Präsidenten-Pisten am Polit-Gipfel

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Höchstes Fünf-Sterne-Resort der Alpen: Im Dezember 2009 wurde die Wedelhütte auf dem Sattel zwischen Wimbach- und Marchkopf eröffnet, zum Jahreswechsel war der deutsche Bundespräsident Horst Köhler dort zu Gast.

Das höchstgelegene Fünf-Sterne Resort der Alpen liegt auf 2350 Metern: Die Wedelhütte. Zum Polit-Gipfel verwandelt sich das Resort, wenn Bundespräsident Horst Köhler dort seinen Skiurlaub verbringt.

Spätnachmittags kehrt die Stille zurück. Betörende Stille. „Manche packen das nicht“, grinst Stefan Wierer und schlägt sich den Pulverschnee vom Anorakärmel. Er muss es wissen. Im Zillertal ist der 44-Jährige eine Art Prominenter, wobei er doch eigentlich nur seine Arbeit tut. So wie jetzt, wenn er auf 2350 Metern die Natur erklärt und die Beweggründe, warum ihr der Mensch ein Stück Fels abgetrotzt und hier oben in der Abgeschiedenheit eine neue Luxusherberge gebaut hat – und welche Rolle Bundespräsident Horst Köhler dabei spielte.

Zwischen Wimbach- und Marchkopf

Wer immer tiefer ins Hochzillertal vordringt und schließlich den Bergkamm erreicht, der das Skigebiet mit Hochfügen verbindet, hat von dort nicht nur einen famosen Blick auf den Zillertaler Hauptalpenkamm, sondern auch auf ein logistisches Meisterwerk.

In nur sechseinhalb Monaten bepflanzte die Unternehmerfamilie Schultz, größter privater Bergbahnbetreiber Österreichs, den Sattel zwischen Wimbach- und Marchkopf mit dem höchstgelegenen Fünf-Sterne-Resort der Alpen – der Wedelhütte. Rund 300 Arbeiter bevölkerten an Spitzentagen die Baustelle, für den Weinkeller karrten Lastwagen die Ziegel alter Wiener Häuser aus der Kaiserzeit auf den Berg.

Horst Köhler hat das exklusive und doch so heimelig-rustikale Refugium mit nur elf Suiten schon gesehen. Über den Jahreswechsel war er mit der Familie hier, kurz nach der Eröffnung im Dezember.

Den Platz am Berg, wo jetzt tagsüber Scharen von Skifahrern verköstigt werden und abends eine überschaubare Zahl an Hausgästen vor dem knisternden Kamin sitzt, kennt der Bundespräsident freilich schon länger. Der höchste Mann im Staate kommt regelmäßig ins Zillertal. Immer mit dabei: Stefan Wierer. Mit großem Respekt vor der Verantwortung habe er sich der Familie Köhler angenommen, mittlerweile besteht bei aller gebotenen Distanz eine herzliche Freundschaft.

Bevor es die Wedelhütte gab, wohnte das Präsidentenpaar auf der Kristallhütte. Eine Einladung, ausgesprochen auf der Tourismus-Messe in Berlin, hatte die prominenten Bergfreunde neugierig gemacht und letztlich die Liebe fürs Zillertal geweckt.

Nun ist es nicht so, dass es einem auf der Kristallhütte an irgendetwas mangeln würde. Acht schmucke Suiten, unübertroffener Bergblick, vorzügliches Essen – nicht umsonst ist das Haus schon fünfmal zur besten Skihütte der Alpen gewählt worden. Aber hochkarätige Polit-Gäste wie die Köhlers nötigten die Gastgeber zur Improvisation. Als Präsident ist man nie ausschließlich Privatperson. Und wollte sich Köhler tagsüber, wenn in der Hütte Hochbetrieb herrscht, mal zu einem Gespräch zurückziehen, musste ein Teil des Gastbereichs abgesperrt werden.

