Richtig zelten! Tipps von Outdoor-Profi Bo Hilleberg

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Bo Hilleberg zeigt, wie man ein Zelt richtig abspannt: mit möglichst langen Leinen:

Hilleberg – bei diesem Namen bekommen Camper glänzende Augen. Die schwedische Firma baut die wohl besten Zelte der Welt, hat gerade wieder einen Vergleichstest der deutschen Fachzeitschrift Alpin gewonnen.

Vor 40 Jahren begann Bo Hilleberg, selbst Zelte zu konstruieren, weil die Modelle am Markt nicht seinen Ansprüchen auf Trekking-Touren oder bei Winter-Aktivitäten genügten. Heute ist der Schwede, der eine ­Kufsteinerin geheiratet hat, 71 Jahre alt und die Graue Eminenz des Familienbetriebs in der Stadt Östersund. Die tz durfte Bo Hilleberg und einige seiner Mitarbeiter bei einem Betriebsausflug begleiten, einem fünftägigen Kanu-Tripp im Rogen-Naturreservat an der Grenze zu Norwegen. Dabei wollten wir natürlich aus erster Hand ein paar Profi-Tipps erfahren, was man beim Zelten beachten muss. Und so erklärt Bo Hilleberg, wie man’s richtig macht – und wie nicht.

So ist's richtig

 - Suchen Sie sorgfältig nach einem geeigneten Zeltplatz. Ideal ist eine leicht konvexe Fläche, sie erleichtert das Spannen des Zeltes. Außerdem läuft Regenwasser von ihr ab. Das Zelt sollte nicht zu windexponiert stehen, aber: Ein leichter Luftzug ist wichtig für die Ventilation im Zelt, damit sich kein Kondenswasser an den Innenwänden niederschlägt.

 - Werfen Sie das zusammengelegte Gestänge niemals aus, als wäre es eine Angel, sondern stecken sie die einzelnen Glieder vorsichtig ineinander (Foto). Denn wenn die Elemente der Stangen an den Verbindungsstellen gegeneinanderkrachen, können Kerben und Risse entstehen, die die Stabilität des Aluminiums gefährden und die textilen Gestängekanäle aufreißen können.

- Beim Einfädeln der Gestänge immer drücken, nicht ziehen! Durch das Ziehen können Gestängeelemente auseinanderrutschen, was zu Schäden an den Verbindungsstellen und im Kanal führt. Analog dazu gilt beim Abbauen: den Zeltstoff über die Stangen schieben (Foto oben), nicht das Gestänge aus den Kanälen herausziehen!

- Die Abspannleinen sollten so lange wie ­möglich befestigt werden (großes Foto oben). So haben sie wegen des günstigeren Winkels mehr Kraft, das Zelt gegen den Wind zu halten.

- Die Heringe sollten nicht senkrecht, sondern in einem Winkel von 45 Grad in den Boden gesteckt werden – natürlich mit der Spitze in Richtung Zelt. So verhindert man, dass die Heringe von den Leinen herausgezogen oder umgekippt werden.

- Die Heringe haben den besten Halt, wenn sie mit ganzer Länge im Boden stecken.

- Überprüfen Sie vor dem Schlafengehen noch einmal, ob Ihr Zelt gut steht, und spannen Sie nötigenfalls nach. Durch veränderte Lufttemperatur oder -feuchtigkeit kann sich das Zeltmaterial jederzeit dehnen oder zusammenziehen.

- Lassen Sie die Lüftungsschlitze und die Abdeckungen über den Moskitonetzen so weit wie möglich geöffnet. Wer alle Schotten dicht macht, hat es vielleicht etwas wärmer, trägt jedoch erheblich zur Entstehung von Kondenswasser bei.

So ist`s falsch

- Auf dem Innenzelt sollte nicht zu viel Spannung anliegen. Das wäre zum Beispiel daran zu erkennen, dass es im leeren Zustand zu schweben scheint. Hier helfen die eingebauten Spannleinen: Man zieht das Außenzelt so straff zusammen, bis das Innenzelt locker hängt und den Boden berührt.

- Beim Fixieren der Heringe im Grund bitte nicht mit der Fußsohle draufsteigen! Dabei läuft man Gefahr, dass der Hering nach vorne gedrückt wird, wodurch das Loch „ausleiert“ und unbrauchbar wird (Foto). Und: Beim Draufsteigen verbiegt sich ein Hering leicht mal. Besser: Den Hering mit einem Stein oder einem Hammer in die Erde klopfen.

- Legen Sie die geöffnete „Eingangstür“ des Innenzeltes niemals auf dem blanken Boden ab, sondern immer im Inneren des Innenzeltes. Andernfalls gerät Dreck in die Reißverschlüsse, was ihnen über kurz oder lang den Garaus macht.

- Die Reißverschlüsse sind die empfindlichsten Bestandteile eines Zeltes. Deshalb sollten die Zipper nicht unter Spannung stehen (Foto rechts), sondern sich leichtgängig auf- und zuziehenlassen. Das lässt sich in den meisten Fällen durch eingebaute Spannleinen erreichen oder auch durch ein sorgfältiges Abspannen von außen.

- Lassen Sie Ihr Zelt nicht länger als nötig in der prallen Sonne stehen. Sonnenstrahlung schadet dem Material. Es bleicht aus und wird porös, wodurch die Reißfestigkeit und die Wasserdichtigkeit sinken. In Australien zum Beispiel ist es wegen der hohen UV-Strahlung angebracht, das Zelt jeden Morgen zusammenzulegen und abends wieder aufzubauen. Alternativ: Ein Tarp als Sonnenschutz drüberspannen.

- Lagern Sie Ihr Zelt nicht länger als zwei bis drei Tage in feuchtem Zustand. Sonst entstehen Stockflecken, die stinken, gesundheitsgefährdend sind und das Material schädigen.

- Wenn Sie Ihr Zelt in den Packsack stecken, dann bitte niemals zuerst die Zeltplane und das Gestänge mitsamt den Heringen hinterher. Sonst können die Metallteile allzu schnell die Zeltplane durchstoßen. Besser: Gestänge und Heringe in den dafür vorgesehenen Säckchen verstauen und diese in die Zeltplane einrollen oder einfalten.

- Hängen Sie Ihr Zelt zum Trocknen auf, zum Beispiel im Wäschekeller oder in der Garage. Denn wenn man versucht, das Zelt auf der Erde stehend zu trocknen, bleibt die Bodenplane feucht. Und: Am besten mit eingestecktem Gestänge zum Trocknen aufhängen, dann kommt überall Luft ran.

I.W.

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