs ist. Aber je besser man sich vorbereitet und Bescheid weiß, umso geringer ist es und umso größer ist der Spaß!“

Freeride-Profis: Geli und Stefan Häusl.

Erfahrung und eine gesunde, mentale Stärke sind für Stefan Häusl die Schlüsselfunktionen am Berg. „Ein gesundes Risikomanagement und der Mut zum Verzicht gehört für uns Freerider zum Alltag. Auch, wenn der Hang noch so verlockend aussieht“, sagt er und staubt davon über den „Hardrock Run“. Im knietiefen, frischen Pulver und Geli als „Lumpensammlerin“ der Gruppe hinterher. Da war doch noch was? „Man darf nie dem Powderrausch verfallen“, hat er auch gesagt.

(www.stefanhausl.com, www.geliskiing.com)

Freeride-Profitipps von Stefan Häusl

  • Kurventechnik

Abseits der Piste ist eine möglichst gleichmäßige Belastung auf beiden Ski wichtig. Dies ist in der Kurve nicht ganz einfach. Wird nämlich ein Ski deutlich mehr belastet, gräbt sich dieser in den Schnee. Dies stört das Gleichgewicht und es kann zum Sturz kommen.

  • Körperposition:

Dank ihrer Breite und der Rockerbauweise haben die Freerideski heute guten Auftrieb im Schnee. Von der Körperposition her sollte man deshalb nicht mehr wie früher mit Rückenlage fahren, sondern eine schöne Mittellage einnehmen.

  • Entlastung:

Zwischen den Kurven waren in der Vergangenheit mit den schmaleren Brettern extreme Entlastungsbewegungen (Hoch-Tief-Bewegungen) im Tiefschnee notwendig. Junge Freerider haben das aber oft gar nicht mehr gelernt. Ein wirklich guter Skifahrer sollte diese Entlastungstechnik aber beherrschen. Ganz ohne geht es nämlich auch mit den breiten Latten in manchen Situationen nicht.

  • Geschwindigkeit

„Speed is your friend“, sagen wir Freerider. Beim Springen hilft es, den Landedruck „in die Länge“ zu verteilen. Beim Fahren selbst hilft Geschwindigkeit, die Ski im tiefen Schnee an die Oberfläche zu bringen. Kurven mit wenig Tempo zu fahren, ist viel schwieriger als mit einem moderaten Tempo. Also ruhig ein bisschen Mut!

  • Tipp für Frauen:

„Freeriden ist in Sachen Kraft und Kondition anspruchsvoll. Für Frauen ist es deshalb manchmal besser, wenn sie unter sich Freeriden gehen. Sie haben dann erfahrungsgemäß weniger Stress“, sagt Geli Häusl. Frauen sollten einen leichteren Ski fahren als Männer. Dabei sollte man aber nicht in der Breite des Skis sparen. Breite Ski (100 mm unter der Bindung und mehr) sind nicht nur für Freaks, sondern helfen auch Frauen und Freeride-Anfängern.

  • Sicherheit:

Jeder, der ins Gelände fährt, muss die notwendige LVS-Ausrüstung (LVS-Gerät, Schaufel und Sonde) dabei haben und damit auch umgehen können! Das erlernt man am besten in einem LVS-Kurs. Wichtig: Nie alleine ins Gelände fahren und nie gleichzeitig losfahren, jeder Run muss der Sicherheit untergeordnet werden! Verzichten ist keine Schwäche, es zeichnet den erfahrenen Freerider aus. Nur so lange freeriden, solange es die Kondition zulässt.

Lawinen-/Sicherheitskurse

Freerider sollten eine fundierte Lawinenausbildung durchlaufen, bevor sie sich ins Gelände ­wagen. Kurse dazu gibt es beispielsweise hier:

Petra Rapp

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