Ist das schöner als Ski fahren?

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Das ist dann die hohe Kunst

Du stehst seit Kindesbeinen auf den Ski und hast dich immer gefragt: Was ist dran am Snowboarden? Macht dieses „Surfen im Schnee“ womöglich noch mehr Spaß als Ski fahren?

Unvermeidlicher Schneekontakt. Snowboard-Lehrer Jelmer van den Ouden (l.) und tz-Reporter Ingo Wilhelm

Eines Tages erzählt dir eine boardbegeisterte Freundin von einem speziellen Brett, das es ­Anfängern besonders leicht machen soll. Und von einem tollen Snowboard­lehrer, den sie kennt. Und schon stehst du am Übungshang am Spitzing – zu deinen Füßen: ein Snowboard! Der staatlich geprüfte Snowboardlehrer deiner Freundin ist auch da. Er heißt Jelmer van den Ouden (32), ein schneeverrückter Holländer, der in Innsbruck ­hängengeblieben ist. Niederländischer Akzent verschmilzt mit Tiroler Mundart – selten hast du ein so drolliges Deutsch gehört. Jelmer erklärt dir das Besondere an deinem Anfänger-Board, das die Firma Burton eigens für Snowboard-Schulen entwickelt hat (siehe oben rechts): „Es verwindet sich leichter und hat eine flacher geschliffene Kante. Dadurch wird es drehfreudiger und verschneidet nicht so schnell.“

Lektion eins: Snowboard-Schuhe heißen zurecht Softboots, sie fühlen sich um Lichtjahre bequemer an als Skistiefel. Lektion zwei: Du sollst das Snowboard stets auf der Rückseite ablegen, sonst brettert es ohne dich den Hang runter. Lektion drei: die Grundposition auf dem Board – leicht affig mit hängenden Armen und angewinkelten Knien. Lektion vier: Du brauchst mindestens drei Schuljahre Englischunterricht, um einen Snowboardlehrer verstehen zu können. Frontside, Backside, Nose, Tail…

Du brauchst mindestens drei Schuljahre Englischunterricht, um einen Snowboardlehrer verstehen zu können. Frontside, Backside, Nose, Tail…

Am Ende deines ersten Snowboard-Tages wirst du mit solchen Begriffen etwas anfangen können. „Als Erstes tust du nur den Vorderfuß in die Bindung“, sagt Jelmer. Bei den ersten „One-fooded“-Rutschversuchen zeigt er dir, wie du mit Zehendruck auf die Vorderkante („Frontside“) oder Fersendruck auf die Hinterkante („Backside“) eine Kurvenfahrt einleitest. Weil du den Dreh schnell raus hast, konfrontiert Jelmer dich mit dem unangenehmsten Teil: der Fußfessel. So nämlich fühlt es sich für einen Skifahrer an, wenn er mit beiden Beinen auf dem Board fixiert ist. Jeder Verlust des Gleichgewichts endet zwangsläufig auf den Knien oder dem Hintern. Du lernst das Rutschen backside wie frontside, das Schrägfahren, Aufkanten, Bremsen, Kurve einleiten und so fort. Kleine Stürze inklusive, vor allem deine Handgelenke tun dir leid. Bald findet Jelmer, du seist reif für den Babylift. Jetzt bloß nicht verkanten und sich vor all den Pflug­bogen-Zwergerln blamieren!

Hohes Blamage-Potenzial: Die erste Fahrt mit dem Babylift am Spitzing

 „Snowboard fahren zu lernen, ist schwieriger als beim Ski fahren, weil man nicht so stabil steht“, findet auch Jelmer. Ein normaler Einsteigerkurs dauert drei Vormittage, danach stehen selbst Grobmotoriker sicher auf dem Brett. Dank ­Jelmers Privatunterricht willst du das heute an nur einem Tag schaffen – und kommst tatsächlich heil mit dem Babylift rauf. Jelmer hebt die Hand: „Gimme five!“ So schnelle Erfolge feiert man wohl nur mit einem professionellen Lehrer. Wer sich als Autodidakt Fehler angewöhnt, wird sie meist nie wieder los. Außerdem machen unkon­trollierte Snowboard-Novizen die Pisten unsicher.

Und immer schön die Hand zur Nose. Die ersten Schwünge verlangen Mut sowie Geduld mit dem Board

Deine nächste Aufgabe: Kurven fahren abwechselnd backside und frontside. Der heikle Moment kommt, wenn du dich in die Falllinie eindrehst und betest, dass dein Board die Kurve kriegt. „Nicht mit dem Oberkörper rumreißen! Hab Geduld!“, ruft Jelmer, und tatsächlich schmiert das Heck – pardon: das Tail deines Boards ganz sanft herum. Kurze Querfahrt, dann die nächste Kurve. Was für ein geschmeidiger Bewegungs­ablauf! Was für ein flowiges Fahrgefühl! Du wirst wohl nicht zum letzten Mal auf einem Snowboard gestanden sein.

I.W.

„Learn to Ride“

 

Die US-Firma Burton betreibt seit 14 Jahren ihr „Learn-to-Ride“-Programm. Es umfasst zum einen ein spezielles Lernprogramm, das weltweit an 116 Snowboard-Schulen gelehrt wird; zum zweiten spezielles Material, das Anfängern den Einstieg erleichtern soll. Die Boards, Schuhe und Bindungen werden als Leihmaterial an den LTR-Centers bereitgestellt. Für Kinder gibt es ein spezielles Lernboard. Sobald Snowboard-Schüler zusammenhängende Schwünge fahren können, sollten sie auf ein Fortgeschrittenen-Board mit härterem Flex umsteigen. Infos: www.burton.com

Wünschen Sie weitere Infos zu unseren Themen? Oder haben Sie einen Tipp, was sich draußen bewegt? Ingo Wilhelm freut sich auf Ihre E-Mail: draussen@tz-online.de

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