Ab ins offene Wasser

Langstreckenschwimmen in Bayern

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Langstreckenschwimmen im freien Gewässer hat Tradition in Bayern. Beim Langstreckenschwimmen sind eine effiziente Schwimmtechnik, gute Kondition, regelmäßige Verpflegung und funktionelle Ausrüstung gefragt.

Dass Schwimmen gesund ist, ist hinlänglich bekannt. Unter den Ausdauersportarten ist es der gesündeste Sport schlechthin. Die korrekte Technik vorausgesetzt, tut Schwimmen dem Körper uneingeschränkt gut.

Es schont die Gelenke, trainiert alle Muskelgruppen, das Herz-Kreislauf-System und die Lungenfunktion. Doch während sich Otto-Normal-Schwimmer meist mit ein paar Bahnen im warmen Freibad oder ein paar Runden im Badesee begnügt, peilen immer mehr sportlich ambitionierte Schwimmer ganz andere Ziele an: Lange, weite Strecken durch das oft kühle Nass in großen Seen, Flüssen oder im Meer. Ausgelöst durch den Triathlon-Boom in Europa hat sich der Schwimmsport wieder zu einer attraktiven Hobby- und Breitensportart entwickelt, bei der die Schwimmer ihre persönlichen Grenzen auch auf langen Strecken austesten wollen.

Langstreckenschwimmen im freien Gewässer hat Tradition in Bayern. Schon Anfang der 50er Jahre zogen die Bayerischen Strommeisterschaften in der Donau bei Regensburg die Schwimmer in ihren Bann, um dort 7,5 Kilometer zu absolvieren. Christof Wandratsch war zehn Jahre lang in internationalen Gewässern unterwegs, bis er 1993  den Deutschen Schwimmverband davon überzeugen konnte, dass das Freiwasserschwimmen auch in Deutschland heimisch werden muss. Es gelang ihm und Stefan Hetzer (Burghausen) die German Open über 30 Kilometer in den Rhein-Main-Donau-Kanal bei Nürnberg zu holen. Damit begann die Erfolgsgeschichte des modernen Freiwasserschwimmens nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland.

Seit nunmehr fast 20 Jahren werden durch den Bayerischen Schwimmverband regelmäßig Internationale Bayerische Meisterschaften über 2,5, fünf und zehn Kilometer und der Internationale Bayerncup über 2,5 und 5 Kilometer ausgetragen, wo alle ambitionierten Langstreckenschwimmer ebenso teilnehmen können wie bei vielen weiteren Veranstaltungen in Bayern und anderswo.

Petra Rapp

Im Gespräch mit Extremschwimmer Christof Wandratsch

Der Mann muss einfach schwimmen – und das schon von klein auf, sieben Tage in der Woche und ziemlich lange am Stück. Christof „Wandi“ Wandratsch aus dem bayerischen Haiming, seines Zeichens mehrfacher Europa- und Weltmeister im Langstreckenschwimmen sowie erster Mensch, der den Bodensee (67 km in 20:41:25h) durchquert hat, hat Ende Juni in Murmansk in Russland die „Murmansk Mile 9“ bei 5°C. Luft- und ebenso kalten 5°C. Wassertemperatur mit einem neuen Streckenrekord beendet. Wir sprachen mit dem 47-jährigen Lehrer über sein Hobby.

Was unterscheidet den Freiwasserschwimmer vom Schwimmbadschwimmer?

Wandratsch:Ein Freiwasserschwimmer sollte keine Angst vor den natürlichen Bewohnern oder Pflanzen der jeweiligen Gewässer haben. Er genießt es, in den unterschiedlichsten Gewässern schwimmen zu können. Ein Freiwasserschwimmer muss sich, bevor er ins Wasser geht, aber sehr genau über die örtlichen Gegebenheiten des jeweiligen Gewässers informieren. Lernen kann man das alles in meinen Trainingscamps (www.wandratsch.de).

Was braucht man an Ausrüstung?

Wandratsch: Ideal fürs Freiwasserschwimmen ist eine Schwimmbrille mit großem Sichtspektrum. Zudem eine Silikon Bademütze, Ohrstöpsel, damit Kopf und Ohren bestens geschützt sind und um möglichst wenig Körperwärme zu verlieren. Beim Schwimmen im Salzwasser sollte man Vaseline zum Einreiben der Schultern und im Nackenbereich verwenden, um unnötiges Aufscheuern zu vermeiden. Bei kälteren Wassertemperaturen ist es ratsam, Neoprenanzüge zu verwenden. Ach ja, natürlich Badehose bzw. Badeanzug sollte man schon tragen. Mittlerweilen bieten auch unterschiedliche Anbieter sogenannte Rettungsbojen an, die man beim Schwimmen ohne weiteres mitführen kann.

Welche Schwimmtechnik ist dafür notwendig?

Wandratsch:Idealerweise bietet sich Kraul an. Hierbei sollte man auf einen Dreierzug achten, dadurch atmet man auf beide Seiten und kann sich besser orientieren. Natürlich geht auch Brustschwimmen. Jeder sollte die Schwimmtechnik wählen, bei der er sich wohl fühlt.

Wie orientieren Sie sich im Wasser?

Wandratsch: Bevor ich ins Wasser steige, suche ich mir markante Orientierungshilfen (Bäume, Gebäude, Berggipfel...) an Land. Und wie gesagt ist der Dreierzug gut, um sich am Ufer zu orientieren.

Was ist auf zehn Kilometern, seit 2008 olympische Disziplin, die größte Belastung?

Wandratsch: Generell ist die Belastung bei einer Schwimmdauer von ca. zwei Stunden sehr groß. Man muss drauf achten, dass man genügend Energie durch flüssige oder feste Nahrung zu sich nimmt. Man darf zu Beginn nicht überpowern, damit man noch genügend Körner für den Endspurt hat.

Wie stellen Sie sich auf Unwägbarkeiten wie Tiere im Wasser oder schwankende Temperaturen ein?

Wandratsch: Ich absolviere mein Training in vielen unterschiedlichen Gewässern, sodass ich beim Wettkampf möglichst keine Überraschungen erlebe. Die Abwechslung ist sehr wichtig. Bis jetzt hatte ich zum Glück noch keine größeren Probleme mit Tieren im Wasser.

Gibt es ein Gewässer, in dem Sie noch gerne einmal schwimmen würden?

Wandratsch: Ja, ich möchte unbedingt am Nordpol und am Südpol schwimmen.

Termine und Camps für Freiwasserschwimmer

  • 12. Juli 2014: Brombachseeschwimmen, www.brombachseeschwimmen.de
  • 19. Juli 2014: Bayerncup Simssee, www.bayerischer-schwimmverband.de/freiwasserschwimmen
  • 25.-27. Juli 2014: Bodensee Megathlon mit Freiwasserschwimmevent mit Christof Wandratsch am Abend des 25.7., www.bodensee-megathlon.de, www.bodenseequerung.de
  • 2. August 2014: Bayerische Meisterschaft, Ramsberg-Großer Brombachsee; www.bayerischer-schwimmverband.de/freiwasserschwimmen
  • 9. August 2014: Starnberger See Schwimmen, www.starnbergersee-schwimmen.de
  • 30. August 2014: Rottachseeschwimmen, www.roundabout3.de
  • 20. September 2014: Isarschwimmen, www.isarschwimmen.de
  • 26. Oktober -2. November Freiwasser-Trainingscamp mit Christof Wandratsch im sizilianischen Cefalù auf Sizilien; www.aqua-camps.extremschwimmer.de

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