Drei Rettungssysteme im -Vergleich

Die Lawine überleben

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Die Lawine überleben

Wer sich als Skibergsteiger, Schneeschuhgeher oder Tiefschneefahrer ins ungesicherte Gelände begibt, der muss auf jeden Fall eine dreiteilige Lawinen-Sicherheitsausrüstung bei sich führen und fachgerecht bedienen können: ein LVS-Gerät, eine Sonde und eine Schaufel.

Als Ergänzung – nicht als Ersatz! – kann man zusätzliche Rettungssysteme mit auf Tour nehmen, die die Überlebenschance im Fall eines Lawinenabgangs erhöhen. Die tz erklärt und vergleicht die drei gängigsten Systeme: Lawinenairbag, Lawinenball und die Atemhilfe AvaLung. Wichtig: Alle drei Systeme machen nur Sinn, wenn man nicht alleine auf Tour geht, sondern auf die Hilfe von Bergkameraden bauen kann. Bis professionelle Helfer die Unglücksstelle erreichen, ist der Verschüttete meist schon erstickt. Als Argument gegen Lawinenairbag & Co. wird häufig angeführt, sie erhöhten die Risikobereitschaft. Aber der Airbag im Auto wird ja auch nicht infrage gestellt, weil er den ein oder anderen zu riskanterer Fahrweise verleiten könnte.

Ein Ball als Suchhilfe

Der Avalanche Ball ist ein mit einer Spannfeder versehener Ball, der zusammengefaltet im Rucksack steckt und mit einer Schnur am Bauchgurt befestigt ist. Zieht man den Auslösegriff, springt der Ball aus der Hülle und „schwimmt“ auf der Lawinenoberfläche mit.

Vorteile:

- Die Kameraden folgen beim Ausgraben der Schnur, die den Lawinenball mit dem Verschütteten verbindet. Diese Art der Ortung geht einfacher als mit dem LVS-Gerät, spart also lebenswichtige Minuten.

- geringesGewicht (500 gr.)

- moderater Preis (200 €)

- Angeblich bleibt der Ball auch bei Nachlawinen an der Oberfläche.

Nachteile:

- Der Lawinenball kann die Verschüttung nicht verhindern.

- Der österreichische Hersteller des Lawinenballs betreibt ein äußerst aggressives Marketing. Erst kürzlich wurde er vom Oberlandesgericht Innsbruck verurteilt, weil er im Internet mit unzutreffenden Argumenten gegen den Lawinenairbag gehetzt hatte. Lesen Sie Seiten wie www.lawinenball.at also mit Skepsis.

Brustgurt zum Atmen im Schnee

Lawinenverschüttete ersticken sehr oft am Kohlendioxid, das sie selbst ausatmen. Das AvaLung-System verfolgt das Ziel, die aus dem sauerstoffreichen Schnee stammende Einatmungsluft von der Ausatmungsluft zu trennen, um die Überlebensdauer im Schnee zu verlängern und so den Rettern mehr Zeit zum Finden und Ausgraben zu verschaffen. Das Einatmen geschieht aus dem Brustbereich über einen Schnorchel mit Filter. Die Ausatmungsluft wird über ein Ventil in den Rückenbereich abtransportiert. AvaLung gibt es als Brustgurt (139 €) oder in Rucksäcke der Marke BlackDiamond integriert. Erfahrungsberichte (siehe www.blackdiamontequipment.com und unabhängige Tests deuten auf zuverlässiges Funktionieren hin.

Vorteile:

- niedriger Preis (140 € als Brustgurt) - leicht (425 gr.)

Nachteil:

- kann die Verschüttung nicht verhindern.

Airbag verhindert eine Verschüttung

Seit 25 Jahren tüftelt der Münchner Peter Aschauer an seinen Lawinenairbags, die unter dem Namen ABS firmieren. Das System besteht aus zwei aufblasbaren Ballons, die seitlich in speziellen Rucksäcken untergebracht sind. Gerät der Wintersportler in eine Lawine, zieht er auf Brusthöhe einen Auslösegriff, und in Sekundenschnelle bläst eine Hochdruck-Kartusche die Ballons auf. Das um 170 Liter gewachsene Volumen führt dazu, dass der Wintersportler (meist in Bauchlage) in einer fließenden Lawine an der Oberfläche bleibt, zumindest aber die Verschüttungstiefe drastisch reduziert wird. Physiker erklären das mit einem Sortierungseffekt, wonach in einem strömenden Granulat große Partikel an die Oberfläche gelangen.

Als einziges Zusatz-Rettungssystem wurde der ABS-Rucksack eingehend wissenschaftlich untersucht, und zwar nicht nur mit Dummy-Tests. Eine Auswertung zahlreicher Lawinenunfälle durch das Davoser Institut für Schnee- und Lawinenforschung hat ergeben, dass die Überlebensrate mit ABS 95 Prozent betrug, ohne Airbag (aber mit LVS-Gerät) 54 Prozent.

Infos: www.abs-airbag.com

Vorteile:

- kann als einziges System eine Verschüttung verhindern

- verschiedene, variable Rucksackgrößen

Nachteile:

- schwer (etwa zwei Kilo Mehrgewicht) - teuer (ab 700 €)

- Nachlawinen oder im Staubereich nachrutschende Scheemassen können zu tieferer Verschüttung führen. Dies kommt jedoch eher selten vor.

Die Standard-Ausrüstung im Tiefschnee

- Ein Lawinenverschütteten- Suchgerät (auch Pieps genannt) zum Orten. Drei-Antennen-Geräte sind Stand der Technik.

- Wenn man mit der Lawinensonde den exakten Verschüttungsort ermittelt hat

… macht man sich mit einer Schaufel ans Ausgraben. Alle drei Vorgänge bedürfen regelmäßiger Übung.

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