Mehr Lust an der Last

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Mehr Lust an der Last:

Die Lust am Wandern wird durch die Last am Rücken allzu oft getrübt. Ist der Rucksack falsch gepackt oder sitzt er nicht richtig, kommt es häufig zu Nackenschmerzen oder Druckstellen. Angelika ­Feldmann (43) führt Touren...

...für die Alpenvereins-Sektion Oberland und leitet Seminare zum cleveren Rucksack­packen (wieder am 11. Juni, www.alpinprogramm.de). In der tz verrät sie wichtige Tipps für ungetrübte Wanderlust. „Grundsätzlich sollte man keinen unnötigen Ballast mitschleppen“, rät Angelika Feldmann. Ein trainierter Wanderer (ohne Bandscheibenprobleme) kann bis zu 25 Prozent seines Körpergewichts über längere Zeit tragen. Diese Rechnung darf nicht auf Kinder übertragen werden! So sollte ein Kind zwischen neun und zwölf Jahren höchstens vier Kilo schultern. „Bei der Tourenplanung muss man also genau überlegen, was man brauchen wird und was man weglassen kann“, so Angelika Feldmann. „Auf wichtige Dinge wie Regenschutz oder Erste-Hilfe-Set darf man keinesfalls aus Gewichtsgründen verzichten. Aber bei ­einer Wochenendwanderung mit einer Hüttenübernach tung braucht man kein prall gefülltes Beautycase mitzuschleppen.“

Moderne Ausrüstung hilft beim Gewichtsparen. „Es gibt zum Beispiel heute leichte Alternativen zu diesen weit verbreiteten, aber bleischweren Doppeljacken“, weiß Angelika Feldmann. Und statt der Klinikpackung Sonnencreme genügt meist das Mini-Döschen. Damit Einzelteile nicht im Rucksack herumfliegen, empfiehlt Angelika Feldmann, das Gepäck auf mehrere Packbeutel (gibt’s im Sportgeschäft) aufzuteilen.

 „Die Hüttenwäsche in den einen Sack, das Regenzeug in einen anderen…“ Die Beutel sollten nicht zu prall gefüllt werden, damit sie ohne Luft-Zwischenräume im Rucksack aneinanderliegen.

Beim Packen des Rucksacks kommt es vor allem auf die richtige Gewichtsverteilung an. Dabei sollte sich der Schwerpunkt des Rucksacks möglichst dicht am Körper und möglichst in Schulterhöhe ­befinden. Ist der Schwerpunkt zu tief oder zu weit außen, zieht der Rucksack nach hinten. Das führt zu Nacken- und Schulterschmerzen und erschwert beim Gehen das Balancehalten.

Ausnahme: In schwierigem Gelände (Hochtour, Steige) sollte der Rucksackschwerpunkt etwas tiefer, ungefähr auf Höhe der Brustwirbelsäule liegen. „Dadurch läuft man zwar etwas vornüber gebeugt“, erklärt Feldmann, „aber man ist nicht so leicht aus dem Gleichgewicht zu bringen wie bei einem höheren Schwerpunkt.“

So packen Sie den Rucksack richtig

DECKELFACH
„Das Deckelfach wird oft missbraucht“, weiß Angelika Feldmann. Soll heißen: Es wird mit zu vielen und/oder zu schweren Dingen vollgepackt. Ins Deckelfach gehören nur Kleinteile, die stets griffbereit sein sollen, zum Beispiel Sonnenbrille, Fotoapparat oder ein Müsliriegel. Vor allem bei nicht prall gefülltem Rucksack führen Schwergewichte im Deckelfach ­dazu, dass es hin- und herrutscht.

HAUPTFACH
Schwere Ausrüstungsgegenstände wie der Campingkocher oder Kletter-Karabiner kommen ins Hauptfach, und zwar möglichst nah am Rücken und auf Schulterhöhe (hier rot markiert)! Mittelschwere Dinge wie Bekleidung oder das Erste-Hilfe-Set kommen ebenfalls ins Hauptfach, und zwar nach außen (grün markiert).
So wenig Ausrüstung wie möglich sollte außen am Rucksack befestigt werden, schon wegen der Gewichtsverteilung: Wer die Steigeisen hinten auf den Rucksack bindet, wird von ihnen nach hinten gezogen. Vorsicht auch bei Außen- und Seitentaschen! Die Trinkflasche in einer seitlichen Tasche bringt den Rucksack schnell aus dem Gleichgewicht. In die Außen- oder Seitentaschen dürfen also nur leichte Gegenstände, die schnell griffbereit sein sollen, etwa die Gamaschen.

BODENFACH
Ins Bodenfach des Rucksacks kommen voluminöse, aber leichte Gegenstände wie der Schlafsack, die Isomatte oder die Daunenjacke. Ist ein Rucksack nicht prall gefüllt, helfen Kompressionsriemen, die Last an den Rücken zu ziehen, und verhindern ein Herumschlackern des Rucksacks.

LAGEVERSTELLRIEMEN
Das Hauptgewicht des Rucksacks liegt nicht auf den Schultern, sondern auf der Hüfte. Daher dienen die Lageverstellriemen lediglich dazu, in schwierigem ­Gelände den Kontakt zum Rücken und damit die Stabilität zu erhöhen oder – gelockert – für bessere Belüftung zu sorgen.

SCHULTERGURTE/BRUSTGURTE
Erst wenn die Hüftflossen an den ­richtigen Stellen aufliegen und der Hüftgurt festgezurrt ist (siehe unten), werden die Schultergurte angezogen. Gleichmäßig, aber nicht zu fest, denn die Hauptlast soll auf dem Hüftgurt und nicht auf den Schultern liegen. Anschließend wird die Schnalle des Brustgurts geschlossen, ohne dass er die Atmung beeinträchtigt; er stabilisiert die Schultergurte und verhindert, dass sie an den Armen scheuern.

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