Tipps zum Kraxeln

Gut vorbereitet in den Klettersteig

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Kraxeln in Eisenwegen: ein schöner, aber kein harmloser Sport.

Kraxeln in Eisenwegen ist ein schöner, aber kein harmloser Sport. Es gibt hochalpine Klettersteige, aber auch leichtere gesicherte Pfade.  

Ganz wichtig ist, dass ihr immer die Karabiner einzeln umhängt, sonst seid ihr einen gefährlichen Augenblick ungesichert. Die Arme immer gestreckt lassen, ein bisschen in die Knie gehen, kleine Tritte machen und immer mit einer gewissen Bogenspannung, möglichst unterhalb und nicht zu nah am Seil gehen, sonst braucht ihr zu viel Kraft“, erklärt Bergführer Hubert Praschberger. Nochmaliger Ausrüstungscheck, ob der Klettergurt samt Klettersteigset und der Helm richtig sitzen, ob alle Handschuhe anhaben, dann geht es für die Teilnehmer des Klettersteigkurses zum kurzen Übungssteig oberhalb der Gaudeamushütte im Wilden Kaiser. Dort sehen die Bergführer schnell, wer von den Teilnehmern sich später in den neuen Klammlsteig, dem ersten Klettersteig im Wilden Kaiser, wagen kann.

Der Kurs, der im Rahmen einer Bergsportwoche Ende Juni am Wilden Kaiser in Tirol angeboten wurde, war schnell ausgebucht. „Klettersteiggehen ist nach wie vor extrem beliebt, vor allem in der Altersschicht zwischen 20 und 55. Am Klammlklettersteig sind an einem schönen Wochenende bis zu 150 Leute unterwegs, da herrscht dann schon mal richtige Staugefahr“, erzählt Hubert. Obwohl kein Wochenende, staut es sich für die Gruppe gleich am Einstieg des Steigs unterhalb der Gruttenhütte. Einige Höhemeter weiter oben hängt ein älteres Ehepaar fest. Hubert steigt hinauf, beruhigt die Frau, die nicht mehr weiterkommt, sichert sie, lotst die Teilnehmer seiner Gruppe an ihr vorbei und die Frau dann hinunter. „Das war ein klassisches Beispiel, warum es in den Eisenwegen immer öfter zu Unfällen kommt. Die Frau war technisch und konditionell völlig überfordert. Viele meinen, es reicht, wenn man ein bisschen bergerfahren ist und einen Karabiner einhängen kann. Aber das tut es eben nicht. Neben gesunder Selbsteinschätzung, guter Koordination und Schwindelfreiheit ist beim Klettersteiggehen vor allem auch ein gewisses Maß an Kletterfähigkeit gefragt. Ich muss sehen, wo ich hintreten, welche Griffe ich nehmen kann. Man sollte eigentlich zuerst Klettern an einer Felswand lernen, dann gäbe es viel weniger Probleme in den Klettersteigen“, meint Hubert später.

Die Hängebrücke, die den zweiten Teil des Steigs mit anspruchsvollen Stellen bis zur Kategorie D einläutet, flößt dann doch Respekt ein und nur die Sportlichen und Mutigeren gehen hier weiter. Hubert erklärt ruhig und einfühlsam, auf was man sich konzentrieren soll, wartet an kritischen Schlüsselstellen und sagt, wo man die besten Tritte findet. Wen die Kräfte zwischendurch verlassen, dem empfiehlt er, sich zum Ausruhen in die kurzen Bandschlingen zu hängen. Sicherheit und mentale Unterstützung vom Profi, die einige auch brauchen und deshalb sehr froh sind, hier nicht auf eigene Faust unterwegs zu sein. Oben am Ausstieg, wo das Adrenalin noch in den Adern und die Freude über das Erfolgserlebnis bei allen groß ist, sind sie sich nämlich nicht sicher, ob sie ansonsten die 120 Höhenmeter und 300 Meter des Klammlsteigs so problemlos geschafft hätten.

Infoadressen: www.wilderkaiser.info; www.clubvertikal.com, www.klettersteige.de, www.via-ferrata.de, www.climbers-paradise.com

Ausrüstungstipps

Klettersteige reichen von leichten gesicherten Pfaden im steilen Gelände über kurze sportliche Touren bis hin zu hochalpinen Routen, die eventuell Hochtourenausrüstung erforderlich machen. Zur Basisausrüstung für jeden Klettersteig gehören aber:

  • Kletterhelm zum Schutz vor Steinschlag
  • Klettergurt
  • Klettersteigset
  • Klettersteiggeeignete Handschuhe
  • Stabile Bergschuhe oder Zustiegsschuhe mit rutschfester Profilsohle
  • Funktionelle, bequeme Bekleidung
  • Erste-Hilfe-Set, Handy
  • Getränke, Sonnenbrille, Sonnenschutz

Die fünf häufigsten Fehler

Die Zugänge zu den Klettersteigen werden immer einfacher. Immer mehr wollen folglich ran an die Eisen, weshalb Unfälle beim Klettersteiggehen weiter zunehmen. Die häufigsten Ursachen:

  • Nichtbeachtung des Wetters
  • Falscher Umgang mit der Ausrüstung 
  • Selbstüberschätzung
  • Falsches Einhängen der Karabiner am Steig
  • Keine geeignete Klettersteigausrüstung

Ausbildungsschein für die Via Ferrata

In Ramsau am Dachstein können Interessierte seit diesem Sommer eine Klettersteig-Lizenz erwerben. Mit dem „Level Gipfelstürmer“ tauchen Anfänger in Begleitung eines staatlich geprüften Bergführers sicher in die Via Ferrata-Welt ein. Die Kursinhalte: Materialkunde, Klettersteig- und Sicherungstechniken in Theorie und Praxis sowie Tourenvorbereitungen, Wetterkunde und das richtige Verhalten in Gefahrensituationen. Der Klettersteigschein kann von Mitte Juni bis Ende September jeden Montag erworben werden und kostet 29 Euro für Erwachsene, 15 Euro für Jugendliche und 12 Euro für Kinder.

Der Dachstein Super Ferrata als „Level Extreme“ setzt sich aus den Klettersteigen Anna, Johann und dem Ostschulteranstieg am Hohen Dachstein zusammen. Von Beginn der Stahlseil-Sicherung bis zum Ende des Seils auf dem Dachsteingipfel werden hier 1200 Höhenmeter zurückgelegt. Mit Klettersteig-schwierigkeiten bis E ergibt sich aus den drei Klettersteigen die längste und anspruchsvollste Klettersteigtour der Alpen. Wer die Super Ferrata vollendet, erhält nach Vorweis aller drei Klettersteigstempel aus den Wänden die exklusive „Level Extreme“ Super Ferrata Trophäe vom Tourismusverband. Der „Level Extreme“ kann alleine oder in Begleitung eines Bergführers absolviert werden. Infos unter www.ramsau.com.

Petra Rapp

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