Spikereifen im Test: Fahren Sie die Krallen aus!

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tz-Redakteur Ingo Wilhelm ging mit dem „Ice Spiker Pro“ im Olympia-Eisstadion an die Traktionsgrenze.

München - Ob Stadtradler oder Mountainbiker – immer mehr Pedalhelden lassen sich durch Eis und Schnee nicht vom Radeln abhalten. Wenn’s rutschig wird, können sie ganz legal die Krallen ausfahren: mit Spikereifen für Fahrräder.

Metallstifte in den Pneus sind hierzulande nur bei Kraftfahrzeugen verboten, weil gespickte Autos oder Busse mit ihrem hohen Gewicht den Straßenbelag beschädigen würden.

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„Mit Spikes rollt das Bike wie auf Schienen“, verspricht die deutsche Fahrradreifen-Firma Schwalbe. Die tz nahm sie beim Wort und bat drei Spikereifen-Modelle von Schwalbe, die bei Radl­Bauer erhältlich sind, zum ­Härtetest ins Eisstadion im Münchner Olympiapark:

Der „Ice Spiker Pro“ ist der High-End-Pneu für Gelände­radler. Aus seinen Stollen ragen 361 Wolframcarbid-Stifte, die mit Aluminium ummantelt sind – das Leichtmetall hält das Gewicht im Zaum, bei 695 Gramm pro Reifen. Und der Grip? Unfassbar. Mit diesem Stachelschlappen kann man selbst auf blankem Eis Sprints und schräge Kurvenfahrten hinlegen. Ein Traktions-Gigant für Mountainbiker, die im auch Winter über die Isartrails heizen wollen. Der Preis allerdings lässt einen frösteln: 94,90 Euro pro Stück.

Der hohe Preis von Spike­reifen erklärt sich vor allem ­dadurch, dass sämtliche Metallstifte per Hand eingesetzt werden. Und er wirft die Frage nach dem Verschleiß auf: „Selbst bei Vielfahrern, die sowohl auf Schnee als auch auf Asphalt ­unterwegs sind, hält ein Spikereifen gut und gerne drei Winter lang“, versichert Bernd Heinrich von Schwalbe. Ein blockierendes Hinterrad auf Asphalt schleift die Spikes natürlich schneller rund und kann sogar dazu führen, dass ein Metallstift aus dem Gummi fliegt. Ersatz­stachel lassen sich ­jedoch einfach mit Hilfe einer Zange eindrücken.

Wer bei wechselnden Verhältnissen unterwegs ist, sollte bei Spikereifen den Luftdruck variieren: Für Fahrten auf Asphalt bis zum Maximaldruck (auf der Reifenflanke angegeben) aufpumpen – „dann berühren die Spikes kaum noch die ­Straße, Rollwiderstand und Laufgeräusch werden minimiert“, erklärt Bernd Heinrich. Bei Schnee und Eis bis zum ­Minimaldruck Luft ablassen – für optimale Haftung.

Besonders deutlich wird dieser Effekt bei den zwei Reifen-­Modellen für Straßenradler:

Der „Marathon Winter“ (51,90 €) hat je nach Größe (fünf Versionen zwischen 20 und 28 Zoll) 168 bis 240 Spikes, die sich ebenfalls tapfer ins Geläuf der Eishalle krallen.Diese M&S-Version des beliebten Trekkingreifens ist für winterliche Radweg-Verhältnisse der beste Kompromiss aus Traktion und Leichtlauf – erste Wahl für Alltagsradler.

Am „Snow Stud“ (41,90 Euro, 26 oder 28 Zoll) glitzern 100 bzw. 120 Spikes, die auf den seitlichen Stollen angebracht sind und deshalb erst bei ­Kurvenfahrten oder niedrigem Luftdruck mit dem Untergrund in Kontakt kommen – ideal für Winterradler, die eher selten Bekanntschaft mit Glatteis machen

Durch ihr ausgeprägtes Profil und eine weichere Gummi­mischung bieten alle Spike­reifen auch auf festgefahrenem Schnee gute Traktion. Tiefschnee-Fahrten bleiben jedoch eine kraftraubende Wühlarbeit. Besonders unangenehm ist es, wenn Autos den Schnee zu einer sandigen Konsistenz verdichtet haben; da hilft auch mit gespickten Reifen nur eine sehr gute Fahrtechnik.

Angesichts des aktuell sonnigen Herbstwetters denkt wohl noch kaum ein Radler an Winterreifen. Doch die Hersteller fertigen nur geringe Stückzahlen. Und Franz Dengler, Geschäftsführer von RadlBauer, weiß aus den vergangenen Jahren: „Sobald der erste Schnee fällt, beginnt der Ansturm auf Spikereifen, und dann sind sie blitzschnell vergriffen.“

tz

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