Die tz traf einen von Deutschlands besten Tiefschneefahrern

Basti erklärt uns das Freeriden

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Sebastian Hannemann lässt es am Laber stauben. Der 24-Jährige gehört zur Welt- Elite der Freerider. Wenn er mal nicht Ski fährt, studiert er Gymnasiallehramt Mathe und Sport.

Der Ski-Rennsport war nicht sein Ding, nun lässt es Sebastian Hannemann abseits der Pisten stauben. Der 24-jährige Augsburger reist in diesem Winter mit der internationalen Tiefschneefahrer-Elite bei der Freeride World Tour um den Globus.

Nächste Station ist Kirkwood (USA), am 12. März gastiert der Powder-Zirkus in Fieberbrunn. Die tz traf Basti Hannemann am Laber in Oberammergau, um mit ihm ein paar „Runs“ zu fahren und ich dabei das Freeriden erklären zu lassen.

Sag mal Basti, ist Freeriden nicht dasselbe, was man bislang „Tiefschneefahren“ nannte?

Basti: Freeriden bedeutet Skifahren oder Snowboarden abseits gesicherter Pisten, in der Regel also im Tiefschnee. Nicht zu verwechseln mit Freestyle; so nennt man das trickreiche Fahren und Springen über Geländer („Rails“) oder Schanzen („Kicker“) in sogenannten Snowparks.

Wie kommen Freerider auf den Berg?

Basti: Meist mit dem Lift oder der Seilbahn. Manchmal geht es von der Bergstation zu Fuß oder auf Steigfellen noch ein Stück weiter, um ins freie Gelände zu gelangen.

Welches Material braucht man?

Basti: Freeride-Ski sollten mindestens 95 mm, besser 110 mm oder noch breiter sein, um im Tiefschnee gut aufzuschwimmen. Die Stiefel sollten steif genug für eine gute Kraftübertragung sein, andererseits aber auch kurze Aufstiege ohne Druckschmerzen gestatten. Wer mit Fellen aufsteigt, braucht eine Bindung, bei der die Ferse ausgeklingt und zur Abfahrt wieder arretiert werden kann.

Braucht man außerdem eine Sicherheitsausrüstung?

Basti: Oh ja! Ohne Helm geht gar nichts. Sehr zu empfehlen sind auch Hartschalenprotektoren für den Rücken. Last but not least: die Lawinen-Sicherheitsausrüstung. Sie besteht aus dem Lawinenverschütteten- Suchgerät, Sonde und Schaufel. Ich persönlich trage zusätzlich immer einen ABS-Lawinenairbag-Rucksack.

Was ist vor dem Freeriden zu beachten?

Basti: Lawinenlagebericht checken und sich danach richten!

Was geht gar nicht?

Basti: Alleine freeriden. Bei einem Lawinenabgang müssen die Begleiter den Verschütteten aus dem Schnee befreien. Auch bei einem schweren Sturz ist man ohne Begleiter womöglich verloren.

Wie ist die Fahrtechnik?

Basti: In alten Lehrbüchern übers Tiefschneefahren heißt es oft: „Knie zusammen und möglichst beide Ski gleichmäßig belasten.“ Ins Altpapier damit! Freerideski muss man schon wegen ihrer Breite etwas breitbeinig fahren. Um einstabiles Gleichgewicht zu halten, sollte man den Außenski stärker belasten. Häufigster Fahrfehler ist die Rücklage. Ich versuche immer, eine zentrale Körperposition zu halten und etwas Druck auf die Schaufel der Ski auszuüben.

Dein Lieblingsrevier?

Basti: Hochfügen im Zillertal.

Welche Rolle spielt für euch Freerider der Naturschutz?

Basti: Wer in der Natur Spaß haben will, sollte sie auch schützen. Also niemals in Wald- oder Wildschutzgebiete fahren!

Wie exzessiv feiert ihr?

Basti: Ich erinnere mich an Freerider, die nachts leicht bekleidet durch Wintersportorte torkelten … Vor einem Wettkampf ist Partymachen für mich aber tabu.

Dein Schlusswort?

Basti: Lieber mal vor einer krassen Abfahrt zurückstecken und heil zum Abendessen kommen!

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