Solche Erfahrungen flossen in den Bau der Wedelhütte ein. Auch wenn Küche und Schänke dort an Spitzentagen 1800 Skifahrer verköstigen – zwei Etagen höher herrscht in der Lounge himmlische Ruhe. In exklusivem Ambiente sind Gespräche und gepflegte Essen möglich – übrigens auch für den ganz normalen Skifahrer, der seine Skischuhe mal für eineinhalb Stunden gegen gemütliche Filzpatschen tauschen will.

Ganz normale Gäste – so würden sich die Köhlers selbst gerne sehen. Wenn nicht ihr Status eine Sonderbehandlung erforderte – Überwachungskameras und eine Hausdurchsuchung mit Sprengstoffhunden inklusive. „Als die Buchung kam, waren wir erst mal unsicher“, gesteht Wedelhütten-Pächter Manfred Kleiner. „Aber die Aufregung hat sich schnell gelegt.“ Herzlich und ungezwungen sei der Präsident auf seine Gastgeber zugegangen.

Tirol Karte

Stefan Wierer kann das nur bestätigen. „Die Begeisterung über die Natur, wenn er auf dem Gipfel steht, steckt an“, erzählt der Bergführer. Und dazu, wie Köhler anderen Gästen begegnet: „Es ist beeindruckend, wie herzlich er auf die Leute reagiert, die ihn erkennen.“

Gleichwohl schätzt Horst Köhler abends die Abgeschiedenheit und Ruhe, die es unten im Tal nicht gibt. Wenn spätnachmittags die letzten Skifahrer ihre Bahnen ins Tal ziehen, bleiben lediglich zwei Dutzend Gäste und das Personal hoch oben auf der Wedelhütte zurück. Inmitten der Stille. Betörender Stille.

Stephen Hank

DIE REISE-INFOS

REISEZIEL Das Zillertal ist das breiteste südliche Seitental des Inns im österreichischen Bundesland Tirol. Die Skigebiete Spieljoch, Hochzillertal-Hochfügen, Zillertal Arena und Mayrhofen bieten Abfahrten für jeden Geschmack und für jedes Können. Allein im Gebiet Ski-Optimal Hochfügen-Hochzillertal erschließen 32 Lifte 166 Pistenkilometer bis zu einer Höhe von 2500 Metern. Davon sind 37 Kilometer als schwere und 97 Kilometer als mittelschwere Abfahrten deklariert.

ANREISE Mit dem Auto geht’s am schnellsten über die Inntalautobahn (A12), Ausfahrt Zillertal. Von München sind es rund eineinhalb Stunden, mautfrei über den Achensee dauert es etwa eine dreiviertel Stunde länger.

SAISON Die Skisaison im Zillertal dauert in diesem Winter von 4. Dezember bis 18. April.

SKIPASS Die Tageskarte kostet 39,50 Euro (gültig ab 8 Uhr, Preise nach Uhrzeiten gestaffelt), Kinder zahlen 18,50 Euro. Ab vier Skitagen kann man den Zillertaler Superskipass lösen, der 138 Euro (Kinder: 63 Euro) kostet. Er ist auf allen Anlagen des Zillertals gültig und eröffnet damit 649 Pistenkilometer.

WOHNEN Eine Nacht im höchstgelegenen Fünf-Sterne-Hotel der Alpen, der Wedelhütte, kostet in der Juniorsuite 149 Euro pro Person inklusive Halbpension. Unter anderem verfügt jedes Zimmer über eine Infrarotkabine. Informationen im Internet unter www.wedelhuette.at, oder unter Tel. 0043/676/88632570.

GASTRONOMIE Kulinarisch lohnenswert ist auch ein Besuch der Kristallhütte oder der Platzlalm. Die Preise bewegen sich allesamt etwa auf gleichem Niveau. Suppen kosten 3,20 bis 5 Euro, Hauptgerichte 10 bis 24 Euro. Infos unter www.platzlalm.at oder www.kristallhuette.at.

WEITERE INFOS Zillertal Tourismus, Schlitters, Tel. 0043/5288/87187, www.zillertal.at.

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